Sicherheit und Verwurzelung
03.02.2026 Bezirk Sissach, Gesellschaft, Kultur, SissachUeli Mäder sprach mit Robert Bösiger und Guido Fluri über ihr Verständnis von Heimat
Wie unterschiedlich die Empfindungen und die Interpretation von Heimat sind, zeigte das erste Gespräch von Ueli Mäder zu diesem Thema. Heimat ist dort, wo man verwurzelt ...
Ueli Mäder sprach mit Robert Bösiger und Guido Fluri über ihr Verständnis von Heimat
Wie unterschiedlich die Empfindungen und die Interpretation von Heimat sind, zeigte das erste Gespräch von Ueli Mäder zu diesem Thema. Heimat ist dort, wo man verwurzelt ist, sagte ein Gast; Heimat sei dort, wo man sich sicher fühlt, der andere.
Jane Bures
«Heimat» ist das Leitmotiv der ersten Gespräche von Ueli Mäder im Sissacher «Cheesmeyer» in diesem Jahr. Zum Auftakt der Reihe unterhielt sich der emeritierte Soziologieprofessor mit zwei Männern, die ein sehr unterschiedliches Verständnis von Heimat mitbrachten: Der Sissacher Gemeinderat Robert Bösiger, einstehend für Tradition und bürgerliches Miteinander, traf auf den Unternehmer Guido Fluri, der auf eine Kindheit an fremden Orten, ausserhalb seiner Herzheimat zurückblickt.
Bösiger ist in Sissach wohlbehütet in einer Familie mit Haus, Garten und einer integren Umwelt aufgewachsen. Fluri ist von seiner unmündigen Mutter getrennt worden und wuchs unter anderem im Kinderheim Mümliswil (SO) und danach bei seiner Grossmutter auf.
Sprache als Heimat
Die Frage der Heimat stellte sich beim Talk erstmals, als zu entscheiden war, ob Schriftsprache oder Dialekt gesprochen werden soll. Einige argumentierten, dass unser Dialekt eine Facette der Heimat darstelle. Andere deuteten auf die Sprachbarriere hin, die durch Schriftsprache abgebaut werden könne, weil diese als erste gelehrt wird, um sich in einem Land zu integrieren. Robert Bösiger, ehemaliger Chefredaktor der «Volksstimme», hielt sich während des Abends an den Dialekt: «Für mii isch Häimet Mundart», sagte er. Fluri und Mäder bildeten mit Hochdeutsch den sprachlichen Kontrapunkt.
So, wie sich alles verändert, steht auch der Begriff der Heimat im turbulenten Wandel der Zeit. Was für den einen früher Heimat war, existiert heute nicht mehr oder ist anders. «Heimat ist für mich Sicherheit», sagte Guido Fluri, der sich seit seinem Karrierestart als Unternehmer europaweit für Schutz und Wohlergehen benachteiligter Personen einsetzt. Sicherheit sei die DNA der Schweiz, verankert in der direkten Demokratie. Dass diese Sicherheit anfällig ist, betonte der Multimillionär besonders. Mit seiner Stiftung hält er seit dem Jahr 2010 ein Netz für Menschen in Notlage bereit.
Robert Bösiger schlug bei seiner Definition von Heimat nostalgischere Töne an: Er nannte Brauchtum, Kultur oder Vereinsleben als die Aspekte, die sein Zuhause formten. In ihnen sieht er den Schlüssel zur Integration. Er betonte die Wichtigkeit, sich in Vereinen und der Gemeinde zu beteiligen. Wenn sich jemand zugehörig und heimisch fühlen wolle, bestehe auch eine Holschuld. Es brauche das aktive Engagement in Organisationen. Erst dann sei es auch möglich, mit Traditionen zu brechen oder diese zu erneuern.
Diesem Thema widmete sich Bösiger auch als Autor, zum Beispiel im Buch «Alles bleibt anders» über die Jodlerin Christine Lauterburg. Darin stellte er die Volksmusik als wesentlichen Bestandteil seiner Schweizer Heimat dar. Dazu passte ausgezeichnet die musikalische Untermalung der Gesprächsrunde: Die Sissacher Musikerin Deborah Regez spielte volkstümliche Arrangements auf Flöte und Violine.
Wenn Heimat verloren geht
«Wohin führt aber der Weg, wenn die Heimat verloren geht?», fragte Gastgeber Mäder. Ein Ort, an dem Schutz und Geborgenheit gewährleistet sind, sei keine Selbstverständlichkeit. Die Heimat aus politischen Gründen zu verlieren, sei ein Schicksal. Wem keine Werte vorgelebt würden, wem eine Identifikationsfigur fehle, blühe ein schwerer Weg.
Mäder forderte Fluri, den Initianten der Wiedergutmachungsinitiative für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, auf, den Weg zur Heimat für jede und jeden zu skizzieren. Dafür brauche es Wertschätzung und Zeit, sagte Fluri. Es brauche Dialoge, Anerkennung und ebenso Weitblick. Er betonte, wie wichtig Sozialkompetenz sei: Eine Fähigkeit, mit der man sich schützen könne und in der Welt heimisch bleibe. Für Schutz als Fundament der Heimat steht Guido Fluri zusammen mit Partnern aus Politik und Zivilgesellschaft schon im kommenden Frühling mit seiner «Internet-Initiative», einer Volksinitiative gegen Desinformation und Extremismus im Internet, ein.
Der nächste «Cheesmeyer»-Talk widmet sich dem Thema Heimat und weibliche Solidarität und findet am 26. Februar statt.

