Temporäres Fahrverbot für Rasenmähroboter?
27.05.2026 Bezirk Sissach, Natur, BaselbietLandrätin fordert zugunsten von Igeln Ruhezeiten für die Geräte
Es ist Gartenzeit: Mähroboter erleichtern dabei die Arbeit – für Igel können sie jedoch tödlich sein. Häufig geraten die Tiere unter die Messer der Geräte. Nun fordert Landrätin Flavia Müller (Grüne), dass ...
Landrätin fordert zugunsten von Igeln Ruhezeiten für die Geräte
Es ist Gartenzeit: Mähroboter erleichtern dabei die Arbeit – für Igel können sie jedoch tödlich sein. Häufig geraten die Tiere unter die Messer der Geräte. Nun fordert Landrätin Flavia Müller (Grüne), dass Mähroboter abends und nachts nicht mehr eingesetzt werden dürfen.
Janis Erne und Brigitt Buser
Mähroboter sind global gesehen längst ein Milliardenmarkt, auch in der Schweiz setzen Händler damit jedes Jahr viel Geld um. Der Grund ist naheliegend: Die selbstfahrenden Roboter ersetzen die anstrengende Pflege des Gartens mit einem herkömmlichen Rasenmäher. Für den Mensch bringen die Geräte Komfort – für Igel können sie jedoch äusserst gefährlich werden. Vor allem in der Dämmerung und der Dunkelheit geraten die nachtaktiven Tiere unter die Messer der Mähroboter und werden schwer verletzt oder getötet.
Nicht nur Tierarztpraxen sind mit diesem Problem konfrontiert, sondern auch die Igelstationen in Tenniken und Ormalingen. Nadja Gysin, die den Standort Ormalingen betreut, bestätigt die Gefahr für Igel. Diese gehe jedoch nicht nur von Mährobotern aus, sondern auch von Fadenmähern, die von Menschen bedient werden. Gysin sagt: «Leider sind sehr viele Igel richtiggehend zerschnitten.» Mähroboter und Fadenmäher seien ein «Riesenproblem». Nach Beobachtung von Gysin weisen im Sommer etwa sieben von zehn betreuten Tieren derartige Verletzungen auf.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Tenniken: «Allein in der vergangenen Woche wurden elf Igel mit teils schweren Verletzungen durch Mäharbeiten abgegeben», sagt Stationsleiterin Sandra Strub. Acht der Tiere seien in der Station gestorben oder hätten vom Tierarzt eingeschläfert werden müssen. Drei Igel hätten dank tierärztlicher Versorgung überlebt.
Strub betont, dass sich viele dieser Fälle verhindern liessen. Vor Arbeiten mit Tellersensen oder Fadenmähern sollten Wiesenränder und Böschungen nach Igeln abgesucht werden. Mähroboter sollten beaufsichtigt werden, da Igel wegen ihrer Jungen derzeit auch tagsüber auf Futtersuche seien. Wird ein Muttertier verletzt oder getötet, sterbe oft auch der Nachwuchs im Nest.
Noch keine perfekte Lösung
Auch das Igelzentrum in Zürich weist in einem Bericht darauf hin, dass Gartengeräte wie Fadenmäher eine grosse Gefahr für Igel darstellen. Diese Geräte würden häufig in hohem Gras oder unter Büschen eingesetzt – genau dort, wo sich Igel tagsüber verstecken könnten und kaum sichtbar sind.
Bei den Mähroboter-Modellen seien vor allem Modelle mit feststehenden Messern problematisch. Treffen sie auf Igel, hätten die Tiere kaum eine Chance. Etwas weniger schlimm sieht es bei Modellen mit klappbaren Messern aus. Diese Roboter klappen die Messer ein, wenn sie auf härtere Gegenstände als Gras treffen. Laut einer dänischen Studie erkannte allerdings keines der getesteten Geräte Igel vollständig ohne Berührung
– auch Modelle mit Kamera- oder Ultraschallsensoren nicht. Gleichzeitig würden Hersteller weiterhin an besseren Schutzmechanismen arbeiten, so die Studie.
Die Grossverteilerin Landi, die unter anderem in Gelterkinden und Bubendorf Verkaufsstellen hat, sensibilisiert die Kundschaft. Auf Plakaten bittet sie Käufer von Mährobotern, die Geräte nur am Tag und unter Aufsicht laufen zu lassen – zum Schutz von Tieren wie Igeln, Fröschen oder Eidechsen.
Tier des Jahres
Die Grünen-Landrätin Flavia Müller begrüsst solche Kampagnen. Gleichwohl fordert die Allschwilerin, die sich auch schon für den Erhalt der Igelstationen im Oberbaselbiet eingesetzt hat, einen besseren Schutz der Tiere. Sie hat an der vorletzten Landratssitzung einen Vorstoss eingereicht, der verlangt, dass Mähroboter abends und nachts nicht mehr betrieben werden dürfen. Die Ruhezeit für Igel solle zum Beispiel zwischen 19 und 7 Uhr gelten, so Müller. Zudem solle die Regelung «neben den üblichen Kanälen auch an den Verkaufsstellen solcher Geräte kommuniziert werden».
Der Igel ist das Tier des Jahres 2026 und laut Müller wegen seines natürlichen Abwehrverhaltens besonders gefährdet. Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich zu einer Kugel zusammen. «Das hilft gegen tierische Feinde, aber nicht gegen die Messer des Mähroboters», so Müller in ihrem Vorstoss.
Die Politikerin argumentiert nicht nur mit dem Tierschutz, sondern auch mit der ökologischen Bedeutung des Igels als Insektenfresser. Diese Funktion sei in Gefahr, weil der Lebensraum des Igels stark bedroht und die Population in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent zurückgegangen sei. Der Igel steht auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.
Ob Müllers Vorstoss im Landrat Erfolg haben wird? Ein Knackpunkt könnte die Frage sein, wie eine solche Ruhezeit kontrolliert und durchgesetzt werden soll. Einschränkend ist zudem zu sagen, dass die bürgerliche und Hauseigentümer-freundliche Seite Verboten meistens skeptisch gegenübersteht. Um ihrem Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen, muss Flavia Müller also die politische Mitte überzeugen.
Igelstationen stark gefordert
bbu. Im vergangenen Jahr versorgte der Verein «Igelnest Oberbaselbiet» mehr als 300 verletzte Igel. 2026 gibt es ebenfalls viel zu tun: Seit Jahresbeginn wurden allein am Standort Tenniken mehr als 70 Tiere aufgenommen; zusammen mit Ormalingen sind es bereits mehr als 100. Die Pflegenden des «Igelnests» sind das ganze Jahr über gefordert. Derzeit engagieren sich mehr als 15 freiwillige Helferinnen und Helfer in Teilzeit täglich rund sieben Stunden für die stacheligen Patienten. Damit die Igel auch künftig medizinisch versorgt werden können, ist das Igelnest auf Spenden jeglicher Art angewiesen. «Noch wichtiger wäre jedoch, unserer Natur mehr Sorge zu tragen», sagt Sandra Strub, Stationsleiterin in Tenniken, «damit liesse sich viel Tierleid verhindern.»



