Wer kontrolliert die Sicherheit?
09.01.2026 Baselbiet, BaselbietNach Crans-Montana: Baselbieter Bars und Klubs im Brandschutz-Check
Im Baselbiet gibt es keine regelmässigen Brandschutzkontrollen in Bars und Klubs. Würden sie einen Test bestehen? Wir haben bei regionalen Lokalen nachgefragt.
Melanie Frei
...Nach Crans-Montana: Baselbieter Bars und Klubs im Brandschutz-Check
Im Baselbiet gibt es keine regelmässigen Brandschutzkontrollen in Bars und Klubs. Würden sie einen Test bestehen? Wir haben bei regionalen Lokalen nachgefragt.
Melanie Frei
Die Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana hat die Schweiz erschüttert. Brennbarer Schaumstoff an der Decke, schlecht ausgeschilderte Fluchtwege, keine Feuerlöscher zur Hand. Wie konnte das passieren?
Brandschutz ist Kantonssache, und im Kanton Baselland gibt es keine regelmässigen oder gar jährlichen Kontrollen von Gaststätten, Bars oder Dancings, wie László Koller, Chef der zuständigen Abteilung Prävention der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV), bestätigt (die «Volksstimme» berichtete). Dabei herrscht kein Mangel an Richtlinien, Vorschriften und Empfehlungen: Personendichte, Notausgänge, Baumaterialien – alles ist bis ins Detail festgeschrieben. Doch die Durchsetzung? «Eigentümer und Veranstalter sorgen in Eigenverantwortung dafür, dass die Sicherheit von Personen und Sachen gewährleistet ist», heisst es in den Bestimmungen. Brandschutz gilt, ausser bei der Abnahme von Bauten, als «Eigenverantwortung» der Betreiber.
Marabu hat einen «SiBe»
Die «Volksstimme» hat regionale Bars und Klubs nach dem Stand ihrer Brandschutzkonzepte gefragt. Zuerst werfen wir einen Blick nach Gelterkinden. Nach dem Umbau und der Wiedereröffnung im Frühling 2023 war die Schaffung einer neuen Stelle «Sicherheitsbeauftragter Brandschutz» (SiBe) eine Bedingung der Baubewilligung. Pat Walther, «SiBe» im Marabu, hat eine mehrtägige Ausbildung bei einem von den Gebäudeversicherungen zertifizierten Ausbildungszentrum absolviert und eine Prüfung bestanden. «Dieses Zertifikat ist durch regelmässige Schulungstage zu rezertifizieren», erklärt er.
Walther arbeitet mit einem sechsköpfigen Team. «Die Aufgabe vom «SiBe» ist es, dafür zu sorgen, dass alle möglichen Gefahrenquellen für einen Brand so gut wie möglich ausgeschlossen werden können. Sollte sich trotzdem ein Brand ereignen, müssen die Personen das Gebäude sicher verlassen können und die Feuerwehr eingewiesen sowie bei der Brandbekämpfung unterstützt werden.»
Die BGV stelle «gute Unterlagen und Checklisten» zur Verfügung, «welche die genauen Vorgänge und Kontrollen beschreiben». Auf dieser Basis habe der «SiBe» ein Konzept erstellt, «wie die Sicherheit gewährleistet wird, welche Kontrolle wann durchgeführt werden, wie in einem Brandfall vorgegangen werden muss und wie dies an die Mitarbeiter weitergegeben wird». Wie bei jedem Konzept müsse dies «gelebt werden sowie auch regelmässig kontrolliert, geschult und verbessert werden».
Es muss immer wieder überprüft werden: Geht der Feuerlöscher noch oder muss er ersetzt werden? Sind die Fluchtwege aussen frei? Funktionieren die Notfallleuchten, wenn einmal die Sicherung rausfällt? «Gewisse Brandschutz-Dinge werden wöchentlich, monatlich, jährlich kontrolliert», sagt Walther. Das alles in Eigenverantwortung vom Kulturverein. Walther betont aber, dass mit der Gebäudeversicherung und der lokalen Feuerwehr sehr gute Ansprechpartner zur Unterstützung vorhanden seien.
Der Umbau hat auch dazu geführt, dass es einen zusätzlichen Fluchtweg gibt, eine Treppe verbreitert, sowie eine Rauch- und Wärmeabzuganlage (RWA) installiert wurde. Dadurch konnte die mögliche Besucherzahl erhöht werden. Das solche Umbaumassnahmen eine grosse Investition sind, liegt auf der Hand.
Das Marabu-Team hat ein klares Credo: «Die Gäste und Mitarbeiter verlassen das Marabu sicher und mit einem Lächeln im Gesicht – dies gilt es zu erreichen, dann haben wir alle zusammen unsere Arbeit gut gemacht.»
Ausbildung in der «Lounge 11»
Alain und Lexi Goepfert sind Betreiber der «Lounge 11» in Sissach. In seinem Lokal befinden sich «ausschliesslich zertifizierte und geprüfte Materialien», sagt er. «Das Lokal verfügt über insgesamt drei Ausgänge. Weiter stehen drei Feuerlöscher sowie ein Wasser-Löschposten im Lokal, welche in den vorgegeben Wartungsintervallen kontrolliert werden.» Die letzte Wartung fand demnach im August 2025 statt, «unter Einhaltung der vorgegebenen Richtlinien». Die Fluchtwege seien nicht blockiert, da sie täglich in Funktion sind. Sie befinden sich im Erdgeschoss, wie die Bar selber. Es müssten also keine Treppen benutzt werden, um ins Freie zu kommen.
Man halte sich an die Vorgaben zur Personendichte. Zusätzlich setze man an den Tagen, an denen das Lokal von vielen Gästen besucht werde, «neben unserer eigenen verantwortlichen Person zusätzlich die ‹24-Security› ein, um die Sicherheit und Kontrollen (wie auch Alterskontrollen) aller Personen im Lokal zu gewährleisten». Ein schriftliches Brandschutzkonzept existiert. Schulungen fänden jährlich statt, die letzte am 30. November 2025.
«Wir nehmen unsere Verantwortung ernst und fühlen uns dieser gewachsen.» Die Tragödie von Crans-Montana zeige, «dass ein Vorfall sehr schnell eintreten kann und man sich nicht auf bisherigen Vorkehrungen ausruhen darf, sondern stets nach weiteren Lösungen und Weiterbildung streben muss». Aufgrund der Massnahmen, welche man in der Vergangenheit getroffen habe und weiterverfolgen werde, «ist die Sicherheit in unserem Lokal klar gewährleistet».
Der Verein Kultur im Keller (KiK) ist ehrenamtlich betrieben. Dies sei auch der Grund, warum bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme eintraf, wie Sarah Schmid vom «KiK»-Team auf Anfrage antwortete. Auch die Sissacher Diskothek «Club 55» beim «Cheesmeyer» blieb bis zu gegebener Frist eine Antwort schuldig.
Die Tragödie in Crans-Montana hat Pat Walther zum Nachdenken gebracht. Obwohl das Konzept im Marabu sicher ist und funktioniert, obwohl ein Brandschutzexperte das Gebäude als gut und das Konzept als funktional gewertet hatte – Walther hinterfragt sich: «Kann nicht doch etwas passieren?» Mit diesen Gedanken wird er wohl nicht der Einzige sein.
Sicherheit in Cliquenkellern
ch. Brandschutz und Fluchtwege sind auch für Fasnachtscliquen ein Thema, zumal sich deren Vereinslokale häufig in Untergeschossen befinden – der Begriff Cliquenkeller kommt nicht von ungefähr.
Im Cliquenkeller der Gelterkinder Grillschränzer erlitten 2021 mehrere Cliquenmitglieder eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Eine Frau wurde ohnmächtig, weitere klagten über Übelkeit und Kopfschmerzen. Als Ursache stellte sich ein Problem mit der Lüftung heraus. Die Abluft des Ölofens wurde nicht ausreichend abgeführt. Die Wagenclique reagierte umgehend: Die Heizung durch eine elektrische Wärmepumpe ersetzt, der Raum mit CO2- Meldern ausgestattet. Ebenfalls im Raum befinde sich ein Feuerlöscher, sagt Andreas Basile, Präsident der Wagenclique. Seit jenem Ereignis lasse die Clique ihr Lokal jährlich auf eigene Initiative von einem befreundeten Mitglied der Gelterkinder Feuerwehr prüfen. Im Vordergrund stehe die Kontrolle des CO2-Melders. Und kürzlich sei durch eine Brandschutzfirma der Feuerlöscher ausgetauscht worden. Von offizieller Seite sei im Lokal weder eine Kontrolle angeordnet oder durchgeführt worden, seit die Clique das Lokal nutzt, so Basile weiter.
Nur zwei weitere Gelterkinder Fasnachtsgruppen haben ebenfalls einen eigenen Cliquenkeller: Die Let’s Fetz Waggis bei der Metzgerei Zimmermann einen sehr kleinen und die Grümpel Waggis in der Braui-Bar einen grösseren – mit zwei Ausgängen, wie Xenia, Vizepräsidentin der Gelterkinder Fasnacht (Gefa), betont. Ein Vorstandsmiglied der Gelterkinder Fasnacht, zugleich Feuerwehrmann, überprüfe die Kellerlokale auf deren Sicherheit.
Die Fasnachtsgesellschaft Sissach befasst sich nicht mit den Kellern ihrer Cliquen. Laut Vizepräsident Andreas Rudin seien dafür die Betreiber verantwortlich. Einer der Sissacher Cliquenkeller befindet sich beim Primarschulhauses Dorf: der Spootzünder-Chäller. Laut Stefan Bachmann, dem Präsidenten der Clique, sei das Entfachen offener Flammen im Lokal untersagt. Dennoch befinde sich im Gewölbekeller mit Küche ein Feuerlöscher. An eine feuerpolizeiliche Abnahme oder Kontrolle des Raums erinnert sich der langjährige Präsident der Clique nicht. Er gehe davon aus, dass die Verantwortung dafür bei der Gemeinde liegen würde, bei der die Clique für die Fasnacht jeweils auch die Bewilligung fürs Betreiben einer Gelegenheitswirtschaft einholen müsse.
