Zeitreise ins Dorf von damals
17.02.2026 Bezirk Liestal, Kultur, Gesellschaft, Baselbiet, LupsingenFotos von früher lassen Gastgeber und Gäste in Stimmung kommen
Bruno Tschopp, Victor Bertschi und Ruedi Dürrenberger präsentierten in der Aula des Lupsinger Schulhauses zum dritten Mal ihre Bilderkollektion «Lupsingen im 20. Jahrhundert». Rund 30 Leute ...
Fotos von früher lassen Gastgeber und Gäste in Stimmung kommen
Bruno Tschopp, Victor Bertschi und Ruedi Dürrenberger präsentierten in der Aula des Lupsinger Schulhauses zum dritten Mal ihre Bilderkollektion «Lupsingen im 20. Jahrhundert». Rund 30 Leute waren anwesend.
Yanis Gaignat
1959 gab es einen kleinen Jungen in Lupsingen, der sich ziemlich früh für Fotos und deren Produktion interessierte. Dieser Junge bekam von einem alten Mann eine Kamera geschenkt, mit der er voller Begeisterung das Leben im ganzen Dorf einfing. Dieser Junge ist heute ein Mann. Er heisst Victor Bertschi und brachte dem Publikum am vergangenen Freitagabend gemeinsam mit Bruno Tschopp und Ruedi Dürrenberger die Dorfbilder von damals näher. Später erlangte Bertschi den Pilotenschein und fotografierte von da an Lupsingen auch aus der Vogelperspektive.
Die drei Männer stellten zu Beginn des Anlasses klar, dass sie keine Historiker seien, jedoch durfte der geschichtliche Hintergrund der jeweiligen Fotos dann doch nicht fehlen. So widerlegten sie den im Dorf verbreiteten Irrtum, der Name Lupsingen käme von «lupus», dem lateinischen Wort für Wolf. Als dann die Rahmenbedingungen geklärt waren, durfte das Publikum in eine vergangene Zeit eintauchen.
So wurde von den Heimposamentern gesprochen, von denen es in Lupsingen sehr viele gab. Sie versorgten die Mode-Metropole Paris mit den damals begehrten Seidenbändern. Viele der alten Baselbieter Häuser, in denen Posamenterei betrieben wurde, mussten im Verlauf der Zeit Neubauten weichen.
Viele Höfe, die heute verschwunden sind, standen zu dieser Zeit noch im Dorf. Zusätzlich war es üblich, dass «e Chueh und e Sou» gehalten wurden. Neben dem Haus war oft ein Miststock – so liegt auch das Sprichwort «über den Misthaufen heiraten» nahe. Jemanden von ausserhalb des Dorfes zu heiraten, wurde eher belächelt als bewundert. Auch nach Hausnummern entsprechend der jeweiligen Strassen suchte man in Lupsingen lange vergeblich – die Häuser wurden einfach im ganzen Dorf einmal von Osten nach Westen durchnummeriert.
Aktive Dorfvereine
Die drei Sammler suchten zudem Fotos von den vielen Vereinen und Betrieben von Lupsingen heraus. So gab es im Dorf sogar einmal eine Tankzapfsäule. Was früher das «Milchhüüsli», die Beizen und das Schlachthaus waren, versucht heute der einzig verbliebene Detailhändler, der Volg, zu leisten. Das Handwerk verschwindet ebenfalls immer mehr aus dem Dorf und muss, wie schweizweit auch, dem Dienstleistungssektor den Vortritt lassen. Was dafür mehrheitlich überlebte, sind die vielen Dorfvereine, wie der Männerchor, der Schiessverein oder der Turnverein. Diese beleben das Dorf bis heute und bilden den sozialen Mittelpunkt der Gemeinde.
Um einen anderen Mittelpunkt ging es ein paar Mal an diesem Abend. Die Gastgeber betonten an der Präsentation mehrmals die geografische Mitte des Baselbiets, die seit dem Beitritt des Laufentals zum Kanton in Lupsingen liegt.
Die Klassenfotos der Primarschule Lupsingen eignen sich ebenfalls sehr gut für die Dorfchronik. Die Schule befand sich einst in der heutigen Gemeindeverwaltung. Die ersten Klassen zusammen bestanden nur etwa aus zwei Dutzend Kindern. Der Lehrer hatte selber noch einen Webstuhl im Schulhaus, wo er auch wohnte. Da fast jeder in Lupsingen diese Schule besuchte, boten diese Bilder Anlass für viele kleine und lustige Geschichten aus einer vergangenen Zeit.
Das Publikum hörte den drei Männern gespannt zu und ergänzte mit eigenem Dorfwissen die Anekdoten. Lediglich einmal reagierten die Zuhörer verdutzt, als Victor Bertschi erzählte, dass er bei der Abstimmung zur Wiedervereinigung beider Basel Ja gestimmt habe. Nichtsdestotrotz gingen nach diesem Abend, an dem bei vielen wieder Erinnerungen an früher auflebten, wohl nicht wenige mit einem Lächeln nach Hause.




