Ein aussergewöhnliches Geschenk
08.01.2026 Bezirk Sissach, Gemeinden, Finanzen, RünenbergEinwohnerin überträgt der Gemeinde 2438 Quadratmeter Bauland
Elisabeth Handschin-Schäfer hat der Gemeinde Rünenberg den grössten Teil der Parzelle 138 südwestlich des Feuerwehrweihers im Ortszentrum inklusive der Parzelle mit dem «Schmittli» ...
Einwohnerin überträgt der Gemeinde 2438 Quadratmeter Bauland
Elisabeth Handschin-Schäfer hat der Gemeinde Rünenberg den grössten Teil der Parzelle 138 südwestlich des Feuerwehrweihers im Ortszentrum inklusive der Parzelle mit dem «Schmittli» übertragen. Gemäss Vertrag muss die freistehende Parzelle unbebaut bleiben.
Tobias Gfeller
Elisabeth Handschin-Schäfer und ihr Ehemann kauften einst die Parzelle 138 mit dem Versprechen an die Verkäufer, das Wiesland unbebaut und die Liegenschaft daneben – bekannt als «Handschin-Schmittli» – bestehen zu lassen. Während Jahren liess das Ehepaar darauf Tiere weiden und pflanzte Bäume an. Ein Landwirt sorgte regelmässig für den nötigen Schnitt der Wiese. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes hat die Rünenbergerin grosse Teile der Parzelle 138 im Umfang von 1845 Quadratmetern und die 593 Quadratmeter grosse Parzelle mit dem «Schmittli» der Gemeinde Rünenberg als Schenkung übertragen.
Gemäss dem Willen von Elisabeth Handschin-Schäfer darf die grosse Parzelle nicht überbaut werden. Im Rahmen der Zonenplanrevision soll die Parzelle von der Bauzone der öW+A-Zone (öffentliche Werke und Anlagen) zugeführt werden. Die Zweckbestimmung soll lauten: «Freihaltebereich mit Zulassung von eingeschossigen Nebenbauten, Nutzungen im öffentlichen Interesse, ökologische Gestaltung.» Damit ist sichergestellt, dass eine Nutzung realisiert werden kann, die dem Dorfleben dient. Auch das «Schmittli» soll gemäss Vereinbarung erhalten werden. Die Bäume auf der Parzelle dürfen nicht gefällt werden. Handschin-Schäfer hat das lebenslängliche Nutzungsrecht am «Schmittli». Die Gemeinde darf das Gebäude bereits jetzt in Absprache mit ihr für öffentliche Anlässe nutzen.
Elisabeth Handschin-Schäfer ist in Rünenberg aufgewachsen und eng mit dem Dorf verbunden. Jahrelang habe sie überlegt, was mit der wertvollen Landfläche im Ortszentrum passieren soll. «Wir haben keine Kinder und andere Angehörige sind auch schon um die 90 Jahre alt», erklärt sie gegenüber der «Volksstimme». Sie habe sich gedacht, «jetzt ist fertig lustig» und den Entschluss gefasst, die Landfläche mit den klaren Bedingungen der Gemeinde zu übertragen, verrät Elisabeth Handschin-Schäfer. Das «Schmittli» entspräche im Innenund Aussenbereich noch immer seinem Ursprung, betont die grosszügig Schenkende stolz.
Am 12. Dezember wurde die Schenkung öffentlich beurkundet. Dass nun Klarheit besteht, ist für die Einwohnerin von Rünenberg mit einer grossen Erleichterung verbunden. «Es macht mir selber eine Freude, dass alles so reibungslos funktioniert und geklappt hat.» Regelmässig hätten sie und ihr Ehemann Kaufangebote für die Parzellen erhalten. «Architekten haben schon grosse Wohnblöcke vor ihren geistigen Augen gesehen.» Für sie sei ein Verkauf und damit eine Überbauung der Landfläche nie infrage gekommen. «Geld alleine macht nicht glücklich», sei stets das Credo von ihr und ihrem Mann gewesen.
Druck auf Landeigentümer sinkt
Auf die Frage, ob sie vor der Schenkung an die Gemeinde die Parzelle nach deren Wert habe schätzen lassen, reagiert Elisabeth Handschin-Schäfer erstaunt mit einem Lachen: «Warum auch? Dann hätte ich es ja nicht abgeben müssen.» Für sie ist klar: «Es muss nicht immer alles überbaut werden.» Über das Handgelenk gerechnet dürften die Parzellen als Bauland einen Wert von über 1,5 Millionen Franken aufweisen.
Mit dem Freihalten der Parzellen möchte Elisabeth Handschin-Schäfer einen Beitrag für das Dorf und die Bevölkerung leisten. Die Schönheiten des Ortszentrums können so erhalten bleiben. Für die Einwohnergemeinde Rünenberg ist das Geschenk auch ohne direkten monetären Nutzen in mehrfacher Hinsicht wertvoll, betont Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn. Die Gemeinde könne nun bei einer allfälligen Neugestaltung des Zentrums wie erhofft einen viel grösseren Projektperimeter abstecken. Und das «Schmittli» bietet ein grosses Potenzial für unterschiedlichste Nutzungen.
Der Gemeinderat begann im Herbst 2022 mit einem Workshop mit der Bevölkerung die Gedankenspiele über die Entwicklung des Rünenberger Ortszentrums. «Die zusätzlichen Parzellen geben uns mehr Freiheiten, um das Ortszentrum neu zu denken und zu planen», erklärt Zumbrunn. Der Gemeindepräsident spricht von einem «grossen Glücksfall» für Rünenberg.
Von der Schenkung profitiert auch die Bevölkerung, indem der Druck auf andere Landbesitzerinnen und -besitzer, Bauland auszonen zu müssen, reduziert wird. «Es ist ein Geschenk an die Gemeinde und die ganze Bevölkerung», bekräftigt Thomas Zumbrunn. Bedenken, dass mit den Parzellen und dem «Schmittli» zu hohe zusätzliche Kosten auf die Gemeinde zukommen könnten, entgegnet der Gemeindepräsident mit dem grossen Gegenwert der Schenkung. «Das steht in keinem Verhältnis», gibt Zumbrunn zu bedenken. «Für die Gemeinde Rünenberg überwiegen die Vorteile bei Weitem.»


