Fliegt das Oberbaselbiet aus der Regierung?
17.02.2026 Baselbiet, Verkehr, Gemeinden, Politik, BaselbietDie Oltingerin Florence Brenzikofer (Grüne) verzichtet auf eine Kandidatur
Nach der Absage von Nationalrätin Florence Brenzikofer ist Philipp Schoch der Favorit, Regierungsratskandidat der Grünen zu werden. Würde der Prattler gewählt, wären die ...
Die Oltingerin Florence Brenzikofer (Grüne) verzichtet auf eine Kandidatur
Nach der Absage von Nationalrätin Florence Brenzikofer ist Philipp Schoch der Favorit, Regierungsratskandidat der Grünen zu werden. Würde der Prattler gewählt, wären die ländlichen Kantonsteile nicht mehr in der Regierung vertreten. Das will die SVP verhindern.
Janis Erne
Florence Brenzikofer (50) will nicht für die Baselbieter Regierung kandidieren. Nach «sorgfältiger Prüfung» habe sie entschieden, ihren Fokus weiterhin auf die Bundespolitik zu legen, schreibt die Nationalrätin in einer Medienmitteilung von gestern. Darin macht die Oltingerin ausdrücklich den Weg frei für einen Parteikollegen: «Mit Philipp Schoch steht ein starker Kandidat mit umfassender politischer und exekutiver Erfahrung für die Grünen bereit.»
Ebendieser hat seine Bereitschaft bereits kundgetan – noch am Tag, als der amtierende Regierungsrat Isaac Reber (Grüne) seinen Rücktritt bekannt gab. Der 52-jährige Philipp Schoch ist Gemeinderat in Pratteln und war von 2003 bis 2018 Landrat. Er präsidiert «Wald beider Basel», den Verband der Waldeigentümer. Beruflich leitet er den Notfalldienst des Kantonsspitals Baselland. Er gilt innerhalb der Grünen als Favorit.
Auch der Fraktionschef im Landrat, Stephan Ackermann, hat gegenüber verschiedenen Medien sein Interesse am Regierungsamt bekundet. Er stammt wie Schoch aus Pratteln. In der Partei wird zudem die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer als mögliche Kandidatin gehandelt. Sie hätte wohl nur Aussenseiterchancen.
Der Grünen-Sitz gerät durch den bürgerlichen Block unter Druck: Die Spitzen von FDP und «Mitte» sind gewillt, die angekündigte Kandidatur der SVP zu unterstützen. Innerhalb der SVP ziehen verschiedene Personen eine Kandidatur in Betracht, darunter die Landräte Matthias Liechti (Rümlingen) und Reto Tschudin (Lausen). Zudem sagten der Arboldswiler Gemeindepräsident Johannes Sutter und der Landrat Florian Spiegel (Allschwil) der «bz Basel», sie denken über eine Kandidatur nach.
Unter der Annahme, dass die GLP verzichtet und beide Lager ihre Anhänger gleich stark mobilisieren können, wird die Wahl zwischen den Grünen und der SVP in der politischen Mitte entschieden. Nach der Absage von Florence Brenzikofer gilt eine Frauenkandidatur als unwahrscheinlich. Entsprechend könnte im Wahlkampf eine andere Frage in den Vordergrund rücken: Soll der Kanton von fünf Personen aus dem Unterbaselbiet regiert werden? Je nach Kandidatenfeld und Wahlausgang könnten die ländlichen Teile – namentlich das Oberbaselbiet und das Laufental – ab Oktober ohne Vertretung dastehen.
Wähler schufen Ausgleich
Der Sissacher Isaac Reber, der sein Amt Ende September abgeben wird, ist derzeit das einzige Regierungsmitglied aus einer ländlichen Gemeinde. Mit Kathrin Schweizer (SP, Muttenz), Thomi Jourdan (EVP, Muttenz), Anton Lauber («Mitte», Allschwil) und Markus Eigenmann (FDP, Arlesheim) sind ansonsten ausschliesslich grössere Gemeinden der Basler Agglomeration vertreten. Dass die Regionen Oberbaselbiet, Liestal, Laufental und Unterbaselbiet teils unterschiedliche Interessen verfolgen, zeigen etwa die Diskussionen um den künftigen Standort des Kantonsspitals Baselland oder den Finanzausgleich.
Erich Straumann (SVP), von 1999 bis 2007 Regierungsrat und heute in Gelterkinden wohnhaft, bestätigt: «Es ist durchaus wichtig, dass die verschiedenen Regionen des Kantons in der Regierung vertreten sind.» Zwar gibt es im Baselbiet keine Verfassungsbestimmung wie auf Bundesebene, die eine angemessene Vertretung aller Landesteile vorschreibt, doch erscheint eine Ausgewogenheit zwischen Agglomeration und ländlichen Gebieten wünschenswert – schon nur des Zusammenhalts wegen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Wähler das offenbar ähnlich sahen: Seit der Kantonsgründung im Jahr 1832 war stets mindestens eine Person mit Wohn- oder Bürgerort im Oberbaselbiet im Regierungsrat vertreten. Von 2013 bis 2023 stellte das Oberbaselbiet sogar die Mehrheit im fünfköpfigen Gremium. Die Wende kam, als die SVP mit Sandra Sollberger (Liestal/Bubendorf) ihren Sitz nach dem Abgang von Thomas Weber (Buus) nicht verteidigen konnte und Thomi Jourdan in die Regierung einzog.
Nun ist die wählerstärkste Partei gewillt, den Sitz zurückzuerobern und die Vertretung des ländlichen Raums zu sichern. «Es ist zwingend, dass das Oberbaselbiet in der Regierung vertreten ist», sagt etwa Matthias Ritter, SVP-Parteileitungsmitglied und Landrat aus Diegten.


