Gewerbe macht Begegnungszone grün
16.05.2025 Bezirk Sissach, Baselbiet, Region, Bezirk Sissach, Natur, Sissach«Inseln» laden während der Gewerbeausstellung zum Verweilen ein
Was wegen des stehenden und rollenden Verkehrs sonst nicht möglich ist, haben die Sissacher Gewerbetreibenden für die Dauer der Ausstellung Mega an diesem Wochenende erschaffen: eine teilweise ...
«Inseln» laden während der Gewerbeausstellung zum Verweilen ein
Was wegen des stehenden und rollenden Verkehrs sonst nicht möglich ist, haben die Sissacher Gewerbetreibenden für die Dauer der Ausstellung Mega an diesem Wochenende erschaffen: eine teilweise begrünte Begegnungszone.
Christian Horisberger
120 Pflanzen in Töpfen, 1800 Harassen, 200 Schaltafeln, 3000 Kabelbinder und 80 Kubikmeter Hackschnitzel. Das sind die Zutaten für zwei Dutzend grüne Inseln, die während der Gewerbeschau Mega ein einladendes Ambiente auf dem Ausstellungsgelände in der Sissacher Begegnungszone schaffen sollen.
Noch hat die «Mega» nicht begonnen, doch schon haben die Passanten in der Begegnungszone für diese Oasen nur lobende Worte übrig. Und bedauernde: «Schade, dass das nicht so bleibt …», war am Mittwoch, als die grünen Inseln fertiggestellt wurden, auch zu hören.
Die Devise, die Begegnungszone für die Dauer der «Mega» zu «begrünen» und schattige Sitzgelegenheiten zu schaffen, hatte OK-Präsident Mario Herger ausgegeben. Als Gärtnermeister nahm sich OK-Mitglied Adrian Thomet der Aufgabe an und entwickelte gemeinsam mit dem Sissacher Landschaftsarchitekten Pascal Gysin und dem «Mega»-Bauteam ein Konzept mit mehreren grünen Inseln: Deren Rand bilden mit Kabelbindern verbundene Harassen. Darin werden unterschiedlich hohe Pflanzen in Töpfen platziert. Die Innenseite der Umrandung wird mit einem Vlies ausgekleidet und mit Holzschnitzeln aufgefüllt. Schliesslich erhalten die Harassen eine Sitzfläche aus ungebrauchten Schaltafeln.
Von der «Sonne» bis zum «Sternen»
Der Landschaftsarchitekt gab die Form und Platzierung der 25 Inseln vor – aus Ressourcengründen lediglich zwischen dem «Sternen» und der Sonnenkreuzung und nicht in der gesamten Begegnungszone, wie Thomet sagt. Der Gärtnermeister beschaffte das Material, den Zusammenbau erledigten unter seiner Anleitung Schülerinnen und Schüler der Sek Sissach sowie Zivilschützer.
Nicht nur das Ergebnis ist bemerkenswert, sondern auch, wie es zustande gekommen ist: Die Sekundarschule Sissach hatte das «Mega»- Organisationskomitee angefragt, ob Schulkinder sich in einer Form an der Gewerbeschau beteiligen könnten, und auch Angehörige der Zivilschutzorganisation Argantia standen als Helfer zur Verfügung. Das Material zur Gestaltung der «Inseln» hätten alle Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellt, sagt Thomet. Dabei handle es sich zum Teil um Betriebe, die nicht einmal dem Gewerbeverein Sissach als Veranstalter der «Mega» angehören.
Zur Arbeit der Zivilschützer und insbesondere auch der 35 mitwirkenden Schülerinnen und Schüler äussert sich Thomet, Mitglied der Geschäftsleitung von Dietisberg Wohnen und Werken, sehr positiv: «Sie alle machen grossartig mit.» Wobei er sich davon nicht sonderlich überrascht zeigt: «Wenn man an einem Projekt mitwirken kann, in dem man einen Sinn und Nutzen sieht, arbeiten eigentlich immer alle gerne mit.» Was die beiden Schülerinnen Miriam und Sarina von der 3ab angeht, die am Mittwoch mit Akkuschrauber und Rechen am Werk waren, trifft Thomet damit den Nagel auf den Kopf. Als Freiwillige für den Einsatz gesucht wurden, hätten sie sich gemeldet, weil sie das Projekt für eine gute Sache hielten, sagen sie. Denn mehr Sitzgelegenheiten und Schatten und dafür weniger Autos in der Begegnungszone würden sie sich auch sonst wünschen.
Der Einsatz der beiden Schülerinnen und drei ihrer Klassenkameraden vom Mittwoch dauerte knapp vier Stunden. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Sitzflächen mit Verbindungselementen aus Holz und Schrauben zu fixieren. Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten sei ihnen die Arbeit je länger, desto leichter von der Hand gegangen, so die Jugendlichen.
Sekschüler packen mit an
Zwei weitere Gruppen mit jeweils 15 Neuntklässlern standen am Dienstag beim «Insel»-Bau je einen halben Tag im Einsatz. Siebtklässler der Sek werden nach der «Mega» beim Abbauen und Aufräumen mithelfen. Der «Mega»-Job der Achtklässler ist bereits getan: Sie haben im Rahmen des Projekts «Gewerbe@Schule» bei 25 Ausbildungsbetrieben des Gewerbevereins Sissach Lernende begleitet, interviewt und gefilmt. Aus dem Material entstanden Videos, die auf der «Mega»-Website zu sehen sind. Schülerinnen und Schüler können sich dort nun erste Eindrücke von verschiedenen Berufen und lokalen Betrieben verschaffen.
Während die letzten Inseln mit Holzschnitzeln aufgefüllt und diese mit Rechen verteilt werden, sitzt OK-Präsident Mario Herger im Schatten auf dem Rand einer fertigen Insel und schaut den Arbeitenden zu. Es machte ganz den Anschein, als sei er zufrieden, wie sein Auftrag umgesetzt worden ist. Danach gefragt, sagt er nur: «Genial!»
Die Gewerbeausstellung wird heute Freitag um 17 Uhr eröffnet und dauert bis Sonntag um 17 Uhr.
So geht Streetdance
Das Rahmenprogramm der Gewerbeausstellung Mega auf dem Postplatz in Sissach verspricht abwechslungsreiche Unterhaltung. Unter anderem präsentiert das «Studio Aktiv» aus Sissach dem Publikum die Tanzstile Streetdance und Discofox. Von den fünf Gruppen, die 30 Minuten lang auftreten, wurde eine letzte Woche Schweizer Meister in der Kategorie Streetdance. Ein Tanzpaar der Discofox-Gruppe holte den Schweizer-Vizemeister-Titel. Getanzt wird auf der «Mega»-Bühne in passenden Outfits, die speziell auf die Choreografien der Tänzerinnen und Tänzer abgestimmt wurden.
Nicht zum ersten Mal tritt das Studio an der «Mega» auf. Für dessen Leiter Michele Fricchione hat die Gewerbeausstellung einen hohen Stellenwert: «Hier versammelt sich das ganze Oberbaselbiet. Es ist eine gute Gelegenheit, uns zu präsentieren.» Voller Zuversicht und Optimismus bereitet Fricchione, der selbst mehrfacher Schweizer Meister, Europa- und Weltmeister im Discofox ist, seine Tänzer und Tänzerinnen auf den Auftritt vor.
«Für mich ist die ‹Mega› ein toller Event. Wir sind stolz darauf, Teil davon zu sein», so Fricchione. Die Gruppen würden langsam nervös werden, sagt der Studioleiter, doch er stärkt ihnen den Rücken: «Ich versuche, die Teams mental so gut wie möglich vorzubereiten, damit sie von ihren Fähigkeiten überzeugt sind. Die Choreografien baue ich so auf, dass sie für alle umsetzbar sind.» Man darf gespannt sein, ob das «Studio Aktiv» die Bühne zum Beben bringen wird und sich die Zuschauer und Zuschauerinnen von den Rhythmen mitreissen lassen.
Dieser Beitrag von Amélie Screpanti ist im Rahmen eines Schnupperpraktikums auf der Redaktion entstanden.