Verborgene Schätze am Eibach
24.09.2020 Bezirk Sissach, Gelterkinden, Porträt, NaturEin Besuch in einem ganz besonderen Garten
Mitten durch den Garten von Conni Gisin in Gelterkinden fliesst der Eibach. Dies ist aber kein Nachteil, sondern vielmehr ein Gewinn, denn am kühlen Nass mit schattigem Baumbestand lassen sich wunderbar herrlich heisse Sommertage verbringen. Wir ...
Ein Besuch in einem ganz besonderen Garten
Mitten durch den Garten von Conni Gisin in Gelterkinden fliesst der Eibach. Dies ist aber kein Nachteil, sondern vielmehr ein Gewinn, denn am kühlen Nass mit schattigem Baumbestand lassen sich wunderbar herrlich heisse Sommertage verbringen. Wir haben einen Augenschein genommen.
Brigitt Buser
Nur ein schmaler Weg linker Hand neben dem Haus an der Strehlgasse in Gelterkinden lässt erahnen, dass es am Ende noch etwas zu entdecken gib. Hinter dem Haus angekommen, blickt man auf einen kleinen, hübsch arrangierten Sitzplatz mit Natursteinboden und unzähligen Pflanzen in Töpfen, der dazu einlädt, die letzten Stunden warmer Sommertage hier zu verbringen. Die Hauswand darüber zieren jetzt lange Triebe, voll mit Hagebutten der Hundsrose.
«Ende Juni wurden ihre Blüten von unglaublich vielen Bienen umschwärmt», erzählt Gartenbesitzerin Conni Gisin (60) erfreut. «Aber fertig ist der Garten hier noch nicht», sagt sie und zeigt über die halbhohe Buchshecke hinweg Richtung Bach, die von zwei riesigen Buchskugeln flankiert ist. Und tatsächlich: Lässt man den Blick über diese schweifen, so tut sich dahinter ein handtuchgrosser Garten auf, geteilt von einem Weg.
Links auf dem Rasen finden sich anmutig arrangierte Rosenbüsche mit einer Vogeltränke. Rechts davon eine kleine Tischgruppe. Darauf steht ein hübsches Raupenhäuschen, in dem Conni Gisin seit Jahren Raupen des Schwalbenschwanzes aufzieht. «Sind sie gross genug, werden sie nervös, dann geht es nicht lange und sie verpuppen sich. Ein paar Wochen später kann ich den wunderschönen Falter in die Freiheit entlassen», erzählt sie begeistert. Geht man den Weg weiter, wird man sofort vom «Gwunder» gestochen, denn am Ende von diesem führen drei Stufen zu einer schmalen, schlichten Brücke über den Eibach, der beidseitig von dichtem Baumbestand flankiert wird. Dahinter ist eine kleine Sitzecke zu erkennen, dessen Bankrücklehne das einstige Gartentor zur ehemaligen Brücke ist, die bei der Bachsanierung abgerissen werden musste.
Der Fuss des Tisches besteht aus einer riesigen alten Bäckerschüssel, die damals Luigi Brenna, der ehemalige Hausbesitzer, als Tisch zweckentfremdet hat. Als Tischblatt dient eine gegossene Betonscheibe. Auch der mit Patina versehene Löwe, der mitten auf den Tisch steht, stammt aus zweiter Hand. «Ich liebe es, auf Flohmärkten nach schönen, aber nur auf den zweiten Blick geeigneten Stücken für den Garten zu stöbern, denn ich stecke immer meine eigene Kreativität hinein», sagt Conni Gisin dazu.
Gartenmöbel mit Patina
Und das sieht man auch, wenn man den Blick nach rechts schweifen lässt. Hier finden sich zwei weitere Sitzgelegenheiten. Eine gemütliche Holz-Lounge mit weichen, hellen Kissen direkt am Bachufer, auf der anderen Seite eine mehrere Meter lange Tafel aus zusammengetragenen alten Metalltischen und -stühlen, die links und rechts von einer Mauer flankiert wird. Nur sanft restauriert, vermitteln die Möbel mit Rostpatina und abblätternder Farbe das Gefühl, sich in alten Zeiten zu befinden. Im Schatten von ausladenden Ästen der Bäume lassen sich hier an heissen Sommerabenden herrliche Gartenfeste feiern.
Geht man die vier Stufen der alten Steintreppe hoch, steht man auf der einstigen Bocciabahn, die langsam vermoost und Platz für verwildernde Glockenblumen bietet. Auch dort findet sich ein weiteres, lauschiges Sitzplätzchen.
Aber mit der Ruhe hat sich Conni Gisin keinesfalls angefreundet, denn täglich zieht es sie in den Garten. Erstens, um die vielen Hortensien mit Wasser aus dem Bach zu versorgen, deren farbige Blütenbälle jetzt aus dem tiefen Schatten leuchten. Sie sind die absoluten Lieblinge von Conni Gisin und gedeihen hauptsächlich in Töpfen, da die Wurzeln der Bäume den Boden dicht durchziehen, was das Graben von Pflanzgruben schlichtweg verunmöglicht.
Auch trägt sie an heissen Tagen viele gefüllte Kannen mit dem kühlen Nass in den Gemüsegarten. Dieser liegt direkt vor dem im nordischen Stil renovierten und eingerichteten Gartenhaus, das einmal in der «Volksstimme» unter «Zu verschenken» ausgeschrieben war. Es steht in der südöstlichen Ecke des T-förmigen Gartens, umgeben von einer Holzplattform.
Gemüse wächst in Harassen
Auf die Frage, wie sie denn zu diesem speziellen Garten kam, erklärt Gisin, dass das dazugehörende Haus Luigi Brenna, dem Grossvater ihres Mannes, gehört hatte. Früher befand sich in dieser Liegenschaft das Sportgeschäft Brenna. «Überraschenderweise konnten wir das Haus mit dem dazugehörigen Garten erwerben», so Gisin. Von Anfang an wurde hier Gemüse angebaut, da die Gartenbesitzerin auch gerne mit erntefrischem Gemüse kocht. Mit den Jahren wurde der Gemüseanbau jedoch deutlich reduziert. In diesem Frühling – vielleicht auch wegen Corona – entschied sich Gisin, wieder vermehrt Gemüse anzubauen. Jedoch reichten Kraft, Lust und Zeit nicht mehr aus, um den ganzen Garten von Hand umzugraben. Also kam ihr die Idee, Obstharassen, ausgekleidet mit Folie und gefüllt mit Bioerde vom Hof Horen in Zunzgen, aneinanderzureihen. Gesät und gepflanzt wurden hauptsächlich «ProSpecie Rara»-Produkte, darunter auch insektenfreundliche Zierpflanzen. Um den stark wachsenden Pflanzen Halt zu geben, gesellten sich bald Rankgerüste und ein Tomatenhaus dazu. Alles aus Altholzlatten und alten Holzleitern selbst zusammengebaut. Weitere Leidenschaften Gisins sind das Kochen und das Fotografieren. Sie werde immer wieder dazu aufgefordert, doch endlich ein Kochbuch mit ihren Menüs und den eigenen Bildern dazu zu veröffentlichen oder gar ein eigenes Restaurant zu eröffnen, sagt sie.
Neben zurückhaltenden Gartendekos und -möbeln aus zweiter Hand sowie Gemüse aus dem eigenen Garten ist ihr auch Nachhaltigkeit wichtig. Daher wird beispielsweise altes Brot nicht einfach weggeworfen, sondern zu knusprigen, aromatischen Bröseln verarbeitet, die über cremige Desserts gestreut einfach himmlisch schmecken.
Conni Gisins Garten ist ein Feuerwerk an Ideen, mit Liebe zum Detail gestaltet, in dem auch Platz ist für alles, was kreucht und fleucht.
Brösel-Rezept
– 4 Teile grobes Paniermehl aus Brotresten
– 1 Teil Kokosflocken
– 1 Beutel Bourbon-Vanillezucker
– etwas normaler oder brauner Zucker (nach Belieben)
– reichlich Butter
Zutaten ausser Butter mischen. Butter in einer grossen Bratpfanne schmelzen und das Bröselgemisch circa 10 bis 15 Minuten auf kleiner Stufe langsam unter ständigem Rühren goldbraun und knusprig rösten.
Passt sehr gut zu Früchten, Crème fraîche, Joghurt oder zu Quarkkuchen. Etwas Birnel oder Honig rundet den Geschmack ab.