Verein «abri» erwirbt Ochsengasse 7
Die Liegenschaft sei nicht in bestem Zustand. Man habe sie auch nicht als Renditeobjekt gekauft: Das sagt die Geschäftsführung des Vereins «abri», der im Haus Klientel unterbringt. Der Kauf biete allen Mietparteien ...
Verein «abri» erwirbt Ochsengasse 7
Die Liegenschaft sei nicht in bestem Zustand. Man habe sie auch nicht als Renditeobjekt gekauft: Das sagt die Geschäftsführung des Vereins «abri», der im Haus Klientel unterbringt. Der Kauf biete allen Mietparteien langfristige Sicherheit.
Peter Sennhauser
Die Vorbesitzerin der Liegenschaft an der Ochsengasse 7 in Gelterkinden sei seit jeher sozial eingestellt gewesen, erzählen Nadine Bucher und Deborah Maissen, die Co-Geschäftsleiterinnen des Vereins «abri». Sie habe stets dafür gesorgt, dass in dem Haus kostengünstige Wohnungen für Menschen mit Bedarf verfügbar waren.
Dazu hatte auch das gegenüberliegende Wohnheim «Erzenberg» gehört, das der Verein «abri» vor gut zehn Jahren nach langem Ringen im ehemaligen «Ochsen» hatte einrichten können. Der Verein als niederschwellige Einrichtung bietet Suchtkranken Hilfe zur Selbsthilfe, Zugang zu medizinischer Versorgung, eine Tagesstruktur und letztlich die Chance, aus den widrigsten Umständen der Sucht herauszufinden. Bewohnerinnen und Bewohner, die sich im «Erzenberg» bereits so weit stabilisiert haben, dass sie selbstständig leben können, werden deswegen auch in externen Wohnungen platziert und ambulant betreut.
«Es ändert sich nichts»
Wie schon die Geschichte des Heims selber zeigt, ist es nicht ganz einfach, für diese Menschen Wohnraum zu mieten. Daher sind Nadine Bucher und Deborah Maissen überaus froh, dass sie – wie vor mehr als zehn Jahren letztlich auch den «Ochsen» – die Liegenschaft unmittelbar gegenüber erwerben konnten.
«Wir besitzen nun das Haus, statt Mietpartei zu sein – ansonsten ändert sich nichts», versichert Nadine Bucher. Insbesondere bleibe so auch den übrigen Mietern in der Liegenschaft die Sicherheit, dass nicht irgendeine Spekulationsfirma allen kündige, um einen Luxus-Wohnblock hinzustellen.
Um das zu verhindern, habe die Vorbesitzerin sogar den Schritt auf «abri» zu getan und dem Verein die Liegenschaft aktiv angeboten. Zu welchem Preis, wollen die beiden Geschäftsleiterinnen nicht verraten.
Die unmittelbare Nähe zum Wohnheim sei ein grosser Vorteil, sagt Maissen, die das ambulante Wohnen leitet. «Wir sind schnell da und können den Menschen rasch helfen, wenn es nötig ist – ausserdem sind wir natürlich oft im Haus.» Mit den Nachbarinnen und Nachbarn habe man ein gutes Verhältnis, und auch sie seien über den Verkauf der Liegenschaft an den Verein nicht unglücklich: «Einige wollten schon wissen, was sich ändere, und waren erleichtert, als wir sagten: nichts.»
Rückstellungen für Renovation
Die extern betreute Klientel in der Ochsengasse 7 ist laut Maissen auch nicht die einzige. Der Verein betreut im ganzen Kanton ungefähr gleich viele eigenständig oder in Gruppen lebende Personen wie im «Erzenberg» im ehemaligen Hotel «Ochsen» in Gelterkinden. Der gemeinnützige Verein steht unter Aufsicht des Suchtbeauftragten des Kantons Baselland, bezieht aber keine staatlichen Mittel, sondern wird von den Kostenträgern der Klienten und Klientinnen finanziert und darf keinen Gewinn erwirtschaften.
Die Mieteinnahmen aus der neu erworbenen Liegenschaft werden auch daran nichts ändern, erklärt Bucher: Das Haus habe zwar einmal eine neue Heizung erhalten und vielleicht sei in den sehr einfachen Wohnungen da und dort eine Küche renoviert worden. Aber die gesamte Elektrik und vor allem das Dach würden wohl über kurz oder lang grössere Investitionen nötig machen. Die Mieteinnahmen dürften deswegen praktisch komplett in Rückstellungen fliessen.