Wer soll die Uni Basel finanzieren?
09.06.2026 SissachPolitiker, Universitätsleitung und Wirtschaft suchen nach Lösungen
Die Finanzierung der Universität Basel stand im Zentrum eines gemeinsamen Podiums der SRG Region Basel und der Uni Basel in Sissach. Der Abend zeigte: Alle Teilnehmenden wünschen sich mehr Effizienz und ...
Politiker, Universitätsleitung und Wirtschaft suchen nach Lösungen
Die Finanzierung der Universität Basel stand im Zentrum eines gemeinsamen Podiums der SRG Region Basel und der Uni Basel in Sissach. Der Abend zeigte: Alle Teilnehmenden wünschen sich mehr Effizienz und Kosteneinsparungen.
Julia Kaufmann
Der jährliche Beitrag von aktuell rund 180 Millionen Franken an die Universität Basel gibt im Baselbiet immer wieder Anlass zur Diskussion. Baselland ist zusammen mit Basel-Stadt Trägerkanton der Universität Basel, die gemeinsame Trägerschaft besteht seit 2007.
Die Rünenberger Gemeindeinitiative zur Uni-Finanzierung, welche die Kündigung des bestehenden Vertrags per Ende 2027 forderte, wurde von der Baselbieter Regierung abgelehnt, weil die direkte Kündigung rechtswidrig sei. Die Forderung nach Neuverhandlungen über die Finanzierung bleibt aber zulässig. Die initiierenden Gemeinden verlangen, dass die Kosten von allen Kantonen mit Studierenden an der Universität Basel getragen werden, nicht nur von den beiden Basel.
An einer Podiumsdiskussion vergangene Woche in Sissach argumentierte SVP-Baselland-Präsident Peter Riebli mit dem Verhältnis von Kosten und Studierenden: Aktuell stammten rund 24 Prozent der Studierenden an der Uni Basel aus dem Baselbiet, die kantonalen Beiträge hingegen würden zu 40 Prozent von Baselland getragen. Riebli befürchtet, dass wegen der hohen Ausgaben für die Tertiärbildung bei der Primär- und Sekundärbildung gespart werden müsse. Den Vertrag zu kündigen, sei gewiss nicht das Ziel, doch diese Forderung diene als Druckmittel und Ultima Ratio, wenn sich an der Situation nichts ändert, so Riebli.
Für Markus Eigenmann (FDP), Baselbieter Regierungsrat und Bildungsdirektor, ist dies keine geeignete Massnahme: «Wenn Baselland den Vertrag kündigt und kein Trägerkanton mehr ist, haben wir weniger Macht in den Verhandlungen. Die beiden Basel müssen sich bemühen, eine gerechte, gesamtschweizerische Lösung zu finden.»
Neben der Kostenaufteilung unter den Kantonen wies Eigenmann auf einen weiteren Punkt der Diskussion hin: Es gehe auch um die Frage, wie viel die Universität kosten darf. Laut Eigenmann sind die Kosten im Vergleich zum letzten Leistungsauftrag um 11 Prozent gestiegen. Die Rektorin der Universität Basel, Andrea Schenker-Wicki, räumte ein, dass die Kosten bis 2030 weiter steigen würden, schätzungsweise um 35 Millionen Franken, hauptsächlich wegen Sanierungsbedarf der Infrastruktur. Nach den getätigten Investitionen nähmen die Kosten langfristig aber wieder ab.
Schenker-Wicki wolle alles daransetzen, eine gemeinsame Lösung zu finden, und betonte auch die langjährige Tradition, welche die Uni Basel und den Kanton Baselland verbinde. «Ich finde, das Baselbiet gehört genauso wie Basel-Stadt zur Universität und die Universität gehört auch zu euch!», erklärte sie in feierlichem Ton. Zudem bringe die Universität Basel Innovationen, Technologietransfers und Start-ups hervor, was Wohlstand generiere, von dem auch das Baselbiet profitiere.
Kuno Sommer, Verwaltungsratspräsident der Bachem, betonte, dass die Bildung in der Schweiz die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg sei, da wir keine klassischen Ressourcen besitzen. «Die Schweiz hat eines der besten Bildungssysteme der Welt, daran darf nicht gerüttelt werden.»
Mehr Zusammenarbeit
Die heutigen Studierenden stehen vor einer fundamental veränderten Arbeitswelt: Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz führten zu einem ständigen Wandel der Jobprofile. Die Ausbildung und Vorbereitung junger Menschen haben daher eine besondere Bedeutung, waren sich Sommer und Schenker-Wicki einig. Doch nicht nur Jobprofile, sondern auch Lehre und Wissensvermittlung verändern sich.
Schenker-Wicki regte zum Gedankenspiel an: «Sind Hörsäle der Zukunft nicht mehr gross, sondern klein und interaktiv? Und wie werden Prüfungen gestaltet?» Dieser Wandel benötige neue Investitionen in Infrastruktur und in die Cybersicherheit, biete aber gleichzeitig auch Sparpotenzial, sagte die Rektorin. So könne zum Beispiel bei Prozessen der Datenverwaltung durch Automatisierung Geld eingespart werden.
Im Zuge der Verhandlungen über die Finanzierung der Universität Basel sollen auch potenzielle Bereiche zur Effizienzsteigerung überprüft werden. Markus Eigenmann verwies auf Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Universitäten in Bereichen mit teurer Infrastruktur oder tiefen Studierendenzahlen. Teuer seien vor allem die Medizinische und die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, die 75 Prozent der Kosten der Universität verursachen. Allerdings ist auch rund die Hälfte der Studierenden an einer dieser beiden Fakultäten immatrikuliert.
Die Universität Basel sei eine Volluniversität mit Fokus auf Medizin und Life Sciences, betonte Schenker-Wicki. Kuno Sommer befürwortet einen klaren, fokussierten Leistungsauftrag der einzelnen Schweizer Universitäten und sieht diese Phase des Umbruchs als Chance, die Positionierung der Universität Basel zu überdenken.

