Wie ist die Medienkompetenz Jugendlicher?
01.09.2023 Bezirk Liestal, Medien, BubendorfStudent untersucht Medienkompetenz Jugendlicher
Christoph Blank untersucht in seiner Bachelorarbeit die Medienkompetenz von Jugendlichen und betont, wie wichtig ein kritischer Umgang mit Medieninhalten sei. In einer Projektwoche an einer Liestaler Schule konnte er seine theoretischen ...
Student untersucht Medienkompetenz Jugendlicher
Christoph Blank untersucht in seiner Bachelorarbeit die Medienkompetenz von Jugendlichen und betont, wie wichtig ein kritischer Umgang mit Medieninhalten sei. In einer Projektwoche an einer Liestaler Schule konnte er seine theoretischen Forschungsergebnisse bestätigen.
Melanie Frei
«Hesch gseh?», zeigt ein Jugendlicher seinem Freund das Smartphone. Selber richtig hingeschaut hat er nur kurz. Was der Inhalt genau aussagt, woher die Informationen kommen – das scheint den jungen Mann nicht zu interessieren. «Solche Situationen habe ich nicht selten beobachtet», sagt der 25-jährige Christoph Blank. Als «Multimedia Production»-Student an der Fachhochschule Graubünden nahm er sich darum der Aufgabe an, über den Medienkonsum und die Medienkompetenzen von Jugendlichen seine Bachelorarbeit zu verfassen. «Wie werden Jugendliche in der Schweiz in schulischem Umfeld an den Konsum von Journalismus herangeführt?» lautet die Thesis des Bubendörfers.
Technische Möglichkeiten vermehren sich exponentiell, besonders jetzt mit der Künstlichen Intelligenz. «Die Lehrpersonen an den Schulen hinken der Technik hinterher», erklärt Blank. Junge Erwachsene hätten sich jedoch ausgeprägte technische Fähigkeiten angeeignet, sodass sie nicht selten den Erwachsenen überlegen seien, führt der 25-Jährige weiter aus. Doch die Fähigkeit, Informationen aus dem konstanten Medienfluss aufzunehmen, zu hinterfragen und zu reflektieren, sei sehr schwach.
Es entwickle sich ein Missverhältnis: Die Möglichkeiten, zu Medieninhalten und Informationen zu gelangen, würden durch die grossen technischen Kompetenzen von Jugendlichen zunehmen. Die Kompetenz, mit diesen Informationen umzugehen, nimmt jedoch ab. «Diese Kluft wird in Zukunft leider weiter aufgehen und das ist sehr gefährlich», sagt Blank. Darum sei es enorm wichtig, aktiv zu werden und die Jugendlichen zu schulen – gerade im Umgang mit den Sozialen Medien, die einen konstanten Medienfluss auslösen, der jedoch die Leute weniger informieren als unterhalten soll.
«Und das tut er auch. Nur leider können sehr schnell falsche Meldungen und Geschichten in Umlauf kommen», sagt Blank sichtlich besorgt. Die App Tiktok sei ein gutes Beispiel dafür, wie soziale Plattformen mit Algorithmen arbeiten und den Nutzerinnen und Nutzern nur Inhalte zeigen, die sie gerne sehen und interessieren. Diese Informations- oder Filterblasen, wie sie auch genannt werden, bedürfen grosser Vorsicht, so der Bubendörfer.
Medienkompetenz fördern
Die Arbeit mit Kindern hat es Christoph Blank schon seit Längerem angetan. Er leitete das Unihockeytraining der Junioren in Bubendorf und verbrachte im Rahmen seines Zivildienstes viel Zeit an der Bubendörfer Primarschule. «Das Arbeiten mit den Schülerinnen und Schülern bringt sehr viel – wenn man es richtig macht natürlich. Sie sind leicht zu begeistern und zu motivieren, wenn man sich auf sie einlässt und sie respektiert», sagt der Bubendörfer und lächelt.
Einige Zeit arbeitete er zudem bei «Radio Basilisk», was ihn an die Medienwelt, den Journalismus und später auch an seine Bachelorarbeit heranführte.
Welche Projekte mit Jugendlichen funktionieren gut, um die Medienkompetenz in der Schule zu fördern? Um dieser Frage nachzugehen, hat sich der Bachelor-Absolvent mit fünf Experten aus der Medienbranche in Verbindung gesetzt, drei Lehrpersonen befragt und den Lehrplan 21 bezüglich der Lernziele im Modul «Medien und Informatik» analysiert. Die Sensibilisierung, das Einschätzen, Recherchieren und Hinterfragen: Diese Fähigkeiten kommen in der Schule aufgrund fehlender Kenntnisse und Unterstützung der Lehrpersonen zu kurz, fand Blank heraus.
«Die Lehrpersonen haben in den Pflichtfächern schon genug Stoff und Mühe, alles zu behandeln. Es ist im schulischen Kontext leider kaum Raum und Zeit vorhanden, die Schulung der publizistischen Medienkompetenzen zu fördern.» Im Fach «Medien und Informatik» würden die ohenhin schon stark ausgeprägten technischen Fähigkeiten der Kinder weiter ausgebaut. Dabei sollte im schulischen Umfeld ein Diskurs angeregt werden, um mit Jugendlichen über ihren Medienkonsum zu sprechen und publizistische Medienkompetenzen zu erlernen. An dieser Stelle sieht der Bubendörfer Verbesserungspotenzial.
In seiner Forschungsarbeit wollte Blank auch die Stimmen der Jugendlichen einbringen. Darum hat er eine Online-Umfrage an Sekundarschulklassen mit verschiedenen Bildungsniveaus durchgeführt. So wollte er die Interessen der Schülerinnen und Schüler herausfiltern. Nach diesen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte ein Fazit gezogen werden, wie der geeignete Medienunterricht nicht aussehen soll.
An Audio- und Videoprojekten sind sie interessiert, wobei um das Schreiben und Lesen von langen Texten ein grosser Bogen geschlagen werden sollte. Partner- und Gruppenarbeiten sind ebenfalls beliebt. Die Schülerinnen und Schüler sollten stolz darauf sein, was sie erarbeitet haben, und dies mit anderen teilen können, so Blank. «Dies kann beispielsweise mit einer kurzen Präsentation vor der Klasse geschehen, oder noch einen Schritt weiter, mit einer öffentlichen Publikation im Internet oder einer Zeitung.»
Beliebt seien Exkursionen, zum Beispiel ins SRF-Radiostudio, das er mit einer Schulklasse auch besucht habe, erzählt der Bubendörfer weiter. Ein Blick hinter die Kulissen der Medienwelt, am Puls der Produktion sozusagen, sei etwas ganz Neues und würde die Jugendlichen neugierig machen und ihnen ein Gefühl für den Journalismus vermitteln. Die gleiche Wirkung erzielen beispielsweise auch Besuche erfahrener Journalistinnen und Journalisten direkt bei der Klasse, die dann aus ihrem Berufsalltag erzählen können.
Das Allerwichtigste jedoch sei ein gutes Verhältnis zu den Kindern. Aus pädagogischer Sicht sei dies enorm wichtig, denn man baue eine Verbindung auf und es könne eine gute Zusammenarbeit entstehen, so Blank.
In der Praxis standgehalten
Die wissenschaftlichen Untersuchungen seiner Bachelorarbeit konnten in einer Medien-Projektwoche an der Sekundarschule Liestal bestätigt werden. Ein Audioworkshop lehrte die Jugendlichen das Führen eines Interviews und Audiobeiträge mit speziellen Programmen zu bearbeiten.
Ein persönlicher Podcast des 25-Jährigen gibt Einblicke in diese Medien-Projektwoche und reflektiert sie. Mit dem Podcast sollen zum Beispiel auch Lehrpersonen zur Umsetzung von mehr Medien-Projekten motiviert werden. «Die Rückmeldungen auf die Medien-Projektwoche waren sowohl von den Jugendlichen als auch den Lehrpersonen sehr positiv ausgefallen.» Christoph Blank erhofft sich zukünftig weitere Durchführungen der Medien-Projektwoche an anderen Schulen.
Mehr Informationen unter: www.media-literacy.ch