Im Kampf gegen das plötzliche Glatteis
09.01.2026 Bezirk Sissach, Baselbiet, SissachZwei Gemeinden im Kampf gegen Glatteis
«Überfrierende Nässe» macht den Winterdienst in Gelterkinden und Sissach zur Herausforderung. Das Phänomen Eisregen – Regen, der auf dem kalten Boden gefriert – tritt immer häufiger ...
Zwei Gemeinden im Kampf gegen Glatteis
«Überfrierende Nässe» macht den Winterdienst in Gelterkinden und Sissach zur Herausforderung. Das Phänomen Eisregen – Regen, der auf dem kalten Boden gefriert – tritt immer häufiger auf, so der Eindruck der Werkhofleiter.
Paul Aenishänslin
Nach einem eher warmen Dezember 2025 herrscht seit einer Woche Kälte. Dazu kommt Schneefall, danach Eisregen. Darunter versteht man ein Wetterereignis, bei dem Regen innerhalb kurzer Zeit am Boden friert.
«Wir haben es immer mehr mit dem Phänomen zu tun, dass auf Kälte und Schneefall eine Erwärmung folgt, wie eben durch Regen. Diese Nässe trifft auf einen Asphalt, der noch eine Temperatur von minus 3 bis 4 Grad aufweist – die Strasse wird spiegelglatt», erklärt Silvio Auf der Mauer, Chef des Werkhofs Fääli in Gelterkinden. Dieses Glatteis sei tendenziell häufiger zu beobachten als früher.
Besondere Herausforderungen seien Schattengebiete wie der Ischlagweg, wo mehrere Monate im Winter praktisch keine Sonne hinkommt. Zudem verliere Salz mit abnehmender Temperatur an Wirksamkeit. «Der Winterdienst ist eine komplexe Sache mit sehr vielen Einflussfaktoren», resümiert Auf der Mauer nach 20 Jahren Erfahrung.
Auf der Mauer war mit seiner achtköpfigen Equipe seit Jahresbeginn fast täglich unterwegs mit zwei Schneeräumfahrzeugen mit Pflug und Salzstreuer. Bei Bedarf kann ein drittes Fahrzeug von einem privaten Unternehmer aufgeboten werden. Von den ursprünglichen Salzvorräten sind noch rund 33 Tonnen vorhanden. Seit dem Kälteeinbruch und Schneefall am 2. Januar sind rund 15 Tonnen Salz eingesetzt worden, um die Strassen und Trottoirs von Gelterkinden sicherer zu machen. Der Tag beginnt für die Mitarbeiter zwischen 3 und 4 Uhr morgens mit einer Kontrollfahrt des Einsatzleiters, der die Situation beurteilt und den Einsatz plant.
«Zu Hause bleiben»
Dieter Rickenbacher, Chef des Winterdienstes in Sissach und Leiter des Werkhofs, sieht es wie Auf der Mauer: Die «überfrierende Nässe» sei ein grosses Problem. Rickenbacher rät Automobilisten bei solchen Verhältnissen: «Zu Hause bleiben und Homeoffice machen», statt Leib und Leben zu riskieren.
Die zunehmende überfrierende Nässe hänge auch damit zusammen, dass die Schneefallgrenze in den letzten Jahrzehnten um rund 150 Meter gestiegen sei. Es falle häufiger Regen statt Schnee, so Rickenbacher.
Für den Winterdienst stehen dem Sissacher Werkhofleiter 10 bis 11 Mann zur Verfügung. Vom ursprünglichen Salzvorrat von 50 Tonnen (eingekauft im Sommer bei den Rheinsalinen) sind noch rund 35 Tonnen vorhanden. Ob diese bis zum Frühling reichen, hänge vom weiteren Verlauf des Winters ab. Die Gemeinde hat zwei «Langsamläufer» (Salzstreuer plus Pflug) im Einsatz. Für die Trottoirs sind zwei Mann mit einem Rapid-Mondo-Gerät unterwegs, für Treppen und Handarbeit mit der Schaufel weitere 2 bis 3 Mann.
Wie bereitet sich das Tiefbauamt des Kantons Baselland (BUD) auf die «überfrierende Nässe» vor? «Die Werkhöfe der Kreise 1, 2 und 3 des Tiefbauamts gleichen die Wetterlage laufend mit Meteo Schweiz ab. Ausserdem verfügen sie über verschiedene Frühwarnsysteme, beispielsweise für Glatteis, und messen vor Ort die Bodentemperatur», schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Insgesamt stehen im Baselbiet 84 Personen für den Winterdienst zur Verfügung.
Der Winterdienst des Kantons beschränkt sich auf die Freihaltung der Fahrbahnen der Kantonsstrassen, heisst es weiter. Erste Priorität haben die ÖV-Strecken, Strecken ohne öffentlichen Verkehr haben zweite Priorität. Strecken mit eingeschränktem Winterdienst werden erst geräumt, wenn höher priorisierte Strecken frei sind. Im Extremfall können Strecken ohne öffentlichen Verkehr gesperrt werden.
Die Salzvorräte des Kantons sind gross. Der Tiefbauamtskreis 3 im Oberbaselbiet lagert beispielsweise 295 Tonnen, weitere 150 Tonnen liefert die Saline nächste Woche. Bisher sei es ein milder Winter gewesen.


