«Für viele ist die aktuelle Lage katastrophal»
17.02.2026 Bezirk Liestal, Finanzen, Baselbiet, BubendorfNach dem Grossbrand kämpfen junge Unternehmen ums Überleben
Der Grossbrand vom 11. Februar hat in der Bubendörfer Industrieund Gewerbehalle rund 20 Werkstattboxen und Büroflächen zerstört. Besonders hart trifft es junge Firmen im Aufbau. Zwei von ihnen ...
Nach dem Grossbrand kämpfen junge Unternehmen ums Überleben
Der Grossbrand vom 11. Februar hat in der Bubendörfer Industrieund Gewerbehalle rund 20 Werkstattboxen und Büroflächen zerstört. Besonders hart trifft es junge Firmen im Aufbau. Zwei von ihnen berichten von existenziellen Verlusten – und von ihrem Willen, weiterzumachen.
André Frauchiger
«Ich habe alles verloren», sagt Dominic Mühlemann, Inhaber der Mühlemann Bau GmbH, im Gespräch mit der «Volksstimme». Beim Brand in Bubendorf vom 11. Februar sind rund 20 Werkstattboxen und Büroflächen zerstört worden. Mühlemann verlor die gesamte Werkstatt; der komplette Maschinenpark, sämtliches Werkzeug sowie ein Montagefahrzeug wurden vernichtet. Auch seine Büroräumlichkeiten sind nicht mehr nutzbar. Geblieben ist ihm lediglich ein Anhänger, der zufällig extern abgestellt war.
Mit seinen zwei Mitarbeitenden ist Mühlemann vorübergehend bei einem Metallbauer in Liestal untergekommen. Parallel dazu sucht er intensiv nach einem neuen definitiven Standort. Die Anforderungen sind jedoch hoch: Benötigt wird eine grosse Halle auf Parterre-Ebene, idealerweise mit Hallenkran und zwingend mit Lastwagenzufahrt. Hinzu kommt, dass ein Metallbaubetrieb als lärmintensives Gewerbe gilt und daher in Wohnzonen kaum bewilligungsfähig ist.
Gegründet hatte Mühlemann seine Firma erst im August 2024. Zwei Monate später zog er in das neue Gewerbegebäude an der Wattwerkstrasse 2 ein. «Ich habe mein gesamtes Erspartes in diesen Betrieb investiert», sagt er. Ende 2025 sei die Firma dank grosser Aufträge voll ausgelastet gewesen. «Und nun hat der Brand alles zerstört.»
«Wir geben nicht auf»
Trotzdem gibt sich der Unternehmer kämpferisch: «Es geht weiter, wir geben nicht auf.» Er sei überzeugt, eine Lösung zu finden. Allerdings rechnet er damit, dass die Versicherungsleistungen den Schaden nicht vollständig decken werden. «Für viele der betroffenen Firmen ist die aktuelle Lage katastrophal.»
Verunsicherung herrscht auch wegen der noch ungeklärten Brandursache. Bekannt ist lediglich, dass vier Personen verhaftet wurden. Mühlemann zeigt Verständnis dafür, dass im Rahmen der laufenden Ermittlungen nur zurückhaltend informiert wird. Dennoch gebe es zahlreiche offene Fragen und auch Verunsicherung bei den Betroffenen. Auch der bauliche Brandschutz des Gebäudes werde unter den Betroffenen diskutiert. Dass sich das Feuer so rasch über zahlreiche Boxen ausbreiten konnte, werfe Fragen auf.
Verzögerung bei Feldtests
Stark von der Feuersbrunst betroffen ist auch die VentoStream AG, die neuartige Windturbinen entwickelt. Eine der von VentoStream gemieteten Hallen im Gewerbekomplex ist unversehrt geblieben, doch im hinteren Bereich des Gebäudes wurden Prototypen-Teile der Firma zerstört.
CEO Manuel Bernsau erklärt, dass sich dadurch der Start der geplanten Feldtests verzögern werde. Diese hätten in den kommenden Wochen beginnen sollen. Wie die «Volksstimme» im vergangenen Jahr berichtete, wollte das Unternehmen noch 2026 mit der Serienproduktion starten. Bernsau geht derzeit von einer eher kürzeren Verzögerung aus. Man setze alles daran, dass am Plan festgehalten werden kann.
Auch VentoStream sucht einen neuen Standort – möglichst in der näheren Umgebung, idealerweise im Oberbaselbiet. Unabhängig vom Brand wäre mittelfristig ohnehin mehr Platz nötig gewesen. Gesucht werde deshalb ein grösserer Standort, mindestens 400 Quadratmeter Produktionsfläche mit einer Hallenhöhe von sicher fünfeinhalb Metern sowie zusätzliche Büroräume, so der Chef.
Derzeit arbeiten die Ingenieure von zu Hause aus an der Weiterentwicklung der Turbinen. «Die Arbeit ist momentan stark individualisiert», sagt Bernsau. Sobald ein geeigneter Standort bezogen sei, könne die Produktion mit bis zu fünf parallel laufenden Baugruppen organisiert werden. Damit liessen sich Verzögerungen teilweise kompensieren. Flexible Strukturen in allen Betriebsebenen seien nun entscheidend.
Kurz vor dem Brand hatte VentoStream eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Feldtests und der weiteren Produktionsvorbereitungen eingeleitet.
Selbst Unternehmen, die vom Feuer direkt verschont blieben, können derzeit nicht im Gewerbegebäude arbeiten. Es fehlt unter anderem an Strom und Wasser. Auch sie sind gezwungen, Übergangslösungen zu suchen – und hoffen auf eine rasche Perspektive.




