Revierförster war zum letzten Mal von Amtes wegen an der Gant
Weil sich Väterchen Frost in jüngster Zeit ziemlich rar gemacht hat, fiel heuer die Nachfrage nach Brennholz etwas geringer aus als im langjährigen Schnitt. Nach wie vor verkörpert die Gant eine ...
Revierförster war zum letzten Mal von Amtes wegen an der Gant
Weil sich Väterchen Frost in jüngster Zeit ziemlich rar gemacht hat, fiel heuer die Nachfrage nach Brennholz etwas geringer aus als im langjährigen Schnitt. Nach wie vor verkörpert die Gant eine kulturelle Tradition in Rothenfluh – sie ist offen für jedermann.
Otto Graf
Nach dem motorisierten Verschieben mit Traktor und Anhänger ins Gantgebiet hiess die Gantbeamtung mit Oliver Wyss als Gantmeister und Frank Erny als Schreiber die etwa 50 Interessierten willkommen. Christian Gass, ehemaliger Waldchef, verwies darauf, dass Revierförster Markus Lüdin letztmals in amtlicher Mission an der Gant in Rothenfluh dabei ist. Nach 38 Dienstjahren gehe Lüdin im Sommer in Pension.
Sein langes Berufsleben hat Lüdin als Forstwartlehrling bei der Bürgergemeinde Rothenfluh begonnen, um ein paar Jahre nach der Lehre als damaliger Gemeindeförster nach Rothenfluh zurückzukehren. Seit Jahren leitet er als Revierförster den Forstzweckverband Ergolzquelle und hat dabei an weit über 100 Holzganten in Hemmiken, Oltingen, Ormalingen, Rothenfluh und Wenslingen über die Auktionen Buch geführt. Allein in Rothenfluh diente er einer Waldchefin und acht Waldchefs.
Eher wenig Material
Mit rund 50 verganteten Ster fiel die Menge des abgesetzten Brennholzes heuer relativ bescheiden aus. Obwohl die Nachfrage unter dem Angebot von 70 Ster lag, wurde das Mindestgebot von 110 Franken für den Ster «Buechigs» bereits beim ersten Aufruf übertroffen und pendelte sich danach bei etwa 112 Franken ein. Dann ebbte die Kauflust ab, um überraschend wieder aufzuflackern bis zum höchsten Gebot des Tages von 125 Franken. Die Gantbeamtung verlieh nach der Gant dem Ersteigerer Mauro Zurflüh den Titel «Käufer des teuersten Sters», was jeweils mit einem Extrabonus in Form einer Naturalgabe honoriert wird. Einen weiteren Bonus kassierte Heidi Pfaff, die eifrigste Holzkäuferin.
Man liess einander, frei jeglicher Absprachen, gegenseitig mehr oder weniger gewähren. Trotzdem wurde an der 120-Franken-Marke mehrmals gekratzt, aus gutem Grund. Denn die feilgebotene Ware, Buchenholz in Premiumqualität mit einem extrem hohen Brennwert, aufgerüstet vom Forstbetrieb Spycher Forst (Inhaber Martin Spycher) rief förmlich nach Abnehmern. Die lange Reihe der Holzrugel am Weg in der «Chälenholde» war und ist immer noch eine wahre Augenweide. Und so etwas hat eben seinen Preis.
Und dann gibt es noch den «Sonderster», der stets am Schluss des offiziellen Teils der Auktion unter den Hammer kommt. Letzterer ist eigentlich gar kein Hammer, sondern ein massiver Holzstab. Damit das kostbare Instrument nicht für unlautere Zwecke verwendet oder gar entwendet wird, nimmt es der Gantmeister nach dem letzten Zuschlag unverzüglich in sichere Verwahrung – eine weise Vorsichtsmassnahme, die andernorts nur empfohlen werden kann.
José Pfulg, ein langjähriger Gantteilnehmer, erstand sich die 1,25 Ster Buchenspälte schliesslich für 335 Franken, was ziemlich genau dem doppelten Schatzungspreis entspricht. Wie es die ungeschriebene Satzung des Holzgant-Sondersters will, liefert die Bürgergemeinde die Ware franko Domizil, und zwar nach Reinach im unteren Kantonsteil.
Nach dem offiziellen Teil versammelte sich die Gantgesellschaft zum «Zobe» und zum Gedankenaustausch am Feuer im Wald nach dem Motto «Wäisch no …?»