Im «Alti Richtig» wirtet ein «Handholzer»
17.02.2026 Bezirk Sissach, EptingenBeat Buser versorgt seit 22 Jahren seine Gäste im geschichtsträchtigen Basler Fasnachtskeller
In der Region kennen wir ihn als Präsident des Vereins Handholzer Eptingen. Seit 22 Jahren wirtet er auch im Basler Fasnachtskeller «Alti Richtig». Wegen des neuen ...
Beat Buser versorgt seit 22 Jahren seine Gäste im geschichtsträchtigen Basler Fasnachtskeller
In der Region kennen wir ihn als Präsident des Vereins Handholzer Eptingen. Seit 22 Jahren wirtet er auch im Basler Fasnachtskeller «Alti Richtig». Wegen des neuen Brandschutzkonzepts bleibt dieser heuer geschlossen, wirten tut Beat Buser trotzdem.
Melanie Frei
Beat Buser aus Eptingen kennt die Basler Fasnacht nicht von Kindsbeinen an. Dennoch bewirtet er seit 22 Jahren die Mitglieder der Clique Alti Richtig und Gäste im geschichtsträchtigen Fasnachtskeller an der Bäumleingasse. Dieses Jahr bleibt der Keller zu. Gewirtet wird trotzdem.
Es war eine Führung, die nicht stattfand, die Beat Busers Leben mit der Basler Fasnacht verknüpfte. Vor 22 Jahren reiste die Clique Alti Richtig nach Eptingen, um im «Bad Eptingen» zu speisen. Anschliessend war eine Besichtigung der Mineralquellen geplant – doch die Führung wurde kurzfristig abgesagt.
Ein neues Programm musste her. Im Internet stiessen die Fasnächtler auf die Website der «Handholzer Eptingen». Buser, der Vereinspräsident, empfing die Basler spontan. «Wir versorgten sie mit einem Apéro und zeigten ihnen, was wir so machen», erinnert er sich – und lacht beim Erzählen. Handsägen, Hufeisenwerfen, Spass für die ganze Familie: Das ist das Herzstück des Vereins, der seit Jahren Sommer und Herbst belebt. Die Basler probierten es selber aus, und der Funke sprang sofort über.
Die «Handholzer» blieben der Clique in Erinnerung. Ein halbes Jahr später wurde Buser angefragt, ob er das Wirten in ihrem Fasnachtskeller übernehmen würde. Ein Keller, der nicht irgendein Keller ist: Der sogenannte «Begglisaal» an der Bäumleingasse 11 ist mit Laternenwänden aus 100 Jahren ausgekleidet – ein Gesamtkunstwerk, das gleichzeitig Wandverkleidung und Beleuchtung ist. Buser sagte zu, den Keller mit seinem Sohn Stefan zu bewirten.
Mit der Basler Fasnacht hatte Buser in dieser Form bis dahin nichts zu tun. Doch fremd war ihm die Fasnacht nicht: 26 Jahre lang hatte er mit dem Verein Handholzer in Eptingen den Maskenball organisiert; seit Corona gibt es diesen nicht mehr. Er kannte das Handwerk – Logistik, Bewirtung, Teamführung. Was ihm fehlte, lernte er «on the job». «Die Kosten für Organisation, Personal, Material und mehr wurden immer von mir und meinem Sohn gestemmt», erzählt Buser. Viele «Handholzer» helfen ihm aber bis heute.
«Das lief eigentlich ziemlich gut», sagt er nüchtern. Er führte damals das «Milchhüsli» in Läufelfingen – 2012 ging dieses zu –, das auch ein Catering-Angebot hatte. So konnte er die Bestellungen direkt aufgeben, liefern lassen und in den Keller einräumen. Beruflich ist der Eptinger heute als Zählerableser bei der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) angestellt.
Bewirtet wird mit Einfachem: Bier, Wein, Mineral – und zu essen klassische Mehlsuppe und Zwiebelwähen, Thon- und Lachsbrötli sowie Busers in Basel bereits legendären Pommes mit Steak oder Bratwurst.
Der Keller bleibt geschlossen
Das Jahr 2026 ist anders. Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana ordnete die Basler Regierung an, alle Cliquenkeller auf ihre Brandschutzkonzepte zu überprüfen. Im Fall der «Alti Richtig» wurde das wunderbare, mit Laternen dekorierte Deckengewölbe zum Knackpunkt: Das Material sei schwer einzuschätzen – ohne Proben aus den Helgen lasse sich die Brennbarkeit nicht zertifizieren. Und Proben bedeuten: Löcher in 100 Jahre alte Kunstwerke schneiden.
Das kam für niemanden infrage – weder für den «Obmaa» der Clique noch für Buser. «Die Basler Fasnacht gehört zum Unesco-Kulturerbe. Das wäre tragisch gewesen», sagt er. Der Keller der «Alti Richtig» bleibt an der Fasnacht 2026 somit geschlossen. 70 Sitzplätze fallen weg.
Doch Buser und die Clique haben nicht resigniert – sie haben geplant. «Für die Fasnacht 2027 ist bereits ein Konzept ausgearbeitet: Die Laternendecke soll mit einer nicht brennbaren Folie abgedeckt und eine Sprinkleranlage installiert werden», so Buser. Der Keller werde wieder öffnen – mit den Laternen, unversehrt.
Dieses Jahr weicht man aus. Das überdachte Höfli und die Bar dürfen öffnen – je 50 Personen finden Platz. Es ist weniger als sonst, aber es ist wenigstens etwas. Buser nimmt die Einschränkung pragmatisch: «Es kostet uns halt 70 Sitzplätze. Aber wir machen es.»
Bewirtet werden die Gäste von einem 16-köpfigen Team – die meisten kommen, wie immer, aus dem Handholzerverein in Eptingen. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Dass das Team reibungslos funktioniert, ist klar, da viele seit Jahren zusammenarbeiten.
Dass die Planung dieses Jahr besonders spät anlief, hat seinen Grund: Bis vor wenigen Tagen war unklar, was überhaupt erlaubt sein würde. Erst nach den Inspektionen der «Feuerpolizei» stand fest, dass Höfli und Bar öffnen dürfen. Dafür müssen bis Mitte Woche die Bestellungen raus und auch der Aufbau eilt nun.
Was Buser besonders am Herzen liegt: die Jungen. Die Clique Alti Richtig zählt mehr als 400 Mitglieder – und rund 60 Jugendliche kehren regelmässig im Keller ein. Sie gehören zu den «Schnuffer & Schnoogge vo dr Alte Richtig», dem Nachwuchs der Clique, der seit 1931 besteht. Montags und mittwochs während der Fasnacht kommen sie um Punkt 18 Uhr und essen. Um 19.15 Uhr gehen sie wieder. Das sei ihre Fasnacht, ihr Keller, ihr Znacht, sagt Buser.
Nächstes Jahr soll der «Begglisaal» wieder öffnen. Mit Folie. Mit Sprinkler. Und natürlich mit Beat Buser.



