Sonja Gerber erreicht absolutes Mehr, verpasst die Wahl jedoch
Bereits im ersten Wahlgang konnten die Nachfolgerinnen der beiden zurücktretenden Sissacher Gemeinderäte bestimmt werden: Sabine Bucher (GLP) und Tea Virolainen (Stechpalme). Das Nachsehen hat SVP-Kandidatin Sonja ...
Sonja Gerber erreicht absolutes Mehr, verpasst die Wahl jedoch
Bereits im ersten Wahlgang konnten die Nachfolgerinnen der beiden zurücktretenden Sissacher Gemeinderäte bestimmt werden: Sabine Bucher (GLP) und Tea Virolainen (Stechpalme). Das Nachsehen hat SVP-Kandidatin Sonja Gerber.
Christian Horisberger
Die Grünliberale Sabine Bucher (47) hat im Kampf um einen Sitz im Sissacher Gemeinderat von ihrer Bekanntheit aus dem Regierungswahlkampf im vergangenen Herbst profitieren können und in der Ersatzwahl vom Sonntag das klar beste Ergebnis erzielt. Die frühere Läufelfinger Gemeindepräsidentin erhielt 1652 Stimmen und übertraf damit das absolute Mehr von 1023 Stimmen deutlich. Platz zwei erreichte Tea Virolainen (55, Stechpalme), die bereits in der Sissacher Gemeindekommission sowie in der früheren Kunstkommission tätig gewesen ist. Ihr Name steht auf 1304 Wahlzetteln.
Mit 1061 Stimmen hat Sonja Gerber von der SVP, die auch von Pro-Sissach und der FDP-Sissach unterstützt wurde, das absolute Mehr ebenfalls übertroffen. Da aber nur zwei Sitze zu vergeben sind, geht die als Friedensrichterin tätige, pensionierte Personalfachfrau leer aus.
«Rot-grüne Wahldisziplin»
Sie sei vom Ausgang der Wahl enttäuscht, sagt Sonja Gerber auf Anfrage der «Volksstimme». Ihre Niederlage führt sie auf die rot-grüne Wahldisziplin zurück, während die bürgerlichen Wählerinnen und Wähler nicht stark genug hätten mobilisiert werden können. «Wenn man die Stimmen von Tea Virolainen und meine zusammenzählt, kommt man ziemlich genau auf das Total der eingelegten Wahlzettel», analysiert sie. «Hätten sich rot-grüne und bürgerliche Wählerinnen und Wähler jeweils nur auf ihre eigene Kandidatin fokussiert und nur einen Namen auf den Zettel geschrieben, dann wäre Sabine Bucher wohl nicht gewählt worden.» Die GLP-Frau habe aber auf beiden Seiten viele Stimmen geholt – auf ihre Kosten, so Gerber. Die 66-Jährige wird das politische Geschehen in Sissach weiterhin kritisch begleiten: «Insbesondere die finanziellen Herausforderungen und der sorgfältige Umgang mit den Steuergeldern liegen mir sehr am Herzen.»
Seit Fredi Binggeli 2020 abgewählt wurde, ist es der SVP nicht gelungen, den Sitz zurückzuerobern. Die Nicht-Wahl Gerbers zeigt erneut: Sissach ist für die SVP ein hartes Pflaster. Mit Sonja Gerber sei eine Kandidatin verschmäht worden, die das Rüstzeug für das Amt hätte, sagt dazu Kantonalpräsident Peter Riebli, «aber das reicht in Sissach offenbar nicht». Als einen möglichen Grund für die Mühe seiner Partei im Bezirkshauptort nennt er Zuzüger, «die nicht unbedingt SVP-Gedankengut mitbringen». Es sei nun Aufgabe seiner Partei, neue Mitglieder, insbesondere jüngere Menschen, zu rekrutieren, die mittelfristig eine Veränderung zugunsten der Werte der SVP bewirken könnten.
Die beiden Gewählten werden Stephan Marti (Pro-Sissach) und Robert Bösiger (Stechpalme) ersetzen, die Ende Juni zurücktreten. Damit wird in Sissach erstmals in der Geschichte von einem Gemeinderat mit einer Frauenmehrheit regiert.