«Queer-Feindlichkeit» aus den eigenen Reihen
16.01.2026 BaselbietEVP-Präsident Martin Geiser zum Rücktritt von Lea Blattner
Nach ihrem Coming-out wurde sie aus den eigenen Reihen angefeindet und bedroht: Die 33-jährige Lea Blattner tritt von ihren Parteiämtern in der EVP zurück. Die Baselbieter Parteileitung zeigt sich ...
EVP-Präsident Martin Geiser zum Rücktritt von Lea Blattner
Nach ihrem Coming-out wurde sie aus den eigenen Reihen angefeindet und bedroht: Die 33-jährige Lea Blattner tritt von ihren Parteiämtern in der EVP zurück. Die Baselbieter Parteileitung zeigt sich betroffen und verspricht Aufarbeitung.
Melanie Frei
Die 33-jährige Lea Blattner aus Allschwil tritt von allen ihren Parteiämtern in der EVP zurück. Die Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz gibt ihre Funktion im Parteivorstand der EVP Schweiz sowie im Kantonalvorstand der EVP Baselland auf. Der Grund: Nach ihrem Coming-out als lesbisch im April 2025 wurde sie aus den eigenen Reihen angefeindet bis hin zu Morddrohungen, wie diese Woche durch eine Medienmitteilung der Juso Baselland bekannt wurde (siehe «Volksstimme» vom Dienstag).
Bereits im Oktober 2025 hatte Blattner der Parteileitung ihren Rücktritt angekündigt. Das Ausmass und die Heftigkeit der Anfeindungen seien der Parteileitung damals jedoch nicht bekannt gewesen, schreibt die EVP Schweiz in einer Stellungnahme. Erst seit Kurzem habe man von einem anonymen Drohbrief Kenntnis, in dem unter Gewaltandrohung ihr Austritt aus der Partei gefordert wurde. Der Verfasser oder die Verfasserin behauptet, EVP-Mitglied zu sein.
Auch aus dem Vorstand der EVP Baselland wird Blattner an der Generalversammlung im Juni zurücktreten. Für Parteipräsident Martin Geiser (Gelterkinden) kam das Ausmass der Anfeindungen überraschend: «Persönlich vom Ausmass der Anfeindungen, vom Drohbrief, habe ich vergangenen Sonntag erfahren. Das hat mich sehr betroffen gemacht», sagt er. Dass Blattners Coming-out negative Reaktionen hervorgerufen hatte, habe er schon vorher gewusst, «da wir immer wieder in Kontakt stehen». Über ihren geplanten Rücktritt aus dem Kantonalvorstand habe sie ihn im vergangenen November orientiert. Bis zur nächsten Generalversammlung im Juni bleibe sie noch im Amt.
Täterschaft blüht Parteiausschluss
Nach Bekanntwerden der Situation habe er «inklusive der Baselbieter Parteileitung» mit Blattner das Gespräch gesucht, über die Situation gesprochen und nachgefragt, «wo wir sie unterstützen können», so Geiser. Die Drohungen verurteile man «aufs Schärfste». Falls sich zeigen sollte, dass diese aus den eigenen Reihen kämen, werde man ein Ausschlussverfahren beantragen.
Die Juso Baselland und die Juso Schweiz reagieren mit scharfer Kritik auf den Fall. In ihrer Medienmitteilung sprechen sie von einem «Skandal in der EVP» und werfen der Partei vor, Queer-Feindlichkeit in den eigenen Strukturen zu dulden und damit «Nährboden für Gewalt und Radikalisierung» zu bieten. Die Juso fordert die EVP auf, die Vorfälle «lückenlos aufzuarbeiten» und eine «Null-Toleranz-Policy gegen Queer-Feindlichkeit» zu führen.
Geiser weist die Vorwürfe zurück: «Bezüglich Null-Toleranz kann ich klar mit ‹Ja› antworten. Wir haben eine Null-Toleranz gegenüber jeder Art von Hass, persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen», sagt er. Zwar hatte die EVP zum Beispiel vor einigen Jahren offiziell die Nein-Parole zur «Ehe für alle» gefasst, einen Zusammenhang zwischen der politischen Haltung der Partei und dem Klima, das zu den Anfeindungen geführt habe, sieht er nicht.
Konkrete Schritte, um sicherzustellen, dass sich künftig alle LGBTIQ-Mitglieder in der EVP sicher fühlen, will die Partei nun gemeinsam mit Blattner erarbeiten: «Wir werden das mit Lea Blattner zusammen aufarbeiten mit dem Ziel, sicherzustellen, dass sich alle Mitglieder in der EVP respektiert und sicher fühlen können.» Die EVP Schweiz schreibt in ihrer Medienmitteilung, sie werde in Absprache mit Lea Blattner Nachrichten überprüfen, welche sie in ihrer Person angreifen. Bei allfälliger Parteimitgliedschaft der Absendenden würden «notwendige Schritte» eingeleitet, um sicherzustellen, dass der Umgang in der EVP «weiterhin von Respekt und Nächstenliebe geprägt ist».

