Das interdisziplinäre Zusammenwirken von Ingenieuren und Ingenieurinnen ist zentral für das Gelingen nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Damit auch der Konsument mitmacht, müssen der Genuss und der Preis stimmen. Das ist das Fazit eines Podiumsgesprächs am nationalen ...
Das interdisziplinäre Zusammenwirken von Ingenieuren und Ingenieurinnen ist zentral für das Gelingen nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Damit auch der Konsument mitmacht, müssen der Genuss und der Preis stimmen. Das ist das Fazit eines Podiumsgesprächs am nationalen Netzwerkanlass zum Engineer’s Day.
Regula Vogt-Kohler
Zu süss, zu salzig, zu fett, zu viel Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, zu viele Monokulturen, zu viel Abfall. Die Hindernisse, die sich auf dem Weg zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion auftürmen, sind ein Zuviel in ganz verschiedenen Bereichen. Wir essen zu viel und vor allem zu viel vom Falschen, wir kaufen zu viel ein und werfen zu viel weg. Was uns besonders gut mundet, braucht oft sehr viele Ressourcen und ist häufig erst noch ungesund. Zu den negativen Auswirkungen einer nicht nachhaltigen Lebensmittelproduktion gehören neben Umweltproblemen auch Übergewicht und damit verbundene Krankheiten.
Vor diesem Hintergrund haben auch Grossverteiler eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und eine gesunde Ernährung in ihre Werbestrategie und Angebotspalette aufgenommen – mit ernüchternden Erfahrungen, wie Monica Duca Widmer, langjährige Präsidentin des Verwaltungsrats der Migros Tessin, erzählte. Die Leute entscheiden sich nicht für das gesündere Joghurt mit weniger Zucker, sondern kaufen billigere Produkte oder besorgen sich die süsseren Sachen in einem anderen Laden. «Wir sehen, dass der Markt nicht mitspielt», sagte Duca Widmer. Michael Kleinert, Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Zürich (ZHAW), formulierte es so: «Wenn’s am Ende nicht schmeckt, scheitert es.»
Breiterer Austausch
Wie bringt man die Leute dazu, gesündere und insgesamt nachhaltigere Produkte in den Einkaufskorb zu legen? Kleinert plädierte für einen sehr breiten interdisziplinären Ansatz. Es brauche neben den Ingenieuren und Ingenieurinnen auch die Soziologie, und er wünsche sich auch mehr Austausch mit der Politik.
Um die Nahrungsmittelproduktion nachhaltig oder nachhaltiger zu gestalten, sind allein schon die Ingenieurinnen und Ingenieure aus den verschiedensten Bereichen gefordert. Für ein Unternehmen besteht dabei auch die Gefahr, sich zu verzetteln. Stephanie Schwander, Leiterin Innovation und Entwicklung beim Müesliproduzenten «biofamilia», riet in einem Impulsreferat dazu, mit einer Klimabilanz zu starten. Auch sie betonte, wie wichtig der interdisziplinäre Ansatz ist: Dies bringe unterschiedliche Sichtweisen zusammen und ermögliche neue, kreative Lösungen. Und das Wichtigste: kleine Schritte wagen, aktiv werden und dabei lernen.
Diese Herangehensweise unterstützte im Podiumsgespräch auch Jenny Kunz, Director Sustainability beim Laufner Bonbon-Hersteller Ricola. Wichtig sei es, als Unternehmen seinen Fokus zu finden: Sich die Frage zu stellen «Wo ist mein Hebel?» und dann die ersten drei wichtigsten Dinge anzugehen.
Wichtig sei es, das Machbare ins Zentrum zu stellen, sagte Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbandes. «Wir brauchen Lösungen, die funktionieren.» Rufer sieht sehr viel Potenzial im technischen Bereich, das noch zu wenig genutzt werde.
worldengineeringday.net/
Engineer’s Day macht Ingenieurberuf sichtbar
rvk. Ingenieurinnen und Ingenieure spielen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung globaler Herausforderungen. Umso gravierender ist es, dass die ingenieurtechnischen Berufe unter Nachwuchsmangel leiden. Der nationale Tag der Ingenieurinnen und Ingenieure am 4. März macht mit zahlreichen Aktivitäten den Ingenieurberuf sichtbar. Der Schweizer Engineer’s Day ist Teil des Unesco World Engineering Day for Sustainable Development.
Als Auftakt und zur Vorbereitung luden die Trägerverbände zum nationalen Netzwerkanlass an die Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Chancen und Herausforderungen zum Thema Ernährung gemäss dem Unesco Sustainable Development Goal 2. So tragen Ingenieurinnen und Ingenieure entscheidend zur Sicherung einer nachhaltigen Ernährung bei – sei das durch den Einsatz smarter Agrartechnologien, die Entwicklung effizienter Bewässerungssysteme oder die Verbesserung von Logistik und Lieferketten.