Auf den Kompost oder in den Suppentopf
29.04.2022 Baselbiet, Gastronomie, Ziefen, NaturWildpflanzen sind mehr als Unkraut
Heinz Döbeli hat am Sonntag gleich zwei Vereine in seinen Garten eingeladen. Darin gedeihen nicht nur Kulturpflanzen, sondern auch viele essbare Wildpflanzen. Diese konnten die Interessierten nicht nur näher kennenlernen, sondern auch ...
Wildpflanzen sind mehr als Unkraut
Heinz Döbeli hat am Sonntag gleich zwei Vereine in seinen Garten eingeladen. Darin gedeihen nicht nur Kulturpflanzen, sondern auch viele essbare Wildpflanzen. Diese konnten die Interessierten nicht nur näher kennenlernen, sondern auch degustieren.
Brigitt Buser
Interessierte Mitglieder der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde Regio Basel sowie des Natur- und Vogelschutzvereins Ziefen haben am Sonntag den Garten von Heinz Döbeli in Ziefen besucht und den ausführlichen Erklärungen rund um einheimisches Wildgemüse von Kulturwissenschaftler Remigius «Remy» Suter gelauscht.
Wildgemüse, bei uns meist als «Jätt» bezeichnet, war lange Zeit das Einzige an Grünzeug, das den Schweizer Steinzeitmenschen als Nahrung diente. Darunter waren Arten wie der wilde Nüsslisalat, ein Baldriangewächs, und der wilde Pastinak. Beide werden auch heute in zahlreichen Kultursorten in unseren Gärten kultiviert. Als die Menschen sesshaft wurden, kam eine wilde Erbse hinzu. Jedoch gab es auch damals schon viele Wildpflanzen, die den Speisezettel über Jahrtausende ergänzten. So lange, bis mit den Römern weitere Kulturpflanzen über die Alpen zu uns gelangten. Allen voran sicher der Löwenzahn, bei uns auch «Weiefäkchte», dessen Blätter im zeitigen Frühling beim Austrieb geerntet nur leicht bitter schmecken.
Auch essbar ist der Baumtropf, fachlich Gewöhnlicher Giersch genannt, der als lästiges «Unkraut» noch heute in den Talsohlen unserer Region reichlich vorhanden ist. «Grund dafür ist, dass man den Doldenblütler im Mittelalter, aber auch in neuerer Zeit, als Gemüse wie auch als Heilpflanze angebaut hat», erklärt Suter.
Der Baumtropf kann während der ganzen Saison verspeist werden. Im Frühjahr, roh als Beigabe zu Salat genossen, erinnern die noch gefalteten Blätter im Geschmack an «Peterli» mit harzigem Aroma von Mango, gekocht an Spinat. Die jungen, grünen Blätter enthalten Vitamin C, Calcium, Magnesium, Eisen und Kupfer. Ältere Blätter eignen sich zum Kochen oder Dünsten. Die bitteren Stiele sollten jedoch entfernt werden.
Vielseitige Verwendung
Ebenfalls essbar ist das Wiesenschaumkraut, bei uns auch «Guggerblueme» genannt. Blüten, Stiele und Blätter des Kreuzblütlers schmecken ähnlich wie jene von Radieschen. Weiterhin essbar ist die Vogelmiere, in unserer Region auch «Hühnerdarm» genannt. Das Nelkengewächs ist nicht zu unterschätzen, denn die dichten, flachen und bis zu 40 cm langen Ausläufer schmecken wie Salat, schützen den Boden im Sommer vor Austrocknung und im Winter vor direkter Kälteeinwirkung, was somit allgemein erosionsmindernd wirkt.
Auch essbar ist der vielen aus Kindertagen bekannte Sauerampfer, der mit der Rhabarber verwandt ist. Jedoch sollte er nicht in zu grossen Mengen genossen werden, da Sauerampfer ebenfalls reich an für den Körper schädlicher Oxalsäure ist.
Nicht zu vergessen ist die Brennnessel, so Sutter. Die jungen Blätter, als Teeaufguss zubereitet, wirken entschlackend. Sie können aber auch wie Spinat oder als Suppe gekocht und die Samen getrocknet über Salate gestreut werden. Junge Brennnesseln oder Baumtropf, allenfalls ergänzt mit dem voll im Trend liegenden Bärlauch oder Zwiebeln und Knoblauch, können auch als Belag für Wähen verwendet werden. Drei Varianten solcher Wähen und zahlreiche Aufstriche standen denn auch für die Teilnehmer zur Verkostung bereit.