Sara Stalder: Die Jeanne d’Arc der Normal­verbraucher

Mi, 18. Okt. 2017

Für die einen ist sie ein «rotes Tuch», für die anderen die Konsumentenschützerin schlechthin. Sara Stalder, ­Geschäftsleiterin der Stiftung Schweizer Konsumentenschutz, wird im Nachtcafé in Sissach aus ihrem Leben und Berufsalltag berichten.

Es gibt einfachere Jobs als jenen, den die 51-jährige Sara Stalder aus dem bernischen Sumiswald zu erfüllen hat: Sie ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Nun gut, sie hat ­diesen Job gewollt, hätte auch ­Primarlehrerin und Schulleiterin bleiben können.

Doch Sara Stalder reizte die Herausforderung. Und so trat sie vor knapp zehn Jahren in die Fussstapfen unter anderem der heutigen SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga (welche die SKS bis 1999 geleitet hatte). Seither steht sie selber im Rampenlicht und ist dauerpräsent in den Medien. Sie weiss, dass es ohne diese Präsenz nicht geht, denn, so sagte Stalder einmal: «Wir stehen allen auf die Füsse.»

Viel Arbeit – viel Gegenwind

Diese Aussage darf man wörtlich nehmen. Wer einen Blick auf die Website der SKS wirft, kann erkennen, dass es kaum eine Branche gibt und kaum eine Produkte- oder Dienstleistungsgruppe, die nicht unter der Beobachtung von Stalder und ihrem rund zehnköpfigen Team steht. Da liegt es auf der Hand, dass der streitbaren Frau mit der Löwenmähne zuweilen auch kräftiger Gegenwind ins Gesicht bläst.

So kann es vorkommen, dass sie in grossen Lettern lesen muss: «Sara Stalder verblödet langsam.» Ein Gastrosuisse-Funktionär fuhr ihr vor zwei Jahren via «Blick» an den Karren, weil sie sich getraute zu sagen, 9 Franken und 60 Rappen im Restaurant sei zu viel für einen Liter Hahnenburger. In solchen Momenten wird sie realisieren, dass sich ihre Arbeit lohnt und dass der anderen Seite schlicht die Argumente fehlen.

Vermutlich mehr zu kauen hat sie, wenn ihrer Organisation vorgehalten wird, die Nähe zur SP und zu anderen linken Organisationen führe dazu, «auf dem linken Auge blind» zu sein. Nicht ganz von der Hand weisen lässt sich jedenfalls, dass sich die SKS immer dann in vornehmer Zurückhaltung übt, wenn sich die Ansinnen von SKS mit den Interessen von SP, Gewerkschaften, VCS oder Kleinbauern beissen. Im Zweifel – so hat es ­zumindest den Anschein – geht der Schutz des Monopols (Swisscom, Post usw.) dem Konsumentenschutz vor.

Zu Gast im Nachtcafé

Sara Stalder ist selbstverständlich auch Konsumentin. Und erst noch dreifache Mutter. So ist anzunehmen, dass sie hie und da auch in einen Gewissens- oder Zielkonflikt gerät. Denn einerseits steht sie für günstige Preise ein, andererseits bevorzugt sie biologisch und ethisch korrekt produzierte Waren. Zudem leiste sie sich auch mal «Zucchetti zur Unzeit oder Spargeln aus dem Ausland», hat sie einmal zu Protokoll gegeben.

Die prominente Konsumentenschützerin ist sich bewusst, dass es in ihrem Geschäft einen langen Atem braucht und es spektakuläre Erfolge für Konsumentinnen und Konsumenten eher selten gibt. Deshalb kämpft die SKS teilweise schon Jahre für dieselben Anliegen. Auch im Hinblick aufs kommende Jahr finden sich wieder altbekannte Themen und Anliegen auf der Agenda.

Das «Volksstimme»-Nachtcafé mit der Geschäftsführerin der Stiftung Schweizer Konsumentenschutz Sara Stalder findet am Donnerstag, dem 18. Oktober, um 20 Uhr in der Oberen Fabrik, Gerbegässlein 1, in Sissach statt. Der Eintritt ist frei.

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