«Pratteln ist zu weit weg»
21.02.2025 Baselbiet, Baselbiet, Gesundheit, GesellschaftNördlich des Prattler Bahnhofs oder in Salina Raurica könnte der neue Standort des KSBL liegen. Experte Andreas Faller warnt, dass man damit auf das Unterbaselbieter Patientengut verzichten würde: Ein solcher Alleingang sei nicht sinnvoll.
Peter ...
Nördlich des Prattler Bahnhofs oder in Salina Raurica könnte der neue Standort des KSBL liegen. Experte Andreas Faller warnt, dass man damit auf das Unterbaselbieter Patientengut verzichten würde: Ein solcher Alleingang sei nicht sinnvoll.
Peter Sennhauser
«Wo es halt unterhalb der Hülftenschanz Platz hat», sagte Thomi Jourdan mit einem Lächeln an der Präsentation seiner Gesundheitsstrategie im November auf die Frage, wo denn ein Spital-Neubau «Auf der grünen Wiese» infrage käme. Eigentlich war da schon allen längstens klar, dass es nur Pratteln sein kann.
Jetzt hat die Regierung konkretisiert, wo in Pratteln: Bis Ende Jahr will sie die Flächen direkt nördlich des Bahnhofs (Bredella Ost) oder im Nordosten zwischen Autobahnraststätte und S-Bahnstation Salina Raurica unter die Lupe nehmen. Der Kauf des Landes respektive der Abtausch mit der Gemeinde Pratteln im Falle von Salina Raurica ist provisorisch zugesichert. Der Landrat soll 2026 über die «grüne Wiese» oder eben das Konzept «Fokus plus Ambulant» entscheiden können: Entweder ein zentraler Neubau oder die alten Standorte plus vernetzte ambulante Angebote.
Als Alleingang aber, sagt der Experte Andreas Faller aus Bottmingen, ergibt das Vorgehen wenig Sinn. Denn der Standort Pratteln würde für das Kantonsspital Baselland (KSBL) bedeuten, dass sämtliche Patienten aus dem Leimental und dem Speckgürtel westlich von Muttenz ans Unispital (USB) in die Stadt gingen. «Pratteln ist rein geografisch für diese Leute keine Option. Ich brauche am Morgen bis zu einer halbe Stunde von Bottmingen nach Muttenz. Kein Patient und kein Krankenwagenfahrer fährt von Allschwil, Oberwil oder Binningen nach Pratteln, wenn er in einem Drittel der Zeit im Unispital in der Stadt ist.»
Das heisse nicht, beeilt sich der Strategie-Berater zu betonen, dass Jourdans Idee insgesamt falsch sei. Es könne aber nicht darum gehen, mehr Patienten ins KSBL zu bekommen. «Wenn Pratteln die Standorte Bruderholz und Liestal ersetzen soll, dann muss man gleichzeitig die Versorgung des Unterbaselbiets gemeinsam mit dem Unispital Basel sicherstellen.» Das hiesse, Pratteln kleiner zu halten als die aktuellen Standorte und auf Patienten zu verzichten.
Unterdeckung durch Impairment
Diese Aussicht mache das Projekt «Neubau auf der grünen Wiese» noch viel mehr zum finanziellen Abenteuer, als es ohnehin schon sei. Zumal etwa die Orthopädie derzeit auf dem Bruderholz gut ausgelastet sei und man diese Fallzahlen erst mal nach Pratteln bekommen müsste. «Aber es geht noch nicht einmal darum, dass die Auslastung des neuen Hauses in den Sternen stünde: Es ergäbe sich die Gefahr eines Bilanz-Impairments, also eine Kapitallücke, falls das KSBL zu hoch geschätzte Immobilien Liestal und Bruderholz abschreiben müsste, noch bevor der Neubau in der Bilanz bewertet werden könnte.» Diese Situation habe sich etwa beim Kantonsspital in Aarau ergeben, wo der Kanton 300 Millionen Franken habe einschiessen müssen.
Grundsätzlich beneidet Faller, der vor der Fusionsabstimmung selber vier Jahre im Verwaltungsrat des KSBL sass, Thomi Jourdan nicht um dessen Aufgabe. Es sei richtig, dass er sich nicht einfach in den Seitenwagen des Stadtkantons setzen lasse. «Er kann ja nichts dafür, dass in den vergangenen Jahren nichts passiert ist und man irgendwie vermeiden wollte, das baufällige Bruderholz zu sanieren.» Jetzt aber noch Patientenströme irgendwohin biegen zu wollen, sei nicht zeitgemäss. «Wir müssen mit dem Kantönligeist aufhören und in Gesundheitsregionen denken. Inzwischen gibt es in Bern Vorstösse, welche die Spitalplanung zur Bundessache machen wollen, solange die Kantone nicht bereit sind, zusammenzuarbeiten.»
Basel braucht das Einzugsgebiet
Bei der Baselbieter Gesundheitspolitik gehe es jetzt um den grossen Wurf. Den könne das Baselbieter Gesundheitsdepartement nicht allein lancieren. Bleibt die Frage, welchen Hebel man denn noch hätte, um Basel-Stadt zu einer Kooperation zu bringen, nachdem die Städter eine Fusion vor Jahren abgelehnt haben.
«Lukas Engelberger kann sich nicht einfach zurücklehnen: Die Stadt braucht auch ein gewisses Einzugsgebiet, um die Existenz des USB und vor allem auch des UKBB zu rechtfertigen. Wir haben damals unter Carlo Conti noch eine gewisse Zusammenarbeit mit dem badischen Raum hingekriegt», so Faller, langjähriger Mitarbeiter des früheren Stadtbasler Gesundheitsdirektors. Mit der französischen Seite sei aber gar nichts gelungen; Basel habe im Dreiland nicht die typischen 360 Grad Einzugsgebiet, sondern vielleicht 200 Grad. «Würde etwa das Baselbiet eine Zusammenarbeit mit dem Aargau und in der Spitzenmedizin mit Zürich oder Bern vereinbaren, dann würde man das in Basel spüren», so Faller.

