Schulhaus aus 6185 Lego-Steinen
20.06.2019 Bezirk Sissach, Bildung, Porträt, SissachZwei Sekundarschüler investieren viel Zeit und Fleiss in Abschlussarbeit
Die beiden Sissacher Sekundarschüler Andreas Lengweiler und Lasse Richert haben in ihrer Abschlussarbeit ihr Schulhaus, 50-fach verkleinert, originalgetreu mit Legos nachgebaut und dafür viel Zeit ...
Zwei Sekundarschüler investieren viel Zeit und Fleiss in Abschlussarbeit
Die beiden Sissacher Sekundarschüler Andreas Lengweiler und Lasse Richert haben in ihrer Abschlussarbeit ihr Schulhaus, 50-fach verkleinert, originalgetreu mit Legos nachgebaut und dafür viel Zeit investiert.
Jürg Gohl
70 Stunden Arbeit haben Andreas Lengweiler und Lasse Richert gemäss ihrem Protokoll in ihr aussergewöhnliches Projekt gesteckt. Doch der tatsächliche Aufwand dürfte weit höher liegen. Die beiden Progymnasiasten und leidenschaftlichen Lego-Bastler hatten sich zum Ziel gesetzt, zum Ende ihrer Zeit an der Sekundarschule als Abschlussarbeit ihren Trakt des Schulhauses Tannenbrunn nachzubauen. Als das Duo sein Produkt Ende Mai vor Verwandten und Lehrern präsentierte, staunten ihre Zuhörer im wahrsten Sinn Klötze. Auch wenn der 15-jährige Andreas, der in Sissach wohnt, und der ein Jahr ältere Lasse aus Thürnen ihr stattliches Produkt termingerecht einreichten, so hatten sie sich zuvor in ihrem Zeitbudget gleich aus mehreren Gründen ziemlich vertan.
Es begann damit, dass sie ihren ursprünglichen Plan, den Trakt im Massstab 1:100 nachzubauen, über Bord werfen und auf den Massstab 1:50 zurückgreifen mussten, weil für die ursprüngliche, kleinere Variante keine Lego-Fenster in der gewünschten Grösse zu finden waren. Das bedeutet – das wissen die Schüler aus dem Unterricht bestens –, dass sich das Bauvolumen vervierfacht. Und so erreicht das Endprodukt, das noch bis Ende dieser Woche im Lesesaal der Schule zu bestaunen ist, die stolze Fläche von 1,2 auf 1,6 Meter. Die beiden Lego-Liebhaber verbauten dabei 6185 Steine.
Steine selbst aus der Ukraine
Zudem mussten sie einen beträchtlichen Aufwand betreiben, um die nötigen Steine zusammenzutragen. Denn der Trakt mit der Dreifachhalle sollte möglichst originalgetreu abgebildet werden. Fündig wurden sie im ganzen Land und am Hauptsitz des grössten Spielzeugherstellers der Welt in Dänemark. Selbst aus Norwegen und aus der Ukraine liessen sie sich Teile schicken, die sie anderswo nicht fanden. Und weil schnell einmal die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten, bemühten sie sich daneben auch noch erfolgreich um Sponsoren für ihre Arbeit.
Am meisten Zeit raubte ihnen aber die ganze Planungsarbeit. Bevor sie zu den ersten Lego-Steinen griffen, hatten sie zuvor den ganzen Trakt, das Vorbild, gründlich vermessen und sich Zugang zu den Bauplänen verschafft. Mit diesen Grundlagen ausgestattet, bauten sie zuerst ein Modell. Das eigentliche Basteln mit den Lego-Steinen, die Hauptsache, verkam daneben beinahe zur Nebensache.
Sujetwahl hat praktische Gründe
In der Regel steht bei Schülern das eigene Schulhaus nicht an erster Stelle der Beliebtheitsskala. Der Vorteil, dass sie dort täglich ein und aus gehen und bei Fragen das Original immer vor Augen hatten, hätten Lasse Richert und ihn aber bewogen, statt irgendeiner Sehenswürdigkeit wie die Rialto-Brücke ihren Schulhaustrakt mit der Dreifach-Turnhalle zu wählen, sagt Andreas Lengweiler.
Was mit dem riesigen Legobau geschieht, wenn es den jetzigen Ausstellungsort verlässt, ist noch offen. Im Gespräch als nächster Ausstellungsort sei, wie die beiden erzählen, das Lego-Museum in Binningen, das im ehemaligen Monteverdi-Museum am 2. Dezember 2017 als einziges seiner Art in der Schweiz eröffnet wurde und das die beiden Oberbaselbieter Lego-Freaks bei ihrer Abschlussarbeit finanziell ebenfalls unterstützt hat.
Die beiden Bauer werden «ihrem» Tannenbrunn nach den Schulsommerferien den Rücken kehren und ins Gymnasium übertreten. Andreas Lengweiler hat sich für die Schwerpunkte Mathematik und Physik entschieden, Lasse Richert wählte Sport. Langweilig wird ihnen bis dahin bestimmt nicht, auch wenn ihre grosse Leidenschaft, Lego-Steine zusammenzusetzen, fürs Erste gestillt ist.


