Robert Bösiger
Es ist erstaunlich, wofür die im 2020 erzwungene Corona-Pause doch noch gut ist: Tatsächlich hat Osvaldo Ovejero, der als Dirigent das «Orchester Gelterkinden» seit 2019 leitet, diese «Pause» dazu genutzt, um auf Wunsch des Orchesters ...
Robert Bösiger
Es ist erstaunlich, wofür die im 2020 erzwungene Corona-Pause doch noch gut ist: Tatsächlich hat Osvaldo Ovejero, der als Dirigent das «Orchester Gelterkinden» seit 2019 leitet, diese «Pause» dazu genutzt, um auf Wunsch des Orchesters eine «Baselbieter Symphonie» zu komponieren (siehe «Volksstimme» vom 2. Dezember).
Genau diese Komposition wurde am Wochenende in Sissach und Gelterkinden uraufgeführt. Wir nehmen es vorweg: Das Unterfangen ist in allen Teilen gelungen, wie auch der lang anhaltende Applaus des Publikums belegte. Mehr noch: Es ist zu vermuten, dass diese «Baselbieter Symphonie» in Zukunft des Öftern aufgeführt werden wird – hoffentlich auch in Basel.
In Basel? Tatsächlich hat der Komponist – er ist österreichisch-argentinischer Staatsbürger – neben ein paar typischen Landschäftler Liedern auch das Basler Lied schlechthin – «Z Basel an mym Rhy» – eingebaut. Auch bei diesem Lied wurde das Orchester unterstützt durch ein Ad-hoc-«Chörli» unter Leitung von Dieter Hersberger (Känerkinden). Dieses «Chörli» trifft sich regelmässig, um gemeinsam zu singen.
Von Gelterkinden bis Waldenburg
Die Symphonie ist wirklich gelungen! Im 1. Satz (Allegro) ertönen verschiedene wiederkehrende Themen mit Soli von Horn, Oboe, Klarinette, Trompete, Fagott und Violine. Und sanft leiten die Klänge zum «Gelterkinderlied» über. Der 2. Satz (Allegretto) beginnt mit einer fröhlich-verspielten Barkarole und einem Solo für Piccolo und Flöte, dann übernehmen Oboe, Horn und Cello, und schon bald wird daraus das «Baselbieterlied» erkennbar. Man wäre am liebsten aufgestanden und hätte mitgesungen …
Im 3. Satz (Andante) übernehmen die Streicher, das Piccolo und die Celli das Zepter und bald erklingt der Marsch «Z Basel an mym Rhy». Danach wird es im 4. Satz (Scherzo) ziemlich jazzig. Auch dieses Lied – das von den «Steppin’ Stompers» zum Gassenhauer adaptierte «Waldenburger Tschou Tschou Train» – führte zum gloriosen Schluss der «Baselbieter Symphonie».
Zum Auftakt des Konzerts führte das Gelterkinder Orchester Rossinis Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» auf: Sanft und filigran entwickelt sich dieses Stück von der Morgendämmerung über den Sturm und Kuhreihen bis zum Marsch der Schweizer Soldaten und zum fulminanten Finale mit Pauken und Posaunen.
Danach nahm sich das Orchester Edvard Griegs «Peer gynt»-Suiten 1 und 2 an. Dieses Werk ist immer wieder schön und berührend. Als letzten Programmpunkt kam Leroy Andersons «The Typewriter» zur Aufführung, wo der junge Percussionist Tobias Gröflin an der Schreibmaschine brillierte. Als Zugabe gab Gröflin auf der Marimba eine Solovorstellung.