Viel Leerstand in Waldkauz wohnungen
25.04.2025 Baselbiet, Gemeinden, Baselbiet, NaturPopulationsmonitoring in den Wäldern von Liestal und Füllinsdorf
Aktuell sind im Baselbiet «Waldkauz-Betreuer» unterwegs, um die von ihnen aufgehängten Waldkauzkästen zu kontrollieren und vorhandene Alt- und Jungvögel zu beringen. Wir haben uns in ...
Populationsmonitoring in den Wäldern von Liestal und Füllinsdorf
Aktuell sind im Baselbiet «Waldkauz-Betreuer» unterwegs, um die von ihnen aufgehängten Waldkauzkästen zu kontrollieren und vorhandene Alt- und Jungvögel zu beringen. Wir haben uns in Liestal und Füllinsdorf auf die Fersen der Vogelfreunde geheftet.
Daniel Zwygart
Am 1. April morgens um 8 Uhr treffe ich den Liestaler Waldkauzbetreuer Viktor Roth (Beringer und Protokollführer) und seine Helfer Kurt Heinzelmann (Nistkastenobmann, Chauffeur und Leiternträger) und Hanspeter Schwob (Fotograf und Nistkastenbauer). Bei Sonnenschein und kalter Bise startet die heutige Betreuungstour durch die Wälder von Liestal und Füllinsdorf.
Laut langjähriger Erfahrung soll Anfang April ein günstiger Moment für die Kastenkontrolle sein. Denn dann sind die Nestlinge in einem idealen Alter zur Beringung. Zudem wird versucht, im Kasten anwesende Altvögel einzufangen, um den allfällig vorhandenen Ring abzulesen oder ihnen erstmals einen solchen anzulegen. Die Betreuungsarbeit wird von der Vogelwarte Sempach begleitet (siehe Kasten).
Als Erstes hält Viktor Roth ein grosses Netz an einer langen Teleskopstange vor das Ein- respektive Ausflugsloch des Kastens. Nach kurzer Wartezeit ohne ausfliegenden Vogel wird das Netz gesenkt und Hanspeter Schwob kontrolliert mit einer Kamera auf einer ebensolangen Stange, ob der Kasten überhaupt besetzt ist. Speiballen (Käuze würgen die Haare und Knochen der Beutetiere als sogenanntes Gewöll aus) und Kot wären Hinweise, dass der Kasten ab und zu als Schlafplatz benutzt wird, gelegte Eier oder schon Nestlinge wären eindeutige Zeichen einer Brut (siehe Bilder).
Der trockene Kommentar des Kontrolleurs: «leer!» Kurt Heinzelmann, der auf seinen Einsatz als Leiternsteller beim Auto wartet, ist so früh am Morgen nicht enttäuscht, dass er diesmal nicht zum Einsatz kommt. Auf der langen Fahrt durch ein Labyrinth von Waldwegen wird Kasten um Kasten kontrolliert. Mit jedem leeren Kasten steigt die Spannung weiter. Wieder nichts. Und nochmals nichts. Es beginnt das «Werweissen», warum dies in diesem Jahr so ist: Ist es das kalte Wetter im Januar oder die Trockenheit im März? Sind es zu grosse Einflugöffnungen der neueren Kästen, zu viele Forstarbeiten in der jeweiligen Kastennähe oder gar die Anwesenheit des Journalisten?
Nach rund 7 Stunden Arbeit, 26 kontrollierten Kästen und 70 Kilometern Autofahrt steht fest: In diesem Jahr gibt es wohl keine Waldkauzbruten in den Kästen in Liestal und Füllinsdorf.
Lange Datenreihe
Da es bei den Kästen nicht viel Arbeit gibt, hat Viktor Roth mehr Zeit, um Auskunft zu geben. Der kauzige Waldvogel habe ihn schon von klein auf fasziniert, sagt er. Und als Jäger sei er häufig mit den jagenden Eulenvögeln im dunklen Wald unterwegs. Dass in Liestal bereits seit 1990 Waldkäuze beringt und die Daten nach Sempach geliefert werden, sei eine Motivation, diese lange Datenreihe nicht abbrechen zu lassen.
Immer wieder fände er auch Belege, dass der Waldkauz ein anpassungsfähiger Vogel sei: In den besetzten Kästen mit Nestlingen liege oft ein Vorrat an Nahrung – in der Regel Waldund Feldmäuse. Oftmals seien aber auch diverse Kleinvögel «an Lager»
– möglicherweise eine Reaktion auf eine zu kleine Mauspopulation. Die in jüngster Zeit fast jährlich auftretenden Buchen- und Eichenmastjahre komme den Mäusen wie den Wildschweinen zugute.
Aus naturschützerischen Gründen müsste man nicht mehr so viele Waldkauzkästen aufhängen. Denn der vermehrte Anteil an Alt- und Totholz in unseren Buchenwäldern, aber auch alte Krähennester oder Nischen in Gebäuden böten meist genügend Brutorte an. Der Waldkauz sei in der Schweiz und Europa nicht gefährdet. Andererseits ermöglichen die Waldkauzkästen die Chance, die Öffentlichkeit für die Natur zu begeistern. Bei öffentlichen Beringungen liessen die kurios aussehenden Nestlinge Klein und Gross nicht kalt und trügen dazu bei, dass der Natur- und Vogelschutzgedanke gefördert werde.
Nach dem Kontrolltag ohne eine einzige Brut schickt mir Viktor Roth seine Kontrollblätter von Liestal und Füllinsdorf. Daraus wird ersichtlich, dass es auch in früheren Jahren keine Bruten gab (so 1997 oder 2006), und unmittelbar im Jahr darauf wurden wieder Bruten in der Hälfte aller Kästen festgestellt. Es dürfte spannend sein, ob an anderen Orten in der Schweiz dieses Jahr die Waldkauzkästen ebenfalls leer bleiben.
Das Monitoring der Vogelwarte Sempach
zwy. Von Livio Rey, Mediensprecher, und Jan von Rönn, Leiter der Beringungszentrale an der Vogelwarte Sempach, ist zu erfahren, dass mehr als 40 Personen in der Schweiz gezielt Waldkäuze betreuen (Kästen aufhängen, Altvögel und ihre Nestlinge beringen und die Daten an die Vogelwarte weiterleiten). Im Baselbiet sind neben Viktor Roth weitere Waldkauzberinger unterwegs, so in den Frenkentälern und auch sonst im oberen Baselbiet. Die Beringer sind zudem auf weitere Hilfskräfte angewiesen.
Da jeweils versucht wird, die Kästen möglichst lang am gleichen Ort zu lassen, kann die Vogelwarte auf Datenreihen von bis zu 40 Jahren zurückgreifen. Mit den erhobenen Daten sind beispielsweise die folgenden Aussagen möglich: Der Bestand des Waldkauzes nimmt tendenziell zu. Jungvögel machen kleinere Wanderungen, Altvögel sind sehr standorttreu. Waldkäuze werden im Durchschnitt 5 bis 7 Jahre alt, maximal etwas mehr als 20 Jahre. Detailliertere Auswertungen sind in Vorbereitung, aber noch nicht publikationsreif.
Natur- und Vogelschutz Liestal
Der Natur- und Vogelschutz Liestal hat eine lange Tradition beim Bau und der Betreuung von Nistkästen. Neben vielen Kästen für Kleinvögel hängen auch rund 20 Waldkauzkästen im Liestaler Wald und auch diverse Schleiereulenkästen bei Bauernhöfen.
Der Kastenobmann ist Schreiner Kurt Heinzelmann. Er hat verschiedene Kollegen, die ihm in der Werkstatt des Vereins auf der Sichtern helfen, defekte Nistkästen zu reparieren und neue zu bauen. Im Herbst oder Winter werden die Kästen kontrolliert und geputzt. Bei den Waldkauzkästen werden nach Bedarf neue Holzschnitzel als Nestunterlage eingestreut. Manchmal muss ein Kasten infolge von Windwurf oder Fällarbeiten an einem möglichst nahen Baum neu montiert werden. Die Zahl der Helfenden wird allmählich kleiner, Nachwuchs ist wenig in Sicht.