Rufbus statt Linienbus
07.02.2025 Baselbiet, Verkehr, Baselbiet, PolitikDas neue ÖV-Angebotskonzept des Kantons sieht für das Oberbaselbiet einige Änderungen vor: Der Regierungsrat beantragt dem Landrat die Einführung von Rufbussen und Schulbussen.
Janis Erne
Die Angebotsplanung im öffentlichen Verkehr ist ...
Das neue ÖV-Angebotskonzept des Kantons sieht für das Oberbaselbiet einige Änderungen vor: Der Regierungsrat beantragt dem Landrat die Einführung von Rufbussen und Schulbussen.
Janis Erne
Die Angebotsplanung im öffentlichen Verkehr ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Rund 400 Stellungnahmen sind beim Kanton im Rahmen der Erarbeitung des 10. Generellen Leistungsauftrags (GLA) für die Jahre 2026 bis 2028 eingegangen. Es ist daher kaum möglich, alle Anliegen von Gemeinden, Verbänden und Unternehmen zu berücksichtigen. Eine zentrale Aufgabe der kantonalen ÖV-Planer bestand darin, die Busverbindungen auf das sich verändernde übergeordnete Bahnnetz abzustimmen. So gibt es in Gelterkinden und Laufen neue Schnellzughalte. Zudem erhält Liestal einen 15-Minuten-Takt mit der S-Bahn nach Basel.
Im Oberbaselbiet profitieren einige Gemeinden vom neuen Buskonzept, so etwa Sissach, Thürnen oder Böckten. Sie sollen mehr Verbindungen erhalten. Auch Anwil gehört zu den Profiteurinnen – die Gemeinde soll künftig im Halbstundentakt bedient werden. Weniger Glück hat Hemmiken: Ihr sollen Verbindungen am Abend gestrichen werden (die «Volksstimme» berichtete). Wie aus einem vorgestern veröffentlichten Bericht hervorgeht, will der Regierungsrat zudem an der Aufhebung der Buslinien 74 (Bretzwil-Reigoldswil), 92 (Hölstein-Bennwil-Oberdorf-Liedertswil) und 93 (Lausen-Ramlinsburg-Lampenberg) festhalten. Abschliessend entscheidet der Landrat.
SP kritisiert Pläne
Der geplante ÖV-Abbau im Oberbaselbiet dürfte zu Diskussionen führen. SP und EVP haben sich in der Vernehmlassung kritisch geäussert. «Einer Aufhebung der Buslinien 74, 92 und 93 stimmen wir nicht zu», schreibt die SP. Auch kleinere ländliche Gemeinden hätten das Recht auf eine adäquate Erschliessung. Das ÖV-Angebot in den Gemeinden müsse so ausgebaut werden, dass es als echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr betrachtet werde.
Die EVP steht der Idee, auf den Linien 92 und 93 auf Rufbusse zu setzen, skeptisch gegenüber: Linien mit zu tiefem Kostendeckungsgrad müssten genauer geprüft werden. Eine vorschnelle Umstellung auf Rufbusse sei jedoch ein erster Schritt in Richtung Totalabbau. Die Partei befürchtet, dass Kinder, die nicht regelmässig mit dem Bus fahren, auch als Erwachsene den ÖV nicht nutzen werden.
Die SVP steht Rufbussen offener gegenüber. Solche Angebote sollten aber besser in bestehende Mobilitäts-Apps integriert werden, schreibt die Partei. Die FDP weist darauf hin, dass der ÖV insgesamt mindestens zur Hälfte selbsttragend sein müsse. Der Kanton rechnet für die Jahre 2026 bis 2028 mit insgesamt rund 225 Millionen Franken, die er an die Transportunternehmen zahlen wird.
Den Kritikern kommt der Kanton etwas entgegen. So sollen auf den Linien 92 und 93 während den wichtigsten Schul- und Pendlerzeiten weiterhin reguläre Fahrpläne angeboten werden. Ausserhalb dieser Zeiten soll der Rufbus – ein Fahrzeug mit acht Sitzplätzen – jedoch nur auf Abruf verkehren.
Fahrdienst für Bretzwil?
Den regulären Busbetrieb zwischen Bretzwil und Reigoldswil will der Kanton durch einen Schulbusbetrieb ersetzen. Dieser soll künftig von der Bildungsdirektion finanziert werden, also nicht via GLA. Die Gemeinden Bretzwil, Reigoldswil und Lauwil befürworten grundsätzlich das Modell eines Schulbusses, fordern aber, dass auch Drittpersonen mitfahren dürfen. Dieses Anliegen wird von der Bildungsdirektion geprüft. Zudem erhält die Gemeinde Bretzwil vom Kanton 1500 Franken für den Aufbau eines Gemeindefahrdienstes.