Zeichen für den Wert des Wassers
07.08.2026 SissachThomas Zumbrunn schliesst seine Autowaschanlage – freiwillig
Während die Bevölkerung zum Wassersparen aufgefordert wird, ist Wassersparen für die Autowaschanlagen im Baselbiet kein Thema. Nun zieht der Sissacher Carrossier Thomas Zumbrunn seine eigenen Konsequenzen: ...
Thomas Zumbrunn schliesst seine Autowaschanlage – freiwillig
Während die Bevölkerung zum Wassersparen aufgefordert wird, ist Wassersparen für die Autowaschanlagen im Baselbiet kein Thema. Nun zieht der Sissacher Carrossier Thomas Zumbrunn seine eigenen Konsequenzen: Seit Montag ist seine öffentliche Waschanlage zu.
Fiona Findlay
Auf die Autowäsche mit dem Gartenschlauch sollen die Menschen nach dem Willen von Kanton und Gemeinden verzichten. Die Autowaschanlagen aber stehen trotz anhaltender Trockenheit in Betrieb. Ausser jene bei der Carrosserie Zumbrunn. Der Inhaber Thomas Zumbrunn hat sich angesichts der niedrigen Wasserstände und leeren Bäche dazu entschieden, seine Anlage mit zwei Waschplätzen vorübergehend zu schliessen. Zwei grosse Transparente weisen darauf hin: «Wir sparen Wasser.»
Sein Entscheid sei aus einem allgemeinen Bewusstsein für einen sparsamen und respektvollen Umgang mit Ressourcen entstanden. Geprägt worden sei dieses Verständnis bereits in seiner Kindheit und durch seine Schwester, die heute in Läufelfingen einen Landwirtschaftsbetrieb führe. Die Verbindung zur Landwirtschaft habe seinen Blick auf die aktuelle Situation und deren Auswirkungen auf die Natur geschärft.
Die Carrosserie Zumbrunn liegt an einer viel befahrenen Strasse. Entsprechend viele Blicke ziehen die Transparente vor der Waschanlage auf sich. Für Thomas Zumbrunn geht es um mehr als nur eine kurzfristige Betriebseinschränkung. Er wünsche sich ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit Wasser. Dies solle nicht erst durch Verbote entstehen, sondern vor allem durch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Zumbrunn betont, jede Person könne einen Beitrag leisten, sei es durch bewussteres Duschen oder einen Verzicht auf das Vorspülen eines Tellers vor dem Einräumen in die Geschirrspülmaschine. Jeder Beitrag helfe, den Wasserverbrauch zu reduzieren.
Kunden zurückhaltender
Schon vor der Schliessung der Anlage stellte der Unternehmer einen deutlichen Rückgang in der Nutzung fest. Der Umsatz in diesem Bereich sei auf rund ein Drittel des üblichen Niveaus gefallen. Er sei deshalb davon überzeugt, dass der Grossteil seiner Kundschaft bereits auf die Autowäsche verzichtet habe. Die resultierenden Umsatzeinbussen seien für sein Unternehmen absolut verkraftbar.
Eine allgemeine Einschränkung für den Betrieb von Autowaschanlagen aufgrund der Trockenheit besteht im Baselbiet derzeit nicht. Laut dem kantonalen Führungsstab ist der Regierungsrat bei einem Wassermangel berechtigt, Verfügungen über eine besondere Verteilung des Wassers für das ganze Kantonsgebiet oder für einzelne Regionen zu erlassen. Grundsätzlich liegen Regelungen zur Wasserversorgung aber in der Verantwortung der einzelnen Gemeinden. Der Gemeinderat könne bei Wasserknappheit, Betriebsstörungen oder im Falle höherer Gewalt die Wasserabgabe an die Bevölkerung einschränken oder zeitweise unterbrechen lassen, erläutert Peter Buser, Gemeindepräsident von Sissach. Aktuell setzen die Gemeinden auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Alle Baselbieter Gemeinden haben ihre Einwohnerschaft zum freiwilligen Wassersparen aufgerufen, einzelne haben Verbote ausgesprochen. Bei einer weiteren Verschärfung der Situation aufgrund anhaltender Trockenheit dürften die Gemeinden die Lage neu beurteilen.
Modernes Wasserrecycling
Betreiber von Autowaschanlagen im Baselbiet verweisen ihrerseits auf moderne und effiziente Wasseraufbereitungssysteme. Der TCS beider Basel, der in Füllinsdorf eine Autowaschanlage betreibt, arbeitet nach eigenen Angaben mit einem «Glasperlensystem», das rund 80 Prozent des Brauchwassers reinige und aufbereite. Auch die Fritz Meyer AG, die für die Autowaschanlage der Avia in Sissach verantwortlich ist, setzt auf den Einsatz eines Wasserrecyclingsystems. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein nachhaltiger Umgang mit Wasser eine gemeinsame Verantwortung der Unternehmen und der Kundschaft sei. Die Landi Reba weist auf einen «optimierten Wasserdurchlauf» ihrer Waschanlagen hin sowie auf die Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden für einen sorgfältigen Umgang mit Ressourcen. Die rückläufigen Umsatzzahlen in diesem Sommer würden verdeutlichen, dass auch bei ihnen ein Grossteil der Kundschaft die aktuelle Lage berücksichtige und auf die Autowäsche bei ihrer Anlage in Gelterkinden verzichte, heisst es bei der Landi Reba weiter.
Den Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme seiner Autowaschanlage macht Carrossier Zumbrunn von der weiteren Wetterentwicklung abhängig. Sobald sich die Wasserstände in den Bächen und Reservoirs erholt hätten, wolle er den Betrieb wieder aufnehmen.
Dieser Sommer hat für Zumbrunn nicht nur Schattenseiten. Das sonnige Wetter biete die Möglichkeit, viel Zeit im Freien zu verbringen und die Natur zu geniessen. Gleichzeitig mahne die Situation die Menschen daran, wie wertvoll die Ressource Wasser sei. Er hofft, dass die aktuelle Lage langfristig zu einem sorgfältigeren Umgang mit einem wertvollen Gut beiträgt.


