Generations übergreifende Kunstreise
07.03.2025 Bezirk Waldenburg, Vereine, Gesellschaft, Gemeinden, Baselbiet, Kultur, WaldenburgDie Ausstellung «Augen Weiden» im ehemaligen Bezirksgericht in Waldenburg vereint die Kunst von Frieda-Hanna Wagner mit Werken ihrer Familie über drei Generationen. Morgen Samstag ist Vernissage. Die Räumlichkeiten stellt der Verein Kulturraum Waldenburg zur ...
Die Ausstellung «Augen Weiden» im ehemaligen Bezirksgericht in Waldenburg vereint die Kunst von Frieda-Hanna Wagner mit Werken ihrer Familie über drei Generationen. Morgen Samstag ist Vernissage. Die Räumlichkeiten stellt der Verein Kulturraum Waldenburg zur Verfügung.
Melanie Frei
Kleine, filigrane Holzfiguren auf langen eisernen Stangen empfangen die Besucher im kleinsten Raum des Erdgeschosses im ehemaligen Bezirksgericht Waldenburg. Um die feinen Details und unterschiedlichen Formen zu erkennen, muss man ganz nah herantreten.
«Meine Werke lassen Raum für Interpretation. Die Betrachter sollen schauen, überlegen und ihre Augen weiden lassen», erklärt Frieda-Hanna Wagner (79), deren Kunstwerke im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Der Titel der Ausstellung «Augen Weiden» greift diese Idee auf. Die Vernissage findet morgen Samstag statt.
Es ist Wagners zweite Werkschau – ein Projekt, das ohne den Ansporn der Kuratorin und Künstlerin Andrea Wolfensberger wohl nie entstanden wäre. «Die versteckten Kunstwerke, die bislang nur in Friedas Zuhause bewundert werden konnten, sollen an die Öffentlichkeit», sagt Wolfensberger. Doch dieser Schritt fiel Wagner nicht leicht: «Es ist schön, die eigenen Werke um sich zu haben.
Doch sie zu offenbaren, erforderte Mut», gesteht sie.
Etwa die Hälfte der gezeigten Exponate entstand 2024. Alle Skulpturen bestehen aus Fundholz, dessen natürliche Formen menschliche Gestalten annehmen. Diese Figuren erzählen von Menschen in alltäglichen Situationen – Szenen, die Wagner beobachtet und künstlerisch interpretiert hat. Neben der Natur, ihrer wichtigsten Begleiterin und Inspirationsquelle, kreiert Wagner ihre Kunstwerke beispielsweise mit Papier, alten Verkaufsetiketten oder Fundstücken aus Brockenstuben.
Eine Familiensache
Seit etwa sechs Monaten ist die Ausstellung im «Stedtli» von Waldenburg in Planung. Andrea Wolfensberger kuratiert sie gemeinsam mit dem Fotografen und Musiker Beat Mattmüller, der mit Wagners Tochter Simone Gerber Mattmüller verheiratet ist. Auch er ist künstlerisch angehaucht und präsentiert neun Fotografien im alten Archivraum des alten Bezirksgerichtsgebäudes. «Man kann schon sagen, dass das eine Ausstellung für Frieda ist», sagt Wolfensberger. Tatsächlich beteiligen sich neben Tochter und Schwiegersohn auch drei von Wagners vier Enkelinnen.
Wagners Tochter Simone Gerber Mattmüller zeigt eine Installation: eine 35 Meter lange «Nabel-Schnur», gefertigt aus einem gefundenen Nylonfaden. Am Samstag, 15. März, wird sie um 14.30 Uhr eine tänzerische Performance mit ihrem Werk präsentieren. Auch Wagners Enkelinnen Camille (15), Julie (17) und Sophia (18) zeigen beeindruckende Arbeiten – von Malereien und Skizzen bis hin zu zarten Papierblumen. Ihre Werke stehen im Dialog mit der Kunst ihrer Grossmutter. Sinnbildlich dafür scheint Wagners «Augenkreuz» im Hauptraum der Ausstellung über die Werke der Enkelinnen zu wachen. Gleichzeitig soll es eine Einladung an die Besucherinnen und Besucher sein, genau hinzuschauen.
Eine russische Künstlerkollegin von Andrea Wolfensberger, Natalia Peredvigina, steuert drei Werke bei. Während ihres halbjährigen Aufenthalts in Waldenburg fanden sie und Wagner nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf künstlerischer Ebene zueinander. Beide erschaffen Kunst aus Fundsachen und Alltäglichem – eine Verbindung, die sich in ihren Werken widerspiegelt.
Regionale Künstler unterstützen
«Ich habe einen kleinen Text für die Vernissage vorbereitet, aber grundsätzlich sollen die Besucher selbst auf die Kunst zugehen, sie betrachten und sich Zeit nehmen», sagt Andrea Wolfensberger. Die Vernissage ist kostenlos zugänglich. Für Wolfensberger ist der Kontext einer Ausstellung essenziell: «Es geht nicht darum, Skulpturen einfach hinzustellen, um sie zu verkaufen. Eine Ausstellung muss eine Geschichte erzählen.» Genau das tut «Augen Weiden» – mit einem roten Faden, der sich durch Generationen und künstlerische Visionen zieht.
Parallel zur Ausstellung entwickelt sich der Kulturraum Waldenburg. Er wurde 2021 als Verein gegründet, um die lokale Kulturszene zu stärken und das Erdgeschoss des ehemaligen Bezirksgerichts als kreativen Begegnungsort zu «bespielen». Das Projekt wurde von Künstler Renato Wellenzohn aus Waldenburg und der Basler Architektin Barbara Buser initiiert und wird in Zusammenarbeit mit der Wohnstadt Bau- und Verwaltungsgenossenschaft mit Sitz in Basel umgesetzt.
Ziel ist es, ein vielseitiges Kulturzentrum für Künstlerinnen und Künstler aus der Region und darüber hinaus zu schaffen. Geplant werden jeweils jährliche Ausstellungen mit Vernissagen, Finissagen, Führungen, Lesungen, Konzerten und Workshops. Die Räume stehen zudem für private Anlässe zur Verfügung. Der Verein zählt sechs Vorstandsmitglieder um die Waldenburgerin Dagmar Maurer.
Der Kulturraum Waldenburg finanziert sich über Mitgliederbeiträge, Spenden und andere Zuwendungen sowie Einnahmen aus den Veranstaltungen und zweckgebundene Projektbeiträge, wie aus den Statuten des Kulturraums Waldenburg zu entnehmen ist.
Vernissage «Augen Weiden», Samstag, 8. März, von 11 bis 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 30. März.