Rudolf Gelpke und der Weg Basels zur Hafenstadt
08.01.2026 Baselbiet, PorträtPolitiker, Visionär und Pionier der Schweizer Rheinschifffahrt
Rudolf Arnold Gelpke (1873– 1940) erkannte früh, dass Basel zwar am Rhein liegt, sein Potenzial als Wasserweg aber kaum nutzt. Dank ihm wurde die Stadt an die grossen Handelsrouten Europas angeschlossen.
...Politiker, Visionär und Pionier der Schweizer Rheinschifffahrt
Rudolf Arnold Gelpke (1873– 1940) erkannte früh, dass Basel zwar am Rhein liegt, sein Potenzial als Wasserweg aber kaum nutzt. Dank ihm wurde die Stadt an die grossen Handelsrouten Europas angeschlossen.
Hanspeter Gautschin
Gelpke wuchs im industriell geprägten Waldenburgertal auf, in einer Region voller Tüftler, Mechaniker und Unternehmer. Später übernahm er die Villa des Uhrenpioniers Gedeon Thommen in Waldenburg – ein Ort, der den Geist des Aufbruchs in sich trug. Vielleicht verstärkte diese Umgebung seine Überzeugung, dass Grenzen überwindbar sind. Seine Energie richtete er jedoch nicht auf Präzisionsmechanik, sondern auf den Rhein – und damit auf die Frage, wie Basel den Anschluss an die grossen Wasserwege Europas finden kann.
Lange Zeit galt der Oberrhein als unberechenbar. Zu flach, zu wild, zu gefährlich, um Basel zuverlässig zu erreichen. Viele winkten ab. Ein Hafen? Unmöglich. Doch Gelpke akzeptierte die Grenzen der Vorstellungskraft nicht.
Gegen Strömung und Skepsis
Am 2. Juni 1904 liess er Taten sprechen. Gemeinsam mit dem Schleppdampfer Knipscheer IX und dem Schleppkahn Christina setzte er zu einer Fahrt an, die niemand für realistisch hielt: von Strassburg nach Basel, gegen Strömung und Skepsis. Als der Kahn sicher im Basler Hafenbecken einlief, war etwas Entscheidendes passiert. Der Rhein war schiffbar – bis nach Basel. Der Versuch war ein Wendepunkt.
Gelpke dachte weiter. Ein erfolgreicher Schleppzug war nur der Anfang. Infrastruktur musste geschaffen werden, Logistik, Anbindung, politische Unterstützung. In den folgenden Jahren entstanden zentrale Hafenanlagen:
– der Hafen St. Johann (1906–1911) als erster moderner Umschlagplatz,
– der Hafen Kleinhüningen (1919– 1922) der Basel endgültig in die internationale Güterwirtschaft einband.
1924 gründete Gelpke zusätzlich die Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft. Nun nutzten nicht nur Waren, sondern auch Menschen den Rhein als Verkehrsweg.
Weiter Horizont
Gelpke wusste, dass ehrgeizige Projekte politische Rückendeckung brauchen. Ab 1908 sass er im Grossen Rat, von 1917 bis 1935 im Nationalrat. Dort kämpfte er beharrlich für die Bedeutung der Wasserwege und die Modernisierung der Schifffahrtsinfrastruktur. Er organisierte Verbände, schrieb Fachpublikationen und knüpfte Netzwerke – immer mit dem Ziel, die Schweiz in das internationale Transportwesen einzubinden. Dass das Binnenland später tatsächlich eine eigene Handelsflotte besass, wirkt heute fast surreal. Doch es war die logische Folge seiner strategischen Arbeit.
Gelpke war kein romantischer Träumer. Er war ein Praktiker mit weitem Horizont. Er konnte visionär denken und gleichzeitig nüchtern kalkulieren. Wo viele Hindernisse sahen, erkannte er Aufgaben. Sein Stil war unaufgeregt, seine Beharrlichkeit beeindruckend. Die Rheinschifffahrt war für ihn kein Prestigeprojekt, sondern ein wirtschaftlicher Schlüssel für die Zukunft der Schweiz.
Als Rudolf Arnold Gelpke 1940 starb, war sein Werk längst Teil der Landschaft. Der Basler Rheinhafen, der heute zu den wichtigsten Binnenhäfen Europas gehört, ist ein lebendiges Denkmal seines Wirkens. Jede Ladung, die dort umgeschlagen wird, führt sein Erbe weiter.
Er machte Basel zur Hafenstadt. Und er zeigte, dass selbst ein Binnenland Anschluss an die Weltmeere finden kann, wenn einer entschlossen genug ist, den ersten Schritt zu wagen.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, sportliche, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

