«Das Organisieren war ein fliessendes Chaos»
16.01.2026 SissachDie Präsidentin der Kommission «Sissach 2025» zieht nach einem durchzogenen Jahr Bilanz
Der Streit um den Themenweg hat die bereits herausfordernde Arbeit der Kommission «Sissach2025» zusätzlich erschwert. Das Ergebnis aber wertet Kommissionspräsidentin ...
Die Präsidentin der Kommission «Sissach 2025» zieht nach einem durchzogenen Jahr Bilanz
Der Streit um den Themenweg hat die bereits herausfordernde Arbeit der Kommission «Sissach2025» zusätzlich erschwert. Das Ergebnis aber wertet Kommissionspräsidentin Rebecca Badella als überraschend, positiv und vielseitig. Rund 50 Anlässe mit dem Jubiläums-Etikett fanden im vergangenen Jahr statt.
Christian Horisberger
Frau Badella, wenige Tage vor Beginn des Sissacher Jubiläumsjahrs kam es zum Knall. Der Themenweg, so etwas wie der Leuchtturm des Jubiläums, stand nach einem Eklat auf der Kippe. Bereuten Sie da, sich für die Kommission zur Verfügung gestellt zu haben?
Rebecca Badella: In der Tat. Wir hatten in der Kommission «Sissach2025» keine Ahnung, dass es Differenzen zwischen den Machern des Themenwegs und der Gemeinde gibt.Wir mussten aus den Medien vom Zerwürfnis erfahren, wobei einer der beiden beteiligten Historiker sogar Mitglied unserer Kommission war. Da wurde mir erstmals bewusst, dass ich mich auf ein Abhängigkeitsverhältnis eingelassen hatte. Ich organisiere gerne, solange ich und meine Leute das Sagen haben. Aber wir waren ja nicht selber Veranstalter, sondern standen zwischen der Gemeinde und den Veranstaltern der «Sissach2025»-Events.
Von wem fühlten Sie sich abhängig?
Eher wovon: Davon, dass es überhaupt jemanden gibt, der erstens etwas liefert, dass es zweitens etwas Tolles ist und drittens, dass es funktioniert. Wenn dann so ein wichtiger Teil wie der Themenweg wackelt, ist das gar nicht mehr lustig. Wir haben versucht, zu vermitteln, konnten aber nichts ausrichten.
Worüber machten Sie sich grössere Sorgen: um das Projekt oder um den Imageschaden fürs Jubiläumsjahr?
Der Streit wirkte sich aufs ganze Jubiläum aus. Obwohl Robert Bösiger beim Themenweg in die Bresche gesprungen ist und das Projekt rettete, blieb die Geschichte in den Köpfen der Menschen hängen. Das zeigte sich beispielsweise am Verkauf der Jubiläumspins, der praktisch zum Stillstand kam.
Sie haben das Handtuch aber nicht geworfen. Weshalb nicht?
Ich hatte mich für die Kommission zur Verfügung gestellt, weil ich fand, das sei ein spannendes Projekt. Ich war ansonsten nicht unterbeschäftigt und hätte nach dem Eklat gerne gesagt: «Tschüss zämme!». Aber so bin ich nicht. Wenn ich zu etwas Ja sage, dann gilt das. Zudem hatten bis dahin auch schon viele Leute und Gruppen ganz tolle Projekte eingereicht. Die kann man ja auch nicht hängen lassen.
Wann kehrte die Freude zurück?
Als mehr und mehr Projekte spruchreif wurden und wir sahen, was so alles geplant wird, wer sich mit wem trifft und was es in Sissach so alles gibt. Ich konnte auch viele Menschen kennenlernen, denen ich sonst nie begegnet wäre – angefangen bei den weiteren Kommissionsmitgliedern wie dem Historiker Ruedi Epple, dem früheren «Mega»-OK-Chef Jan Röthing oder dem reformierten Pfarrer Daniel Wüthrich.
Wie hat die zusammengewürfelte Truppe harmoniert?
Nachdem die Themenweg-Krise kommissionsintern bereinigt war, hatten wir es sehr gut zusammen – und das hat die ganze Situation dann auch gerettet. Ruedi Epple, der ursprünglich wegen des Themenwegs in die Kommission kam, erhielt andere Aufgaben und erwies sich nicht zuletzt dank seiner Sichtweise, die häufig nicht jener der Mehrheit entsprach, als sehr wertvolles Mitglied der Gruppe.
Haben Sie ihm und Matthias Manz, der mit ihm aus dem Themenweg ausgestiegen ist, verziehen?
Ihnen als Menschen – klar. Aber mit ihnen zusammenarbeiten würde ich nicht mehr. Ich bin nicht jemand, der den Bettel hinwirft, sondern Wege sucht, um ein gesetztes Ziel zu erreichen.
Wir haben nun lange über ein Projekt mit einem schwierigen Start gesprochen, das noch gar nicht abgeschlossen ist. Es gab im vergangenen Jahr etwa 50 weitere. Welche Veranstaltung hat Sie umgehauen?
Hätte: Ich bereue, dass ich den Schnitzelbank-Anlass vom «Dr Farblosi» verpasst habe. Alle, die dagewesen sind, schwärmen davon und reiben es mir auch immer wieder unter die Nase, weil sie wissen, wie gerne ich hingegangen wäre. Sehr gut gefallen hat mir das Open-Air-Kino, das es ohne das Jubiläum so kaum gegeben hätte. Den Waldpfad der Bürgergemeinde finde ich auch ganz toll.
Welche müssen unbedingt wieder stattfinden?
Das Open-Air-Kino und «Dr Farblosi» können von mir aus jedes Jahr so einen Abend abhalten. Auch die Führungen der naturnahen Organisationen auf dem Griederland, bei denen man beispielsweise in Gummistiefeln durch die Ergolz waten und sich das Leben im und am Bach erklären lassen konnte, finde ich wiederholenswert.
Auf welche können Sie verzichten?
Auf die Anlässe, die sich kaum von denen abgehoben haben, die vor «Sissach2025» stattfanden, und auf solche, die auf den Jubiläumszug aufgesprungen sind, nur um auf dieser Plattform Werbung in eigener Sache zu machen.
Was werden Sie vom Jubiläumsjahr sonst in Erinnerung behalten?
Dass wir in den Kommissionssitzungen so viel gelacht haben.
Worüber?
Über alles Mögliche. Es wurden Sprüche geklopft, man hat einander gegenseitig gefoppt und auf die Schippe genommen – bei aller Ernsthaftigkeit, mit der wir unseren Auftrag wahrgenommen haben. Weil wir es so lustig hatten, habe ich mich auf die Sitzungen jeweils gefreut und konnte daraus auch Motivation und Energie für die Kommissionsarbeit schöpfen.
Ich hatte mir das so vorgestellt, dass Ihre Kommission vor dem Jubiläumsjahr Events sammelt, sie auf die Website stellt und sich 2025 dann zurücklehnt und zuschaut. Aber sie arbeitete 2025 weiter.
Richtig. Wir trafen uns jeden Monat und prüften die laufend eintreffenden weiteren Projekte. Aber es gab 2024 tatsächlich einen Eingabetermin. Damit sollte ein gewisser Druck auf die Veranstalter erzeugt werden, sich zu melden, damit das Jahresprogramm, das wir aufs Jubiläumsjahr hin veröffentlichten, etwas hermacht. Weitere Anlässe konnten fortlaufend eingereicht werden. Wir liessen diese Möglichkeit bewusst offen, um denen, die im Laufe des Jubiläumsjahrs eine gute Idee hatten, keinen Korb geben zu müssen. Etwa ein Viertel aller Anlässe kam 2025 noch hinzu.
Und Aufgabe der Kommission war es, diese Eingaben zu prüfen?
Dies und die Kommunikation mit den Veranstaltern. Es gab viele Fragen zu klären. Wir versuchten, die Veranstalter mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglich zu unterstützen oder Hilfe zu vermitteln. Wir besprachen ausserdem eigene Projekte wie beispielsweise die «Sissach2025»-Serie in der «Volksstimme».
Wurden auch Projekte abgelehnt?
Ja. Wenn sie keinen Bezug zu Sissach hatten oder es sich um einen bereits bestehenden Anlass handelte und nicht um etwas Neues, wie etwa eine Kooperation mehrerer Organisationen oder Gruppen, die ansonsten nicht zusammenarbeiten.
Was hatten die Veranstalter vom Label «Sissach2025»?
Werbung auf unserer Website und in Zeitungsinseraten, die Veranstaltungslokale, Marktstände oder Tischgarnituren wurden den Veranstaltern von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt und auch die Einsätze des Werkhofpersonals wurden nicht in Rechnung gestellt. Es gab nur Naturalien, kein Bargeld. Trotzdem ging es während dieses Jahres oft ums Geld.
Wem?
Den Veranstaltern. Denn anstatt selber Beiträge auszurichten, mussten wir ihnen erklären, dass sie selber Sponsoren für ihre Events suchen müssten. Dies löste bei manchen Unzufriedenheit aus, weil für den Themenweg viele Firmen schon vorher abgegrast worden waren. Firmen wiederum wandten sich nach mehreren Anfragen von diversen Veranstaltern an uns, damit wir diese bündeln. Das wiederum lag nicht in unserer Hand. Wer an seinem Event nicht genügend Einnahmen generierte oder Sponsoren fand, musste sein Projekt letztlich aus der eigenen Tasche finanzieren.
Wenn Sie auf die Jubiläumsaktivitäten in ihrer Gesamtheit zurückblicken und die Wahl für das nächste Jubiläum hätten: Dorffest oder Jubiläumsjahr?
Dorffest.
Weshalb?
Weil ich noch nie eines organisiert habe, mich aber mit grossen Veranstaltungen auskenne und weiss, dass ich das kann. Ausserdem hätte ich im OK eines Dorffests ein Budget, über das ich frei verfügen könnte.
Würden Sie es Sissach und den Sissachern denn zutrauen, ein Dorffest auf die Beine zu stellen?
Ich denke schon. Aber ich weiss nicht, wie es herauskommen würde. Da wir die Scheunen im Zentrum nicht mehr haben, in denen Dorffestbeizen installiert werden können, gäbe es wohl eine Zeltstadt, was ich mir für ein Dorffest eigentlich nicht wünsche. Deswegen gefiel mir die Idee mit vielen kleineren Events ja auch.
Wie fällt Ihre persönliche «Sissach2025»-Bilanz nun aus?
Unser Jubiläumsjahr war für mich sehr spannend. Ich habe viel gelernt, sehr viele Menschen kennengelernt und viele tolle Sachen gesehen. Und ich war positiv überrascht, was die Leute alles auf die Beine gestellt haben, nachdem die Euphorie für das Konzept anfangs nicht enorm gross war und es viele Stimmen gab, die sich ein Dorffest wünschten.
Wie beurteilen Sie die Teilhabe der Bevölkerung als Veranstalter und Besucher?
Wir haben versucht, dass an möglichst vielen Anlässen mindestens ein Mitglied unserer Kommission vertreten ist, um uns so ein Bild von den Veranstaltungen machen zu können. Wir durften feststellen, dass die Anlässe mehrheitlich sehr gut besucht waren. Die Bevölkerung hat mitgemacht. Es gab Anlässe, die sehr gut besucht waren, wie die Vorstellungen des Open-Air-Kinos auf dem Areal der Weinhandlung Buess, die nicht verregnet wurden, oder das Klassik-Konzert auf dem Bützenen-Schulhausplatz. Einige waren eher schwach besucht, teils auch, weil es sich um Nischenanlässe für ein spezifisch interessiertes Publikum handelte.
Sind Sie stolz auf das Geleistete?
Doch! Bis hin zum Pin-Wägeli, das Kommissionsmitglied Niggi Bärtschi auf seinem Hof gezimmert hat und das wir an diversen Anlässen vor und während dem Jubiläumsjahr mit vereinten Kräften ins Dorf geschoben haben, um Pins und Tassen zu verkaufen und die Menschen mit Gesprächen in Jubiläumsstimmung zu bringen.
Sind noch welche übrig?
Von 2300 produzierten Pins ist sicher noch die Hälfte übrig. Die 100 Tassen sind fast alle weg.
Sie sind Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft Sissach. Inwiefern unterscheidet sich die Organisation der Fasnacht von der Arbeit in der Jubiläumskommission?
Man sagt immer, Fasnacht sei farbig und frei. Letzteres stimmt aber überhaupt nicht. Es ist ein straff organisierter, durchgetakteter Event. Und den haben wir im Griff. Das Organisieren von «Sissach2025» war dagegen ein fliessendes Chaos, bei dem wir nur bedingt die Kontrolle hatten.
Was bereitet Ihnen als Veranstalterin mehr Freude: «Sissach2025» oder Fasnacht?
Die Sissacher Fasnacht. Für die schlägt mein Herz und dort wirke ich auch schon mehr als 20 Jahre als Vorstandsmitglied der FGS mit. Die Fasnacht ist auch eher mit meiner beruflichen Tätigkeit kompatibel, da sich die Vorbereitung auf einen befristeten Zeitraum beschränkt. Nervenaufreibend ist beides.
Zur Person
ch. Rebecca Badella, aufgewachsen in Liestal, lernte bei der Rotstabclique das Pfeifen. Nach ihrem Umzug nach Sissach wirkte sie als Posaunistin bei der Gugge Schlammsuuger. In dieser Zeit fand sie zum FGS-Vorstand, dem sie seit gut 20 Jahren angehört und den sie seit 4 Jahren präsidiert. Badella ist 45-jährig und lebt mit ihrem Partner in Känerkinden. Sie schwingt im Restaurant Weinburg, das sie zusammen mit einer Partnerin betreibt, den Kochlöffel. In der Freizeit ist sie oft beim Spazieren mit ihren beiden Amerikanischen Bulldoggen anzutreffen.

