Pharmabetriebe öffnen ihre Türen
22.09.2026 Bezirk Liestal, Wirtschaft, Baselbiet, BubendorfAn der Industrienacht konnten Besuchende hinter die Kulissen blicken
Wie entstehen Wirkstoffe für Medikamente? An der Industrienacht öffneten die Bubendörfer Pharmabetriebe ihre Türen. Besuchende erhielten Einblicke in Labore und Produktion, lernten Berufe kennen und erfuhren mehr ...
An der Industrienacht konnten Besuchende hinter die Kulissen blicken
Wie entstehen Wirkstoffe für Medikamente? An der Industrienacht öffneten die Bubendörfer Pharmabetriebe ihre Türen. Besuchende erhielten Einblicke in Labore und Produktion, lernten Berufe kennen und erfuhren mehr über Krebsforschung.
Noel Bühlmann
Rund 7500 Menschen besuchten vergangenen Freitag die zweite Industrienacht Regio Liestal – deutlich mehr als bei der ersten Ausgabe im Jahr 2024 mit rund 4000 Besucherinnen und Besuchern. 29 Unternehmen boten insgesamt 100 Programmpunkte an und verzeichneten zusammen knapp 14 000 Eintritte. Zu den Publikumsmagneten gehörten gemäss den Veranstaltern die Führungen bei Bachem und Carbogen Amcis in Bubendorf.
Zwischen imposanten Kesseln, hochpräzisen Laboren und strengen Schleusensystemen gewährten die Bubendörfer Pharmabetriebe an der Industrienacht faszinierende Einblicke in die moderne Wirkstoffherstellung. Für einen Abend öffneten sich die sonst verschlossenen Türen der Unternehmen. Auf Führungen und bei Vorträgen erhielten die Besuchenden Einblicke in die tägliche Arbeit der Chemiefirmen und konnten verschiedene Berufsfelder kennenlernen.
«Von der ersten Idee bis zum Markteintritt eines neuen Medikaments dauert es über zehn Jahre», erzählt ein Mitarbeiter des Bubendörfer Chemiebetriebs Carbogen Amcis. Staunend folgen die Besuchenden dem Wissenschaftler im weissen Laborkittel. «Nach der Produktion werden die Wirkstoffe ausgiebig getestet, bevor sie auf den Markt kommen», erklärt der Angestellte. Das Team führt den Gästen vor, wie eine Chromatografie funktioniert, und beantwortet die Fragen der Zuschauenden.
Auf einer weiteren Führung präsentiert Theo Küchenmeister, ein Mitarbeiter des Pharmabetriebs, den Gästen das Analytiklabor. Er zeigt den Kindern, wie ein Mikroskop funktioniert, und erklärt weitere wissenschaftliche Apparaturen. Carbogen Amcis ist eines von drei Chemieunternehmen in Bubendorf und beschäftigt am Standort rund 350 Mitarbeitende.
Wirkstoffe aus grossen Kesseln
Auch Bachem stellt, ähnlich wie Carbogen Amcis, Wirkstoffe für Medikamente her. Im internationalen Unternehmen arbeiten neben Angestellten aus der Schweiz auch Mitarbeitende aus Frankreich und Deutschland. In der Produktion wurde den Besuchenden gezeigt, wie aus einer Harzsubstanz ein pharmazeutischer Wirkstoff entstehen kann und welche Produktionsschritte dafür nötig sind. Gearbeitet wird rund um die Uhr, auch am Wochenende. Die Wirkstoffe werden anschliessend an andere Pharmaunternehmen geliefert und dort zu fertigen Medikamenten weiterverarbeitet.
Bachem beschäftigt in Bubendorf rund 2000 Mitarbeitende in verschiedenen Berufen. An der Industrienacht wurden zudem zahlreiche weitere Führungen angeboten. Auch die Kinder kamen im Experimentierlabor auf ihre Kosten. Die jungen Gäste konnten einfache Versuche durchführen und so spielerisch etwas über die Chemiebranche lernen.
Auf dem Campus des Unternehmens standen zudem mehrere Essensstände bereit, an denen sich die Besuchenden verpflegen konnten.
Ganz anders sieht die tägliche Arbeit bei CIS Biopharma aus. Das dritte Bubendörfer Unternehmen beschäftigt deutlich weniger Mitarbeitende und entwickelt moderne Wirkstoffe für die Krebstherapie. «Die Wirkstoffe können schon in geringen Mengen toxisch sein. Deshalb sind Hygiene und Sicherheit bei uns das Wichtigste», erklärt Michael Hackebeil, ein Mitarbeiter des Unternehmens.
Er erläutert, wie die Behandlung wirkt, und zeigt die Instrumente im Labor. «Wir können die Struktur und das Gewicht von einzelnen Teilchen ermitteln», erklärt Hackebeil und präsentiert die dafür benötigten Geräte. Der Mitarbeiter unterstreicht die Bedeutung der Forschung: «Es gibt viele verschiedene Krebsarten, und ständig entwickeln sie sich weiter. Deshalb ist unsere Forschung fortlaufend.»
Die drei Pharmabetriebe sind für Bubendorf und die Region von grosser Bedeutung. Allein Bachem und Carbogen Amcis beschäftigen am Standort zusammen rund 2350 Mitarbeitende; hinzu kommen die Arbeitsplätze von CIS Biopharma. Sie produzieren und forschen für Kunden aus der ganzen Welt. Die Industrienacht bot der Bevölkerung die seltene Gelegenheit, ihre Labore und Produktionsanlagen aus der Nähe kennenzulernen.
Neben den Pharmaunternehmen in Bubendorf konnten die Gäste auch Logistikbetriebe, Baufirmen und Autogaragen in der Region besichtigen. Damit zeigte die Industrienacht die Vielfalt der regionalen Wirtschaft und ermöglichte Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten.

