Welche Farbe soll es sein?
19.02.2026 Bezirk Sissach, Kultur, Fasnacht, DiegtenRoman Kaufmann betreibt einen Shop für Fasnachtssocken
Rund 5000 Fasnachtssocken stehen jeweils ab September bereit für aktive Fasnächtler aus nah und fern. Hergestellt werden sie im Auftrag von Roman Kaufmann. Begonnen hat die Geschichte mit einer vergeblichen Suche nach ...
Roman Kaufmann betreibt einen Shop für Fasnachtssocken
Rund 5000 Fasnachtssocken stehen jeweils ab September bereit für aktive Fasnächtler aus nah und fern. Hergestellt werden sie im Auftrag von Roman Kaufmann. Begonnen hat die Geschichte mit einer vergeblichen Suche nach violetten Socken.
Brigitte Keller
«Wenn ich etwas will, dann finde ich es, egal wie und wo auf der Welt.» Dies sagt Roman Kaufmann von sich. Doch einmal musste er beinahe kapitulieren: 2014 bei der Suche nach violetten Fasnachtssocken, die er 2015 unbedingt wollte für das Kostüm zum 10-Jahre-Jubiläum der Wagenclique «Bierstürzer Sissach», dessen Gründer und Präsident er ist. Doch die Socken in der gewünschten Farbe waren nirgends zu bekommen …
Kaufmann fragte sich: Wenn es die Socken nirgends zu kaufen gibt, dann könnte man sie vielleicht extra herstellen lassen? Und so fing der Fasnächtler an, nach möglichen Herstellern zu suchen und sich in Sachen Unternehmensgründung und Onlineshop zu informieren. Auch Fragen zu Import-Formalitäten tauchten auf, da von Anfang an klar war, dass es in der Schweiz keinen Hersteller von Socken gibt. Doch all dieser Aufwand schien zu gross, und Kaufmann legte die Pläne auf Eis.
«Wenn du es nicht machst, dann mache ich es.» Als Roman Kaufmann diesen Satz hörte – seine Idee hatte da bereits die Runde in Fasnachtskreisen gemacht –, da wurde ihm klar: Er will es machen. Noch am selben Abend setzte er sich an seinen Computer und sicherte sich als erstes die Domain «fasnachtssocken.ch». Jetzt, das wusste auch seine Frau Cécile, konnte ihn kaum noch etwas stoppen. «Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es, bis ins kleinste Detail geplant, durch.» Und tatsächlich: Von da an ging es Schlag auf Schlag. Kaufmann fand nach intensiver Suche einen passenden Sockenhersteller, gründete seine Firma und gab schon bald die erste Bestellung in Auftrag. Das war im Oktober 2014. Der erste Auftrag bestand aus je 150 Paaren, was der Mindestbestellmenge pro Design entspricht, in den Farben Schwarz, Weiss, Gelb, Rot, Blau, Grau – und selbstverständlich Violett. Die Fasnacht 2015 konnte kommen, die Wunschsocken zum Jubiläumskostüm waren auf dem Weg.
Die Möglichkeit, passende Socken zu den Kostümen einfach und schnell bestellen zu können, sprach sich rasch herum, ab Januar des Jahres 2015 trafen im Onlineshop die ersten Bestellungen ein.
Aktuell, elf Jahre später, stehen 31 verschiedene Designs ab Lager zur Verfügung, darunter auch 17 der beliebten zweifarbigen Ringelsocken. Jeweils ab September gehe es los, «da bestellen hauptsächlich Leute aus Basel und Umgebung, die sind sehr gut organisiert und gehören jeweils zu den ersten Bestellern», erzählt Kaufmann.
Auch jetzt, wenige Tage vor der Fasnacht, kommen noch einzelne Bestellungen herein. Kaufmann geht vor dem Zubettgehen nochmals an den Computer respektive ins Lager und packt das Gewünschte ein, damit auch die «Nachzügler» noch zu ihren Socken kommen. «Einmal kam jemand nach telefonischer Absprache sogar sonntags früh um 2 Uhr zu mir, weil er unbedingt noch Socken brauchte für den Umzug in Liestal.»
«Das wäre genial gewesen»
Mittlerweile erreichen Roman Kaufmann, der mit seiner Familie seit sieben Jahren in Diegten zu Hause ist, auch ab und zu Bestellungen oder Anfragen für Sonderwünsche unter dem Jahr, beispielsweise von Opernhäusern, Theatergruppen oder auch Vereinen. Meistens erfährt Kaufmann nicht, bei welchen Aufführungen oder Anlässen die Socken zum Einsatz kommen.
Ein Spezialauftrag, der schlussendlich aus zeitlichen Gründen nicht zustande kam, war einer für Socken in den Vereinsfarben für das Jubiläum eines grossen Fussballclubs. «Das wäre genial gewesen», sagt er. Dass es nicht mehr gereicht hat, fuchst ihn heute noch. Aber die Vorlaufzeit beim Hersteller beträgt mindestens drei Monate.
Pro Saison erhält Kaufmann etwa 250 Bestellungen, Tendenz zunehmend. Immer mehr Bestellungen kommen auch von Narrenzünften ennet dem Rhein. Auch dort gibt es offenbar keinen vergleichbaren Shop. Schon bald ist die diesjährige «fünfte Jahreszeit» wieder vorbei, doch nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht. Dann macht Roman Kaufmann Inventur im Sockenlager und überlegt sich schon, welche Designs und Farben er für die nächste Fasnacht bestellen wird.

