Mehrfamilienhaus ersetzt «Sutter-Bärti-Huus»
24.09.2026 ArboldswilEin Stück Dorfgeschichte ist abgerissen worden
«Sutter-Bärti-Huus», ein ortsbildprägendes Gebäude im Dorfkern von Arboldswil, ist abgerissen worden. Es wird durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt. Das Haus von 1910 hatte eine kantonale Schutzempfehlung.
...Ein Stück Dorfgeschichte ist abgerissen worden
«Sutter-Bärti-Huus», ein ortsbildprägendes Gebäude im Dorfkern von Arboldswil, ist abgerissen worden. Es wird durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt. Das Haus von 1910 hatte eine kantonale Schutzempfehlung.
Willi Wenger
Ein leeres Grundstück zeigt sich in Arboldswil derzeit an der Adresse Underdorf 20. Das bis vor Kurzem dort stehende, 1910 erbaute Posamenterhaus, den älteren Arboldswilerinnen und Arboldswilern noch als «Sutter-Bärti-Huus» bekannt, ist zurückgebaut worden. Ersetzt wird es durch ein Mehrfamilienhaus, das die Baubewilligung erlangt hat.
Berta Sutter-Rudin, «Sutter Bärti», hat dem vormaligen Haus ihren Namen gegeben, lebte sie doch nach dem frühen Tod ihres Gatten Emil (1871 – 1931) über 40 Jahre als Witwe zusammen mit ihrer Tochter Lisa (1912 – 2003) im Haus, das als Heimarbeitsstätte für die Seidenbandweberei diente und so «Bärti» ein unverzichtbares Einkommen sicherte. Sie war eine der letzten Posamenterinnen in Arboldswil und beherrschte auch das kleinbäuerliche Handwerk bis und mit der Schnapsbrennerei.
Gemeindepräsident Johannes Sutter, ein weit entfernter Verwandter von «Sutter Bärti», sagt zur «Volksstimme», dass im Speziellen die ältere Bevölkerung das Haus im Underdorf vermisse. Einzelne Einwohner hätten während des Abbruchs sogar Bauteile als Souvenir behalten.
Haus mit sechs Wohnungen
Sutter äussert sich dazu neutral und sagt, dass ein Mehrfamilienhaus, so wie es jetzt gebaut werden wird, mit sechs Wohnungen, einer Einstellhalle sowie einer Solaranlage auf dem Dach, im Dorf grundsätzlich ein Bedürfnis darstelle. «Aktuell haben wir hier oben keine einzige freie Wohnung zu vermieten», beschreibt Sutter die Wohnungssituation im sonnenreichsten Dorf im Baselbiet.
Der Präsident kann die mit dem abgerissenen «Sutter-Bärti-Huus» verbundenen Emotionen nachvollziehen: «Mit dem Haus sind zahlreiche, auch tragische, Schicksale verbunden, aber auch Erinnerungen, so an den bei damaligen Jugendlichen beliebten Keller des Hauses, unter anderem wegen ‹Bärtis› Selbstgebrannten.» Das bescheidene Haus wies eine quadratische Grundform auf, verfügte über einen angebauten Schopf und beinhaltete eine gut belichtete Posamenterstube.
Die Gemeinde verfügt immer noch über zahlreiche ältere Häuser im Dorfkern. Wichtig sei, dass die Kernzone belebt und die Häuser unterhalten bleiben, sagt Gemeindepräsident Sutter. Es sei nicht die Absicht, das ganze Dorf zu modernisieren. Und wenn in der Kernzone gebaut oder umgebaut werde, erfolge dies stets in Kooperation mit der kantonalen Denkmalpflege – so auch beim neuen Mehrfamilienhaus: «Die Denkmalpflege ist früh in die Planung eingebunden worden. So konnte das Projekt mit dieser Behörde entwickelt und finalisiert werden.» Herausgekommen ist gemäss Johannes Sutter ein gefälliges Haus, das sich sehr gut in die Arboldswiler Kernzone einordnet. Viele Vorgaben konnten raffiniert gelöst werden, etwa die unauffällige Einfahrt in die Tiefgarage durch ein Tor am angebauten Schopf.
Der Gemeinderat von Arboldswil steht weiterhin zu seiner Kernzone und so auch zur «alten Struktur» mit ihren bestehenden Gebäuden. Er setzt grundsätzlich auf den Erhalt vor Ort, wobei Sutter einräumt, dass im Einzelfall dennoch abgewogen werden müsse, ob ein Neubau einer Sanierung nicht doch vorgezogen werden müsse. Es könne sein, dass gelegentlich etwas Gutes Neues insgesamt doch die bessere Lösung sei. «Ein Abbruch und Neubau ist jedenfalls langen Leerständen und verfallenen Häusern vorzuziehen», so Johannes Sutter.
Ein Detail: Noch 2008 wurde das spezielle Haus von der kantonalen Denkmalpflege als «kommunal zu schützen» eingestuft. Allerdings: Die Gemeinde Arboldswil hat für das Haus nie einen offiziellen Schutzbeschluss erlassen. Das Gebäude war rechtlich nicht geschützt. Dass es im kantonalen Bauinventar als historisch wertvoll geführt wird, ändert nichts daran, da dieses Inventar lediglich ein unverbindliches Hinweisinventar ohne rechtliche Schutzwirkung für die Eigentümer ist.
Die finale Entscheidung über einen rechtsverbindlichen kommunalen Schutz liege bei der Gemeindeversammlung – und ein solcher Beschluss existierte für das «Sutter-Bärti-Huus» nicht, sagt Sutter.


