«Ich lasse mich gerne überraschen»
09.01.2026 Bezirk Sissach, Baselbiet, Kultur, Gelterkinden18 Jahre lang hat Röbi Koller «Happy Day» moderiert. Mit seinem Buch «Backstage» gewährt er einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehsendung. Am 15. Januar ist er damit zu Gast in Gelterkinden.
Brigitte Keller
Herr ...
18 Jahre lang hat Röbi Koller «Happy Day» moderiert. Mit seinem Buch «Backstage» gewährt er einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehsendung. Am 15. Januar ist er damit zu Gast in Gelterkinden.
Brigitte Keller
Herr Koller, am 5. April moderierten Sie Ihre 86. und letzte «Happy Day»-Sendung. Haben Sie Langeweile in der Pension oder eher – wie Sie es einmal formuliert haben – «AHV gleich Agenda huere voll»?
Röbi Koller: Eher das Zweite. Ich war immer freier Mitarbeiter des Fernsehens und hatte immer noch andere Projekte dazu, die weiterliefen. Ein grosser, wichtiger Teil der Arbeit ist jetzt weg, es hätte also ruhiger werden können – und dann nimmt man wieder Sachen an. Das ist so, man sagt zu, hat Freude, wenn man angefragt wird und am Schluss ist die Agenda wieder voll. Und die Frau hat weniger Freude, weil sie es sich anders vorgestellt hat …
«Sie dürfen hier nicht filmen!» Diese Anekdote findet sich im Kapitel «Von Pleiten und Pannen» in Ihrem Buch «Backstage». Es geht um eine Überraschung, die nie gesendet wurde. Davon gab es doch bestimmt noch mehr, oder?
Es gab noch eine Geschichte auf einem Schiff auf dem Zürichsee, die ist nicht so emotional gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Dann sagten wir: «Komm, wir schieben sie mal auf die nächste Sendung.» Das ist ein ganz klares Indiz dafür, dass man es gleich wegwerfen kann. Wir haben immer dazugelernt, immer besser recherchiert und bessere Drehbücher geschrieben. Es ist wichtig, dass man seriös recherchiert, darum verteidige ich immer «Happy Day» gegen Leute, die wegen der Sendung die Nase rümpfen.
«Wer bei ‹Happy Day› mitarbeiten will, braucht Nerven! Er oder sie muss skrupellos, durchtrieben und kaltblütig sein, ein paar Taschenspielertricks beherrschen und darf nicht davor zurückschrecken, Menschen brandschwarz anzulügen.» So steht es in Ihrem Buch. Bereiten Sie auch Überraschungen in Ihrem privaten Umfeld?
Meine Frau lässt sich gerade pensionieren, und da habe ich auch einen kleinen Film gemacht mit verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ihr, den ich an ihr vorbeischleusen musste. Das ging locker, da wäre ich früher sicher nervöser gewesen.
Werden Sie gerne überrascht?
Ich bin ja in der letzten Sendung überrascht worden, aber da hatte ich es natürlich ein bisschen geahnt. Ich bin immer wieder überrascht über Dinge, die gar nichts mit mir zu tun haben. Wenn ein Zug aus Deutschland pünktlich in Basel ankommt, bin ich auch überrascht. Ja, ich lasse mich gerne überraschen. Es hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun, wenn sich jemand Zeit nimmt, jemandem mit einer Überraschung eine Freude zu machen.
Sie werden leicht erkannt. In einem TV-Interview haben Sie gesagt, dass Sie sich deshalb im alltäglichen Leben manchmal zusammenreissen müssen. Wie meinen Sie das?
Wenn Leute die räumliche Distanz von einer Armlänge oder auch die Distanz im Gespräch vermissen lassen. Wenn jemand zu forsch ist, mache ich manchmal auch einen Witz. Wenn jemand sagt: «Stört Sie das nicht, wenn Sie immer angequatscht werden?», dann sage ich: «Jetzt ist es schon zu spät!» Und man wird halt immer beobachtet und kommentiert. Das müsste nicht sein – ausser sie loben einen.
«Some people feel the rain, others just get wet» («Manche fühlen den Regen, andere werden einfach nur nass»). Wofür steht dieses Zitat in ihrem Buch?
Die Geschichte vom halbvollen und halbleeren Glas, also dass man den Vorteil oder den Nachteil von etwas sehen kann. Auch wenn die Sonne gerade nicht scheint, man kann auch im Nebel etwas Schönes sehen. Freude im Leben, das kann an verschiedenen Orten auftauchen, das muss nicht immer der Palmenstrand in der Südsee sein.
Sie haben gesagt, dass Sie sich darauf freuen, mehr machen zu können, worauf Sie Lust hätten. Unter anderem auch mehr zu lesen. Kommen Sie dazu?
Ich lese immer wieder Sachen über Bob Dylan, weil ich ein angefressener Bob-Dylan-Fan bin. Da gibt es unzählige Bücher und die guten kann man auch noch ein zweites Mal lesen. Auf dem Nachttisch liegt gerade eine zweiteilige Biografie von Clinton Heylin, einem bekannten Biografen. Und dann begleiten meine Frau und ich im März eine Gruppenreise im Luxuszug durch Afrika. Dort bieten wir als Afrikaliebhaber Literatursalons an, wo wir über afrikanische Literatur reden. Wir besprechen zum Beispiel das Buch «Trophäe» von Gaea Schoeters, eine sehr dramatische und bitterböse Geschichte. Oder den wunderbaren Roman «Americanah» von Chimamanda Ngozi Adichie.
Am 16. Januar moderieren Sie die Buchvernissage eines anderen Fernseh-Urgesteins: Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni stellt sein Buch «Der Reporter» vor. Was verbindet Sie beide?
Er ist ein guter Kollege vom Fernsehen und hat mich gefragt, ob ich ihn begleiten würde. Er ist ein sehr guter Dokumentarfilmer, immer nah dran an den Protagonisten, weil er alles selber macht. Er sagt von sich selber, er sehe nicht gefährlich aus, darum unterschätze man ihn gerne.
Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie bereuen?
Da halte ich es mit Edith Piaf: «Non, je ne regrette rien.»
Die Lesung mit Röbi Koller vom 15. Januar ist ausgebucht.
Zur Person
bke. Röbi Koller, Jahrgang 1957, ist im Welschland und in Zug aufgewachsen. Er begann 1981 beim Piratensender Radio 24 zu moderieren. Seine Karriere führte ihn 1988 zu Radio DRS 3 im Studio Basel und gleichzeitig zum Fernsehen. Er moderierte viele bekannte Magazine und Sendungen, die Fernsehgeschichte schrieben, darunter während 18 Jahren die Sendung «Happy Day». Röbi Koller ist Bürger von Basel. Er lebt mit seiner Frau Esther Della Pietra in Zürich und Braunwald.

