Skepsis gegenüber eigenen Noten
30.06.2026 Bezirk Sissach, Bildung, Baselbiet, GelterkindenGemäss Umfrage die klar am besten geführte Sekundarschule
Die Sek Gelterkinden verfügt in den beiden Basel über die mit Abstand beste Schulleitung. Statt sich im Ruhm zu sonnen, setzt die Gewinnerin aber Fragezeichen hinter die Umfrage, die dieser Rangliste zugrunde liegt.
...Gemäss Umfrage die klar am besten geführte Sekundarschule
Die Sek Gelterkinden verfügt in den beiden Basel über die mit Abstand beste Schulleitung. Statt sich im Ruhm zu sonnen, setzt die Gewinnerin aber Fragezeichen hinter die Umfrage, die dieser Rangliste zugrunde liegt.
Jürg Gohl
Worüber soll sich die Sekundarschul-Leitung in Gelterkinden dieser Tage am meisten freuen? Zur Auswahl stehen die Sommerferien, obwohl diese gerade für dieses Gremium selten Ruhe versprechen, oder die Stellungnahme der Regierung zur «Klimaschule». Ausgelöst durch eine Interpellation von SVP-Landrat Markus Graf, der im Schulprojekt «eine gewisse Ballung von Fürsprechern aus dem rot-grünen Lager» ortete, bescheinigt die Exekutive der Schule, dass das Programm keine politische Haltung bevorzuge (siehe «Volksstimme» vom 22. Mai).
Seit wenigen Tagen könnten diese beiden Gründe von einem dritten in den Schatten gestellt werden: Gelterkinden verfügt über die mit Abstand beste Leitung aller Sekundarschulen der beiden Basel. Das lässt sich zumindest aus den Ergebnissen einer Umfrage des Vereins «Starke Schule beider Basel» unter allen Lehrpersonen an Primarund Sekundarschulen herauslesen.
Befragt wurden die Lehrerinnen und Lehrer zu den Erfahrungen mit ihren Vorgesetzten in den Bereichen Respekt, Gleichbehandlung, Vertrauen, Unterstützung und Kritikfähigkeit. Gelterkinden sei «besonders hervorzuheben», kommentiert die «Starke Schule» ihre Statistiken. Als Verlierer der Umfrage gehen im Baselbiet die Standorte in Reinach und Oberwil hervor.
Fünf von sieben erste Ränge
Dabei ist anzumerken, dass die «Starke Schule» in ihrer anonym durchgeführten Umfrage unter den 17 Baselbieter und 12 Basler Sekundarschulen nur diejenige in ihren Ranglisten erfassten, von denen mindestens zehn Rückmeldungen eingegangen sind. Das erlaube, ein Stimmungsbild zu erhalten, wie die Initianten schreiben. Beispielsweise in Reigoldswil kam dieses Minimum offenbar nicht zustande. Die Schule fehlt in den Statistiken.
Sieben Fragen wurden den Lehrpersonen vorgelegt, und in nicht weniger als fünf von ihnen schloss Gelterkinden im ersten Rang ab. So beurteilten 95,2 Prozent – das entspricht einem deutlichen Abstand zum jeweils Zweitplatzierten –, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichbehandelt werden und dass der Schulleitung vertraut wird. Jeweils 81 Prozent bescheinigen der Leitung, mit Kritik professionell umzugehen, und verneinen, dass sie zu viel Macht ausübe. Sogar 100 Prozent unterschrieben, dass sie sich bei Problemen von ihren Vorgesetzten unterstützt fühlen.
Sissach auch weit vorne
In den beiden Bereichen, in denen es Gelterkinden nicht zum ersten Platz reichte, nämlich bei «respektvoller Umgang» und bei der «Kritikfähigkeit», belegt die Schule mit geringem Abstand auf die jeweilige Siegerin den zweiten Rang. Mit zwei zweiten Rängen – jeweils direkt hinter Gelterkinden – schliesst auch die Sekundarschule Sissach ausgezeichnet ab. Sie fällt bei keinem Kriterium hinter den sechsten Rang zurück. Die Sekundarschule Waldenbugertal bewegt sich um den kantonalen Durchschnitt, mal darunter, mal darüber.
Das hervorragende Abschneiden der Gelterkinder wird im Schulhaus Hofmatt zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht gefeiert. Die dreiköpfige Schulleitung mit der einzigen zertifizierten Kilmaschule der Nordwestschweiz wolle auf eine Stellungnahme verzichten, sagt Roger Leoni im Namen des Leitungsteams, dem neben ihm noch Fabio Minio und Rahel Niederhauser-Steiner angehören. Es verlässt sich lieber auf die Befragung der Mitarbeiter durch die kantonale Bildungsdirektion im Herbst des vergangenen Jahrs.
Die Amtsstelle hat ihre Ergebnisse von damals den jeweiligen Schulleitungen vertraulich mitgeteilt. Gegenüber der «Volksstimme» hält die Direktion von Regierungsrat Markus Eigenmann fest, dass sie das Veröffentlichen solcher Ranglisten durch die «Starke Schule» für «wenig zielführend» halte, da sie «der Komplexität der Schulführung nur bedingt gerecht» werden könnten und auch keine Schlussfolgerungen zuliessen.
Scharfe Worte der Schulleiter
Ganz allgemein stellt die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) fest, dass ihre Befragung der Mitarbeitenden erstens insgesamt positiv ausgefallen sei, dass sie zweitens mit einer Rücklaufquote von 63,5 Prozent Aussagekraft besitze und dass sich drittens 85 Prozent der Lehrpersonen vorstellen können, auch in zwei Jahren im Baselbiet tätig zu sein. «Für die Beurteilung von Arbeitszufriedenheit, Zusammenarbeit und Führungsqualität stützen sich die zuständigen Behörden auf die etablierten Instrumente der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung», erklärt Rebekka Gysel von der BKSD.
Weniger diplomatisch reagierte der Verband der Baselbieter Schulleitungen auf die Umfrage, in der ihre Arbeit kritisch betrachtet wird. Mit dem Verweis auf die zwölf Prozent der Lehrpersonen, die geantwortet haben, bezeichnet sie der Verband gemäss «Basler Zeitung» als «reisserisch, unseriös, einseitig und irrelevant».

