Herta Häberle und das saubere Quartier
10.02.2026 Baselbiet, Kultur, Fasnacht, BubendorfAm Vorfasnachtsabend «s Konfetti» wurden lokale Geschehnisse aufs Korn genommen
Die Vorfasnachtsveranstaltung «s Konfetti» in Bubendorf hat überzeugt. Die organisierende Tambouren- und Pfeifer-Clique stellte ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine. ...
Am Vorfasnachtsabend «s Konfetti» wurden lokale Geschehnisse aufs Korn genommen
Die Vorfasnachtsveranstaltung «s Konfetti» in Bubendorf hat überzeugt. Die organisierende Tambouren- und Pfeifer-Clique stellte ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine. Dieses war lustig, frech und modern zugleich.
Willi Wenger
«s Konfetti», die unverzichtbare und ausverkaufte Vorfasnachtsveranstaltung der Tambouren- und Pfeifer-Clique Bubendorf, hat am Samstag das Publikum mit Fröhlichkeit und viel Witz bestens unterhalten. Alle Mitwirkenden verstanden es, Lokales aufs Korn zu nehmen. Ihr Fett abbekommen haben etwa die Schule oder Teile der Bevölkerung, die sich ein «sauberes Quartier» wünschen. Als kunterbunt und grosse Klasse stellten sich die «Giftspritzi» und die «Schnaabelwetzer» dar, die ihre Schnitzelbänke zum Besten gaben.
«D Uushilf» an der Primarschule, mit vollem Namen Herta Häberle aus dem Schwarzwald, machte klar, dass sie als Quereinsteigerin dem Lehrerinnenberuf in jeder Beziehung gewachsen sei. Als Aushilfe wurde sie deshalb engagiert, weil in «Buebedorf» im vergangenen Jahr viele Lehrerinnen und Lehrer ihre Stelle verlassen hätten. Ihre Schüler nannten ihr auch den Grund: Im Schrektorat werde diktatorisch gearbeitet. Es sei nicht mehr zum Aushalten.
Frau Häberle, einst Bäuerin, fühlt sich kompetent im Klassenzimmer. Sie habe gehört, dass beim Lehrplan 21 dringend ausgemistet werden müsse und wegen des integrativen Schulmodells gehe es im Klassenzimmer zu wie in einem Saustall und bei der Führung hier herrsche eine Monokultur. Da habe sie sich gesagt: «So Herta, da gehörst du hin.»
Ihre frechen Schüler bezeichnet Herta als Rotzlöffel, die ihr zum Kennenlernen Aufsätze vorlasen. Sie hielten fest, dass die Bubendörfer Kirche über 50 Jahre alt sei, aber die Leute, die dort hingehen würden, alle viel älter seien als die Kirche. Und zwei Bengel sagten, dass ein Vater gesagt habe, dass die Bubendörfer Fasnacht viel schöner sei als jene in Basel, weil es hier nicht so viele «Schwoben» habe. Herta lehrte schliesslich nur noch das Fach «Fasnet» nach dem Motto: wer nichts lernt, kann auch nichts vergessen.
Bruno Reiniger, parodiert vom exzellenten Rahmenstückverantwortlichen und Lückenbüsser Urs Rudin, hielt einem Teil der Bubendörfer den Spiegel vor die Nase. Diese Nörgler, die das Motto «Nur nicht bei uns» leben, verlangen von der Gemeinde, dass der Fasnachtsumzug auf einer anderen Route stattfinden müsse. Der mache nur Dreck, Lärm und Gestank in ihrem sauberen Quartier.
Im Brief an die Bauverwaltung unterschrieben auch Personen «aus Klimagründen». Zum Beispiel jene Frau, die zum Einkaufen eines Päckli Tofu ihren SUV nehme. Bruno hielt zudem fest, dass die Frau, die wegen der zu lockeren Normen bei den Waggis-Wägen reklamiere, sich doch selbst an der Nase nehmen solle, zumal sie beim Bau ihres Schwimmbads die Normen wenig interessiert hätten. Gerügt von Bruno wurde schliesslich jener Jurist aus dem «sauberen Quartier», der mit seinem Velo jedes Rotlicht ignoriere.
Jodlerfest und Olympiade
«D Giftspritzi» thematisierte als lokalen Vers das Nordwestschweizerische Jodlerfest in Reigoldswil. Im Fokus steht eine FDP-Nationalrätin aus Thürnen: Bim Migros-Kreisel jodlet stur, s Schneebärger Daniela als Holzfigur. Mittlerwyle ha ich, s isch schnäll verzellt,
die Skulptur denn kauft und in mi Garte geschtellt, jetzt stoht sie dört und
isch no immer die glichi, numme dient sie halt
jetzt als Vogelschiichi.
Und: Kürzlig krieg ich arme Tropf, ä grossi Büüle uf mim Kopf, bi z Nacht uf em Heimwäg total bsoffe, in ä sonä Spionagedroone gloffe, Modäll alt und schwär,
es isch ä Schand, mit ämänä Waalholz in der Hand.
«D Schnaabelwetzer» hielten fest: Das Baselbieter Stützliwunder,
mir hänn nochegfrogt, gits nur, will z Lieschtel so ä Zauber-Toni hoggt.
Zudem meinten sie, dass Verlumpen und Verarmen grundsätzlich keine Kunst mehr sei: Ä Joor lang zweimool durch Birsfälde faare länggt.
Die Tambouren- und Pfeifer-Clique Bubendorf lüftete am Schluss des brillanten Abends schliesslich ihr Sujet der Fasnacht 2026. «Ächti Helde» in Verbindung mit den Olympischen Winterspielen werden ins Zentrum gestellt, finden doch beide Veranstaltungen gleichzeitig statt: Ächti Helde wenn ringsum d'Wält – im Arge lit chunnt Olympia grad – zur rächte Zyt denn wohri Helde – si nid fies sie kämpfe sportlich – uf em Yys
Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang das Können der Cliquen-Mitglieder. Die Darbietungen der Tambouren und Pfeifer waren weitere Höhepunkte eines Abends, der von Fröhlichkeit und viel Witz geprägt war.
Viel Anerkennung erfuhren zudem die Personen, die im Hintergrund Freiwilligenarbeit leisteten. OK-Präsident Florian Furler und Vereinspräsident Daniel Allemann gebührt ebenfalls Dank. Dies wurde nach dem abschliessenden «Arabi» durch den Stamm und die Junge Garde mit Applaus gewürdigt.

