«Gewerbsmässige Wildtierschau»
06.04.2023 Bezirk Sissach, Vereine, Sissach, NaturExotic-Voliere brauchte Bewilligung – die Auflagen sind jetzt erfüllt
Unerwartet kam der Bescheid des kantonalen Veterinäramts: Für seine Vogelvoliere an der Ergolz braucht der Sissacher Verein Exotic eine Bewilligung. Verbunden sind damit zahlreiche Auflagen. Diese sind nun erfüllt, ...
Exotic-Voliere brauchte Bewilligung – die Auflagen sind jetzt erfüllt
Unerwartet kam der Bescheid des kantonalen Veterinäramts: Für seine Vogelvoliere an der Ergolz braucht der Sissacher Verein Exotic eine Bewilligung. Verbunden sind damit zahlreiche Auflagen. Diese sind nun erfüllt, wie die Vogelfreunde heute sagen.
David Thommen
«Als der Brief aus Liestal kam, sind wir aus allen Wolken gefallen. Schlimmstenfalls hätte die Schliessung der Anlage gedroht», sagt Kathrin Rief-Heiniger, die Präsidentin des Vereins Exotic. Mitgeteilt wurde dem Verein im amtlichen Schreiben vor rund zwei Jahren, dass die öffentlich zugängliche Voliere an der Ergolz in Sissach mit ihren rund 350 Vögeln als «Gewerbsmässige Wildtierschau» eingestuft wird, wofür es eine Bewilligung braucht. Und eine solche gibt es für eine öffentlich zugängliche Anlage nur, wenn etliche Auflagen zum Wohl der Tiere eingehalten werden. Die vielleicht härteste davon: Die Betreuung der Vögel muss zumindest zum Teil von einer professionellen Tierpflegerin oder einem professionellen Tierpfleger gewährleistet sein.
Dies traf den Verein im ersten Moment hart: Seit mehr als 50 Jahren werden die Vögel von engagierten «Exotic»-Mitgliedern ehrenamtlich und damit unentgeltlich betreut. Das Geld für das Vogelfutter und den Unterhalt der Voliere stammt vornehmlich aus Spenden und Mitgliederbeiträgen. Jetzt also musste eine Tierpflegerin oder ein Tierpfleger angestellt werden, damit in den 14 Gehegen weiterhin Vögel flattern dürfen. Kantonstierärzin Marie-Louise Bienfait stützte sich auf das Tierschutzgesetz, wie sie gegenüber der «Volksstimme» sagte. Alle öffentlich zugänglichen Haltungen mit Wildtieren seien bewilligungspflichtig: «Tierschutzfälle sollen wo immer möglich verhindert werden.»
Tierpflegerin mit kleinem Pensum
Der anfängliche Schock sei inzwischen überwunden, sagt «Exotic»-Präsidentin Kathrin Rief-Heiniger. Mittlerweile hätten Gespräche mit den Behörden stattgefunden und man habe nach Wegen gesucht, wie die Voliere weiter bestehen kann. Die Lösung wurde gefunden, wie Vereinsaktuar und Kassier Daniel Briggen sagt: «Wir haben eine Tierpflegerin angestellt, aber nur mit 15 Stellenprozenten.» Das reiche für die Lizenz aus. Die Frau sei in der Regel zwei Mal pro Woche anwesend, überwache die Anlage und sorge mit ihren Anweisungen an die ehrenamtlichen Funktionäre für einen ordnungsgemässen Betrieb. Die Lohnkosten, so Briggen, könne der Verein stemmen: «Nach wie vor geben wird jährlich mehr für das Vogelfutter aus …» Angewiesen sei man aber auf Spenden und natürlich auf die Mitgliederbeiträge der rund 70 Aktivund der rund 185 Passivmitglieder. Das Jahresbudget des Vereins liegt bei 25 000 Franken.
Eingetroffen ist die amtliche Bewilligung des Kantons für den Betrieb der «Gewerbsmässigen Wildtierschau» im vergangenen Dezember. Diese ist an einige weitere Auflagen gebunden, unter anderem musste eine Quarantänestation für neu angeschaffte Vögel gebaut werden. Für diese Vorschrift bringe man nicht allzu viel Verständnis auf, sagt Briggen. Denn die «Exotic» beziehe neue Vögel ausschliesslich aus der Schweiz – vor allem von einheimischen Züchtern – oder der Verein bekomme Vögel von Personen geschenkt, die ihre Tiere beispielsweise altershalber abgeben wollen: «Da besteht also keine Gefahr, dass Krankheiten aus Südamerika eingeschleppt werden …», sagt er.
Indessen schade das neue Quarantäne-Häuschen auch nicht. Und ohnehin sei man nach dem ersten Schrecken über die Auflagen des Kantons mittlerweile froh, mit der Bewilligung völlig legal unterwegs zu sein: «Wir haben während des Bewilligungsprozesses auch vieles gelernt und konnten Einrichtungen oder Abläufe verbessern», sagt Präsidentin Kathrin Rief versöhnlich.
Mehr Platz als vorgeschrieben
Mittlerweile habe der Verein viel unternommen, um den Betrieb bestmöglich zu gewährleisten. Gefüttert wird jeden zweiten Tag von Futterbetreuern, dazu wird an jedem Samstag geputzt. Und an zehn Samstagen pro Jahr gibt es einen Grossputz, für den bis zu 15 Vereinsmitglieder aufmarschieren.
Zudem sei man sehr auf das Tierwohl bedacht, sagt Aktuar Briggen: «Alleine im Vorjahr haben elf Vereinsmitglieder einen Kurs für die Haltung von Vögeln absolviert.» Den Tieren sei es in der Sissacher Voliere offensichtlich wohl. Auch gebe es mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, zumal die Anzahl der Vögel – von Klein- über Grosssittichen wie Papageien bis zu Exoten und Legewachteln – in den vergangenen Jahren reduziert worden sei. Und täglich freuten sich viele Besucherinnen und Besucher am bunten Treiben in der parkartigen Anlage an der Ergolz: «Wir leisten mit unserem Angebot einen schönen Beitrag an die Lebensqualität in Sissach», so Kathrin Rief.