Im «Stöpli» ist der Zapfhahn wieder in Betrieb
Am Vorabend des Banntags haben die Bürgergemeinde als Eigentümerin und das Wirtepaar Esther Jeker und Lukas Lehmann das Restaurant Schwyzerhüsli, besser bekannt als «Stöpli», nach umfassender ...
Im «Stöpli» ist der Zapfhahn wieder in Betrieb
Am Vorabend des Banntags haben die Bürgergemeinde als Eigentümerin und das Wirtepaar Esther Jeker und Lukas Lehmann das Restaurant Schwyzerhüsli, besser bekannt als «Stöpli», nach umfassender Sanierung wiedereröffnet.
Hanspeter Gsell
Am 19. Dezember 2022 wurde der Kanonenofen im Restaurant Schwyzerhüsli ein letztes Mal eingeheizt. Dann wurde es kalt. Nicht nur den Wänden, auch einigen Menschen wurde es kalt. Kalt ums Herz. Und bevor jetzt einer aufschreit: Das «Schwyzerhüsli» hiess natürlich nur auf dem Papier so. Man nannte die Beiz immer «Stöpli». Benannt wurde sie nach der ersten Stoppstrasse bei der Post.
Beim Umbau der Liegenschaft wurde darauf geachtet, dass nur Schweizer Holz verwendet wurde. Auch verpflichtete Niggi Bärtschi, der Beauftragte der Bürgergemeinde, beim Umbau ausschliesslich Handwerker aus dem Oberbaselbiet. So wurde auch die hölzerne Schallschutzdecke von einheimischen Firmen montiert. Eine fantastische Lichtgestaltung sowie eine perfekte Farbwahl verhalfen dem «Stöpli», die frühere Stimmung wieder aufleben zu lassen.
Zwischen den Toilettentüren ist ein Sicherungskasten angebracht. Rote Lampen flackern, die uralten Sicherungen scheinen keine Funktion zu haben. Ich habe mich getäuscht: Ein Sicherungskasten hing nie an dieser Stelle. Es handelt sich um eine Attrappe, um ein dekoratives Element. Die elektrische Schaltzentrale wurde während des Umbaus in den Keller verbannt.
Alle haben sich an diesem 3. Mai im «Stöpli» versammelt. Es handelt sich offiziell um die Vor-Eröffnung, um das Richtfest. Handwerker, Bürgerräte, Ständerätin, Gemeinderäte tummeln sich. Aber nicht alle wollen genannt werden. Vorbesitzer und frühere Wirte haben sowohl Namensnennung als auch Fotos untersagt. Sie haben durchaus edle Motive: Die neuen Besitzer, die Bürgergemeinde Sissach, und die neuen Wirte, Lukas Lehmann und Esther Jeker, sollen jetzt im Mittelpunkt stehen. Das neue Wirtepaar hatte zuvor auf dem Berggasthof Hintere Wasserfallen gewirtet.
Wir haben 16 Monate auf diesen Tag gewartet und gerätselt. Was wird nur aus dem «Stöpli» werden? Wird noch ein türkischer Barbershop einziehen? Immerhin gab es hier bereits einmal eine Coiffeurstube. Oder richtet sich allenfalls ein Zahnarzt in der Liegenschaft ein? Haben Coiffeure in früheren Zeiten doch Zähne gezogen, Patienten zur Ader gelassen und geschröpft.
Nein. Das «Stöpli» sieht wieder exakt so aus wie in den Zeiten, als der Kanonenofen letztmals ausging. Aber Lukas Lehmann und Esther Jeker werden den Ofen nicht mehr in Betrieb nehmen. Man hat ihn während des Umbaus brutal entsorgt und durch eine moderne Heizanlage mit Fernwärme-Anschluss ersetzt.
Noch fehlen die Bilder und Fotografien an den Wänden. Natürlich hingen früher nicht nur Kunstwerke an der Wand. Einige waren Kitsch, andere hatten blossen Erinnerungswert. Bei einigen wusste wohl niemand mehr, wer die Dinger an die Wand genagelt hatte.
Doch eines ist sicher: Das «Stöpli» wird sich wieder mit Menschen füllen. Und die Wände werden sich wieder mit Erinnerungen füllen.