«Littering ist ein grosses Problem»
23.04.2025 Region, Natur, Region, BaselbietAndreas Lutz ist neuer Präsident von «Wanderwege beider Basel». Er erzählt, mit welchen Herausforderungen der Verein zu tun hat. Dazu gehören Digitalisierung und Klimawandel, aber auch Littering, Vandalismus und mangelnder Respekt von Wanderern gegenüber ...
Andreas Lutz ist neuer Präsident von «Wanderwege beider Basel». Er erzählt, mit welchen Herausforderungen der Verein zu tun hat. Dazu gehören Digitalisierung und Klimawandel, aber auch Littering, Vandalismus und mangelnder Respekt von Wanderern gegenüber Bauern.
Janis Erne
Herr Lutz, welche Wanderroute im Baselbiet gefällt Ihnen persönlich am besten?
Andreas Lutz: Ich bin sehr gerne in der Region Sissach unterwegs – etwa Richtung Fluh oder Bischofstein. Ich habe lange Zeit in Sissach gewohnt, das prägt natürlich.
Mit Ihnen als Präsident und dem Sissacher Pascal Benninger als Geschäftsführer hat «Wanderwege beider Basel» ein neues Führungsduo. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Der Verein ist grundsätzlich sehr gut aufgestellt, die Kernaufgabe – die Signalisation der Wanderwege – wird hervorragend umgesetzt. Gleichzeitig sehe ich Potenzial für gewisse Anpassungen. Die Altersstruktur ist eine Herausforderung: Viele unserer aktiven Funktionäre, darunter die 18 Bezirksleiter sowie zahlreiche Wanderleiter und Wanderleiterinnen, gehören bereits einer älteren Generation an und werden voraussichtlich nicht mehr 20 Jahre aktiv sein können. Daher ist es notwendig, gezielt neue Freiwillige zu gewinnen, sie einzuarbeiten und zugleich neue Mitglieder für unseren Verein zu begeistern.
Und sonst?
Ein weiterer Punkt ist die Digitalisierung: Ziel ist es, mehr Kartenmaterial in digitaler Form zugänglich zu machen. Der Einsatz von QR-Codes direkt an den Wegweisern wäre etwa denkbar. Die Karten sollen niederschwellig und auch für Nichtmitglieder nutzbar sein. Auch im Bereich Sponsoring kann die Digitalisierung helfen – etwa durch Kleinspenden via Twint. Zudem möchten wir die Zusammenarbeit mit «Baselland Tourismus» und anderen regionalen Organisationen intensivieren. Wir wollen uns als Kompetenzzentrum für Wanderer noch stärker positionieren. Dabei hilft, dass sich unsere Geschäftsstelle ab diesem Sommer im Liestaler «Stedtli» befindet. Auch geführte Wanderungen könnten wir vermehrt anbieten – eventuell gegen eine kleine Gebühr für Nichtmitglieder.
Es sieht aktuell zwar nicht danach aus, dass er zustande kommt, doch den «Naturpark Baselbiet» würden Sie begrüssen, oder?
Absolut. Der Naturpark wäre eine spannende Entwicklung und böte viele Möglichkeiten, die Region bekannter zu machen und mehr Menschen auf unsere Wanderwege zu bringen.
Die Aufgaben von «Wanderwege beider Basel» und «Wanderwege Schweiz» reichen von der Planung mit dem Kanton über die Signalisation bis zur Kontrolle der Wege. Für den Unterhalt sind die Gemeinden zuständig. Nehmen alle ihre Verantwortung genügend wahr?
Im Prinzip ja. Allerdings hängt vieles von den finanziellen Möglichkeiten ab. Es gibt Gemeinden mit überdurchschnittlich vielen Wanderwegen – das kann ins Geld gehen. Bei grösseren Projekten gibt es auch Möglichkeiten, dass wir aus unseren Mitteln etwas beisteuern. Zudem gibt es den «Schweizer-Wanderwege-Fonds»: Aus diesem erhielt etwa die finanziell angeschlagene Gemeinde Waldenburg im vergangenen Jahr Fördermittel.
Sie haben es zuvor erwähnt: Die Vereinsmitglieder sind tendenziell eher älter. Wird es schwieriger, neue Freiwillige zu finden?
Bei den aktiven Mitarbeitenden, die auf freiwilliger Basis tätig sind, haben wir erfreulicherweise bisher genügend Anwärterinnen und Anwärter. Dies führen wir auch darauf zurück, dass «Wanderwege beider Basel» eine sehr geschätzte Dienstleistung erbringt.
Im Bölchen- und Wasserfallengebiet mussten Wanderwege wegen umgestürzter oder umsturzgefährdeter Bäume gesperrt oder verlegt werden. Spüren Sie die Auswirkungen des Klimawandels?
Es gibt solche «klimabedingten» Umleitungen. Diese haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und verursachen viel Mehraufwand. Wir sind dankbar, dass uns problematische Stellen von Forstbetrieben, Bürgergemeinden oder Wanderern gemeldet werden. So können wir rasch reagieren und die Umleitungen über die Plattform Schweiz Mobil kommunizieren.
Laut Jahresbericht beschäftigt Vandalismus an Wegweisern den Verein weiterhin stark. Welche Schäden treten auf?
Das reicht vom Entfernen bis zum Beschädigen. Manchmal ist ein neu montierter Wegweiser schon am nächsten Tag wieder weg – offenbar als Souvenir mitgenommen. Es kommt auch vor, dass Schilder beschossen, beklebt oder beschmiert werden. Solche Vorfälle gab es zwar schon immer, aber sie kosten uns jedes Mal Zeit und Geld.
Hat der Vandalismus zugenommen?
Nicht überproportional. Wir haben das Problem im Griff und leben damit – auch wenn es ärgerlich ist.
Weitere Probleme sind Littering, nicht geschlossene Tore bei Kuhweiden oder Hunde, die auf Weiden herumtollen. Einige Grundbesitzer dulden deshalb keine Wanderer mehr und sperren ihr Land – etwa in Maisprach oder Reigoldswil. Sind die Wanderer rücksichtsloser geworden?
Littering ist ein grosses Problem, ebenso der mangelnde Respekt gegenüber Landwirten. Wanderer laufen durch Weiden, lassen Tore offen oder betreten Stallungen. Auch auf Weiden mit Mutterkühen wissen sich nicht alle Wanderer angemessen zu verhalten – was durchaus gefährlich werden kann. Wir suchen das Gespräch mit den betroffenen Landwirten und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Wenn es nicht anders geht, passen wir Wanderwege an. Das ist bedauerlich, wenn die Alternativroute etwa über eine asphaltierte Strasse führt und nicht mehr über einen Feldweg.
Zwischen 2021 und 2024 ist das Wanderwegnetz im Baselbiet um rund 3,5 Prozent auf 949 Kilometer «geschrumpft». Wie beurteilen Sie das?
Die Abnahme liegt im üblichen Rahmen. Im Zuge der Neusignalisation der Wegweiser, die so gut wie abgeschlossen ist, wurden die Routen optimiert – dabei gingen einige Kilometer verloren. Unser Ziel ist es, die Anzahl Kilometer zu stabilisieren und möglichst viele Wanderwege auf Wald-, Feld- oder Wiesenboden zu führen. Die zunehmende Versiegelung durch neue Strassen und wachsende Dörfer erschwert dieses Vorhaben.
Gibt es im Baselbiet bereits so etwas wie Dichtestress auf den Wanderwegen?
An bestimmten Orten, ja – etwa auf der Bölchenfluh oder im Spitzwald in Allschwil beziehungsweise generell im bevölkerungsreichen Unterbaselbiet. Dort ist man selten allein unterwegs – das kann ich als Einwohner von Allschwil aus eigener Erfahrung bestätigen.
Wie sieht es mit Konflikten zwischen Wanderern und Bikern aus?
Das ist ein Thema. Es gibt gewisse Hotspots, an denen es gelegentlich zu Konflikten kommt. In den meisten Fällen funktioniert das Miteinander aber gut. Es braucht Rücksichtnahme von beiden Seiten. Ich selbst bin auch Biker – aber ich käme nie auf die Idee, an einem Sonntag eine stark frequentierte Wanderroute zu befahren. Das macht weder mir noch den Wanderern Freude.
Zum Schluss noch eine Frage, die sich wohl schon so mancher Wanderer gestellt hat: Die Zeitangaben auf den Wegweisern wirken manchmal «willkürlich» – zum Teil ist man deutlich schneller, zum Teil deutlich langsamer. Wie kommen diese Angaben zustande?
Die Wanderzeiten basieren auf der Wegdistanz und werden von einer Software berechnet, auf die im Baselbiet nur die Mitarbeitenden des Kantons Zugriff haben. Die tatsächlichen Zeiten sind sehr individuell, da auch Körpergrösse, Fitness und Tagesform der Wanderer eine Rolle spielen. Mit etwas Erfahrung entwickelt man ein Gefühl für die tatsächliche Wanderzeit.
Einst höchster Fasnächtler in Sissach
je. Andreas Lutz (64) wurde am 5. April zum neuen Präsidenten des Vereins Wanderwege beider Basel gewählt und folgte damit auf Othmar Cueni, der dieses Amt während fast 10 Jahren innehatte.
Lutz ist in Tecknau aufgewachsen, lebte später lange in Sissach und wohnt seit 10 Jahren in Allschwil. Er arbeitet in einer Informatikfirma. Von 2003 bis 2012 war er Präsident der Fasnachtsgesellschaft Sissach (FGS).

