Kleine Badi, grosse Wirkung
26.06.2026 SissachDas Schwimmbad bietet mehr als Abkühlung an heissen Sommertagen
Sie lockt nicht mit Grösse oder Attraktionen. Dafür bietet sie etwas, das vielerorts selten geworden ist: eine familiäre Atmosphäre. Für Gäste und Mitarbeitende ist die Badi Buus Treffpunkt, ...
Das Schwimmbad bietet mehr als Abkühlung an heissen Sommertagen
Sie lockt nicht mit Grösse oder Attraktionen. Dafür bietet sie etwas, das vielerorts selten geworden ist: eine familiäre Atmosphäre. Für Gäste und Mitarbeitende ist die Badi Buus Treffpunkt, Erinnerungsort und Sommerwohnzimmer zugleich.
Lea Wieser
Die Sommerferien stehen vor der Tür und mit ihnen der Bedarf nach Programm und Abkühlung für Gross und Klein. Da drängt sich ein Schwimmbadbesuch geradezu auf. Zum Beispiel in Buus. Die dortige Badi liegt am Rand des Dorfs, eingebettet zwischen Feldern und Wald.
Neben Plansch- und Nichtschwimmerbecken sowie dem 25-Meter-Becken und der Sprungbucht hat die Badi Buus etwas zu bieten, von dem grössere Schwimmbäder nur träumen können: Idylle und familiäre Atmosphäre. Das ist es, was den Ort so einzigartig schön macht, finden sowohl die Betreiber als auch die Gäste.
Arbeitsfreu(n)de
Der Chef-Badmeister Fabian Ritter arbeitet seit 2010 in der Badi Buus. Er und die langjährige Kioskfrau Nicole Altorfer-Dehning kennen die Badi und ihre Gäste bestens. Man merkt sofort: Die Badi Buus liegt ihnen am Herzen. Beide betonen, wie sehr sie die idyllische Lage, das vertraute Umfeld und den entspannten Charakter schätzen, die Stimmung sei eigentlich immer angenehm. Auch wenn viel los ist und die Kinder aufgedreht sind, behandle man sich gegenseitig rücksichtsvoll.
Der Morgen, wenn es noch ruhig und weniger heiss ist, ist die liebste Tageszeit des Bademeisters. Da trudeln als erstes die Schwimmerinnen und Schwimmer ein, um ihre Bahnen zu ziehen. Auch die Stammgäste, teilweise mit eigenem Liegestuhl, bleiben nicht lange aus. Ab dem Mittag beginnt der Trubel, bis es abends wieder etwas ruhiger wird. Die beiden erzählen, die Badi sei zu jeder Tageszeit ein spannender Ort. Man sei immer im Kontakt mit Menschen, bekomme den einen oder anderen Dorfklatsch erzählt und erlebe täglich Neues. Die Menschlichkeit steche hier heraus.
Vertraute Gesichter
Kinder und Jugendliche jeden Alters rennen umher, tauchen «Ringli», üben «Spiessli» vom Sprungturm und geniessen zwischendurch mit ihren Eltern Pommes oder eine Glace am Kiosk. Nadine Honold und ihre Familie sind jeden Sommer, seit sie nach Buus gezogen sind, hier anzutreffen. Andere Schwimmbäder seien zwar grösser, aber viel hektischer und oft zu voll, sagt sie. In Buus, besonders an ihrem Stammplatz zwischen dem Kinderund dem Babybecken, habe sie einen guten Überblick, um ein Auge auf ihren Sohn haben zu können.
Beim Kiosk treffen wir Paola Vasques an, eine Frau mittleren Alters: Vor 13 Jahren habe ihr Partner die Badi Buus entdeckt. Seitdem ist sie Stammgast. Sie sei eine richtige Wasserratte, sagt sie. Manchmal komme sie nur zum Schwimmen vorbei, oft verbringe sie aber auch den ganzen Tag hier. Meistens komme sie alleine, man treffe aber auch immer jemanden an, um einen Schwatz halten zu können. Die Badi ist für Vasques ein Stück Ferienzeit im Alltag. Auch schätze sie den familiären Umgang der Menschen hier. Man lache viel, mache Witze, wenn man es brauche, werde aber auch getröstet und in den Arm genommen. Die Grundlage dafür seien für Vasques ganz klar die Menschen, die in der Badi Buus arbeiten und diese Familiarität ausstrahlen.
Das bestätigt auch Altorfer-Dehning. Die meisten ihrer Helferinnen und Helfer seien schon seit Jahren mit dabei und kämen jede Saison gerne wieder. Denn auch für sie sei die Atmosphäre stimmig.
Yoga im Grünen
Neben Idylle und Familiarität hat die Badi Buus ein weiteres Ass im Ärmel: Seit vier Jahren findet jeden Freitagmorgen eine Yoga-Stunde auf der Liegewiese statt, erzählt der Yogalehrer Urs Breig. Für viele Teilnehmende sei das Badi-Yoga eine willkommene Gelegenheit, sich zu bewegen. Man könne einfach eintrudeln, ohne sich zuvor anmelden zu müssen, und sei zu keiner regelmässigen Teilnahme verpflichtet.
Für Breig, der selbst seit Jahren Stammgast in diesem Schwimmbad ist, bilden diese Stunden die ideale Abwechslung zu den Yoga-Kursen, die er in seinem Studio in Gelterkinden anbietet. Er fühle sich auf der Badi-Wiese mehr mit der Natur verbunden und geniesse die raschelnden Blätter und das Vogelgezwitscher als Klangkulisse.
Die Badi mag nicht die grösste sein, aber in einem Punkt ist sie unschlagbar: beim Schnitzelbrot. Schnell mauserte sich der Snack zum klaren Gäste-Favoriten. Altorfer-Dehning erzählt, sie hätten diverse Besuchende, die allgemein nur fürs Essen und besonders für ihr Schnitzelbrot vorbeikämen. Gerade in den ersten Saisons nach der Sanierung im Jahr 2012 habe das Kioskangebot neue Gäste angelockt, von denen ihr viele bis heute treu geblieben seien.
Loyalität
Die Gemeindeversammlung, an der über die Sanierung des Schwimmbads entschieden wurde, habe deutlich gezeigt, welchen Stellenwert die Badi Buus für das Dorf und die Region hat. 2011 wurde der Kredit über 1,45 Millionen Franken einstimmig bewilligt. Die Badi Buus sei unverzichtbar für das Dorf. An dieser Einstellung habe sich seither nichts verändert. Die Einwohner seien stolz, in ihrem Dorf so etwas zu haben, und froh, dass im Sommer der Weg zur Abkühlung so kurz ist. Aber auch Leute von ausserhalb schätzen die Einrichtung. So sehr, dass sie für einen Schwumm in der Badi Buus auch eine längere Anreise in Kauf nehmen.


