Jetzt handeln!
03.02.2026 Bezirk Waldenburg, Politik, Baselbiet, WaldenburgAndrea Sulzer, Gemeindepräsidentin Waldenburg, Grüne
Es geht mir ja genauso: Je stärker mich ein politisches Thema persönlich betrifft, desto grösser ist mein Wunsch, mich einzubringen. Deshalb engagiere ich mich mit Überzeugung in der ...
Andrea Sulzer, Gemeindepräsidentin Waldenburg, Grüne
Es geht mir ja genauso: Je stärker mich ein politisches Thema persönlich betrifft, desto grösser ist mein Wunsch, mich einzubringen. Deshalb engagiere ich mich mit Überzeugung in der Lokalpolitik. In unserem überschaubaren Umfeld können wir gemeinsam konkrete Verbesserungen erreichen – etwa durch die Neugestaltung eines Schulhausplatzes, Naturschutzprojekte oder die Förderung von Kindern und Jugendlichen.
Schwieriger fällt uns das Engagement dort, wo Probleme zwar rational nachvollziehbar sind, im Alltag aber weniger spürbar erscheinen. Der Klimaschutz gehört dazu. Ohne wissenschaftliche Erkenntnisse würde ich Hitzesommer, Überschwemmungen oder milde Winter vielleicht als Wetterlaunen abtun und mich vermeintlich dringenderen Themen widmen.
Dieses Bild erinnert mich an den Frosch im sich langsam erwärmenden Wasser. Solange alles noch erträglich ist, bleibt er sitzen. Doch wenn die Hitze unerträglich wird, ist es oft zu spät zum Springen. Genau das ist meine grösste Sorge – dass wir zu lange wegschauen, bis wir per- sönlich betroffen sind. Der Zeitpunkt zu handeln ist jetzt: Die Auswirkungen des Klimawandels sind messbar, auch wenn sie in unserem Alltag noch nicht ständig präsent sind.
Mein Kompass ist das wissenschaftliche Konzept der planetaren Grenzen. Es zeigt, welche ökologischen und klimatischen Bedingungen notwendig sind, damit die Menschheit sicher leben kann. Johan Rockström und sein Team haben dieses Konzept 2009 entwickelt. Es beschreibt neun zentrale Erdsysteme – darunter Klimawandel, Biodiversität, Süsswasser und Landnutzung –, deren Stabilität entscheidend für unser Überleben ist.
Die Lage ist alarmierend: Sechs der neun Grenzen sind bereits überschritten. Besonders kritisch ist der menschengemachte Klimawandel durch steigende CO2-Emissionen. Fachleute warnen: Wenn wir nicht handeln, riskieren wir, dass diese Grenzen irreversibel verletzt werden. Dringende Massnahmen sind klar: Treibhausgase müssen auf «Netto-Null» sinken, erneuerbare Energien ausgebaut und natürliche CO2-Speicher wie Wälder und Moore geschützt werden.
Damit wir innerhalb der planetaren Grenzen leben und auch unseren Enkelkindern eine lebenswerte Welt hinterlassen, müssen wir jetzt handeln. Die Klima- fonds-Initiative, über die wir am 8. März abstimmen, macht genau das möglich. Sie schafft einen staatlichen Klimafonds, der jährlich mit 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts gefüllt wird. So können grosse Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Dekarbonisierung von Verkehr und Gebäuden, öffentlichen Verkehr und Biodiversität realisiert werden. Ziel: schnellerer Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und mehr Energiesouveränität. Jetzt ist der Moment, Verantwortung zu übernehmen. Springen wir aus dem Froschwasser, bevor es zu spät ist – für uns, für unsere Kinder und für die Zukunft unseres Planeten.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

