Halbierung hätte Folgen – insbesondere für die Landschaft
20.02.2026 Baselbiet, Abstimmungen, Politik, OltingenFlorence Brenzikofer, Nationalrätin Grüne
Bei der SRG-Initiative geht es um viel mehr als die Höhe der Empfangsgebühren. Es geht um Service public, um Zusammenhalt und um die Frage, wie die Menschen in der Schweiz informiert und unterhalten ...
Florence Brenzikofer, Nationalrätin Grüne
Bei der SRG-Initiative geht es um viel mehr als die Höhe der Empfangsgebühren. Es geht um Service public, um Zusammenhalt und um die Frage, wie die Menschen in der Schweiz informiert und unterhalten werden. Gerade für ländliche Regionen – und ebenso für die Region Basel – ist die SRG mehr als ein Medienhaus: Sie ist ein Stück Identität.
Wenn der «Samschtig-Jass» läuft, wird in vielen Stuben mitgefiebert. Jassen gehört zur Schweiz wie der Turnverein zum Dorf. Diese Sendung bringt Generationen zusammen. Mit dem «Donnschtig-Jass» kommt das Schweizer Fernsehen sogar ins Dorf, wir durften dies im Baselbiet schon mehrfach erleben: Plätze werden zu Festhütten, Musikgesellschaften erhalten eine grosse Bühne, Vereine profilieren sich als Veranstalter. Dieses Format zeigt nicht nur urbane Zentren, sondern auch Bergregionen und Randgebiete – sie macht sichtbar, was sonst oft übersehen wird.
Auch das «Regionaljournal Basel Baselland» und Sendungen wie die «Landfrauenküche» oder «SRF bi de Lüt» erzählen Geschichten aus dem Alltag. Sie porträtieren Bäuerinnen und Bauern, Handwerksbetriebe und engagierte Menschen aus den Gemeinden. Das stärkt das Verständnis zwischen Stadt und Land.
Zum Service public gehört aber auch der Sport. Ob Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest, Skirennen oder Olympische Spiele: Wenn Schweizer Athletinnen und Athleten antreten, fiebert das halbe Land mit – im Bergdorf genauso wie in der Stadt. Grossereignisse wie die Fussball-EM schaffen gemeinsame Momente, die Generationen verbinden. Eine starke SRG ermöglicht es uns, dass solche Ereignisse nicht hinter Bezahlschranken verschwinden.
Private Medien müssen sich an Werbeeinnahmen und Quoten orientieren. Produktionen mit starkem Regionalbezug oder Sportübertragungen aus Schweizer Perspektive wären wirtschaftlich nicht tragbar. Der Service public hingegen hat den Auftrag, auch dort zu sein, wo es sich nicht rechnet.
Die Annahme der Initiative hätte spürbare Folgen: Das Budget würde faktisch halbiert. In der Region Basel, wo SRF seit Jahrzehnten einen Produktionsstandort betreibt, hätte ein Ja weitreichende Konsequenzen. Eine Halbierung würde die regionale Berichterstattung ausdünnen, Redaktionen müssten zusammengelegt oder geschlossen werden. Themen wie Pharma und Chemie, Wissenschaft und Kultur oder grenzüberschreitende Politik erhielten weniger Aufmerksamkeit. Damit ginge ein Teil regionaler Sichtbarkeit verloren. Auch wirtschaftlich wäre der Schaden erheblich: Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, ebenso Aufträge für externe Firmen und Kulturschaffende.
Gerade weil ausländische Streamingplattformen immer dominanter werden, ist eine unabhängige SRG wichtiger denn je. «Netflix», «Tiktok», «Youtube» & Co. werden nie ein neues Album von Baschi besprechen, den neuen Trainer des FC Basel nicht kritisch begleiten und die Ersatzwahlen für die Baselbieter Regierung links liegen lassen.
Am Ende geht es um eine Grundsatzfrage: Wollen wir eine Medienlandschaft, die nur dort präsent ist, wo Gewinne erzielt werden können – oder eine, welche die Vielfalt unseres Landes abbildet und so den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärkt?
Für den ländlichen Raum und die Region Basel ist die Antwort klar: Eine starke SRG bedeutet Sichtbarkeit, Identität und Verlässlichkeit. Wer den Service public halbiert, schwächt ein Stück Schweiz.

