«Fätze» ist Feuer und Flamme
27.02.2018 Baselbiet, Fasnacht, SissachNach dem Abfallen des Chluuri-Kopfs ist die Fasnecht vorbei
Mit der Chluuri-Verbrennung nimmt auch Sissech nach fünf Tagen des Feierns Abschied von der Fasnecht. Die sechseinhalb Tonnen schwere und über sieben Meter grosse Holzfigur ist dieses Jahr zu Ehren von Felix ...
Nach dem Abfallen des Chluuri-Kopfs ist die Fasnecht vorbei
Mit der Chluuri-Verbrennung nimmt auch Sissech nach fünf Tagen des Feierns Abschied von der Fasnecht. Die sechseinhalb Tonnen schwere und über sieben Meter grosse Holzfigur ist dieses Jahr zu Ehren von Felix «Fätze» Gisler errichtet worden.
Phantonym
Klagerufe und herzzerreissendes Schluchzen durchdringen den Sissecher Dorfkern. Eine gespenstische, in weisse Leintücher gehüllte Prozession bahnt sich langsam ihren Weg durch das abgedunkelte Dorf. Unter Tränen der voranschreitenden Chlaagewyyber wird das diesjährige Chluuri, und somit auch die Fasnecht, zu Grabe getragen. Nach fünf Tagen des Feierns begleitet die Trauergesellschaft die Holzfigur auf ihrem letzten Gang bis zur Allmend. Dort soll die über sieben Meter hohe und sechseinhalb Tonnen schwere Skulptur in Flammen aufgehen und mit dem Verlieren ihres Kopfs das Ende der Fasnecht 2018 markieren.
Bevor das Chluuri aber in die ewigen Jagdgründe geschickt werden kann, muss zuerst bekannt gemacht werden, wem die grosse Skulptur überhaupt gewidmet ist. Im Gegensatz zu den Vorgängerjahren ist die Holzfigur in diesem Jahr nämlich ein klassisches Chluuri, das heisst, schlicht eine in alte Kleider gehüllte Frau und deshalb nicht auf den ersten Blick einer bestimmten Persönlichkeit zuzuordnen. Felix «Fätze» Gisler sei der Auserkorene, lässt der Redner die Anwesenden wissen. Dieser selbst ist dabei nicht zu sehen. Des Redners Stimme schallt schon beinahe gespenstisch über den ganzen Platz. Er erzählt davon, wie sich Gisler in seinen 55 Lebensjahren auf vielfältige Art für die Sissecher Dorfkultur eingesetzt habe. Sei es im Musikverein, als Vorstandsmitglied der Sissecher Fasnachtsgesellschaft oder als aktiver Fasnächtler (siehe «Volksstimme» vom vergangenen Freitag, Seite 3).
Chluurischeune wird geschlossen
«Zerscht z grooss und denne z häiss», erinnert sich der Chluuriredner an das Debakel um den abgeblasenen Auftritt des Sissecher Wahrzeichens am Unspunnenfest in Interlaken. Den Veranstaltern war das Chluuri mit seinen hohen Flammen damit und einhergehenden Funken zu gefährlich für die schönen Trachten ihrer Gäste. Ein kleineres Chluuri, das nicht einmal brennt, war nach den Bouern kein richtiges Chluuri, weshalb sie den Auftritt schliesslich sausen liessen. Die eingefleischten Fasnächtler in Sissech kennen diese Furcht nicht. So wird gedrängt und geschoben, um möglichst nahe bei der Holzfigur zu stehen. «Und scho bald obdachloos», schliesst der Redner den Satz. Es sei das letzte Chluuri gewesen, das in der Scheune neben dem Primarschulhaus Dorf erbaut worden ist. Aber sicherlich nicht das letzte überhaupt.
Der Redner hat das vergangene Jahr und die Fasnecht augenzwinkernd Revue passieren lassen und das Chluuri gerühmt. Nun heisst es Abschied nehmen. Stolz umarmen sich die Chluuribouer, während der Redner die immer gleich bleibenden Worte, die wohl jedes Sissacher Kind kennt, ausspricht. «Adie Fasnecht, adie Chluuri», schallt es über die Allmend, bevor die riesige Holzfigur in Flammen aufgeht und sich als ein weiterer Teil der Sissecher Vergangenheit in die Dorfgeschichte einbrennt.