«Fertig luschtig»?
09.01.2026 Bezirk Sissach, Gesellschaft, Kultur, SissachDem Seniorentheater droht nach mehreren Abgängen das Aus
Das 40-jährige Seniorentheater Sissach führt in den kommenden Wochen «Dr Chuehflade-Prinz» auf. Es könnte das letzte Stück sein, denn mehrere Abgänge konnten bisher nicht kompensiert ...
Dem Seniorentheater droht nach mehreren Abgängen das Aus
Das 40-jährige Seniorentheater Sissach führt in den kommenden Wochen «Dr Chuehflade-Prinz» auf. Es könnte das letzte Stück sein, denn mehrere Abgänge konnten bisher nicht kompensiert werden.
Brigitte Keller
In den Stücken, welche die Verantwortlichen des Seniorentheaters Sissach jedes Jahr zur Aufführung bringen, ist das Happy End jeweils garantiert. Als Zuschauerin und Zuschauer verlässt man den Ort des Geschehens immer mit einem Lächeln; etwaige Sorgen und Nöte bleiben für eine vergnügliche Stunde aussen vor. Am Ende obsiegt immer das Gute, die Hindernisse werden aus dem Weg geräumt und alles löst sich in Wohlgefallen auf.
Doch am Rand der Bühne des Theaterensembles sind dunkle Wolken aufgezogen. Sie könnten das Ende dieser erfolgreichen Tradition bedeuten. Nach der laufenden Saison hören acht Gruppenmitglieder alters- und gesundheitshalber auf. Für ein Weiterbestehen bräuchte es also unbedingt neue Mitglieder oder, noch besser, eine ganze Crew.
Eine derjenigen, die aufhören werden, ist Hanny Kym. Sie hat Jahrgang 1948 und stiess 2002 zur Truppe, als für das damalige Stück eine jüngere Darstellerin gesucht wurde. Als sie sich meldete, habe man die Rolle zwar bereits wieder gestrichen gehabt, da man nicht mehr daran geglaubt habe, jemand Geeignetes dafür zu finden. «Doch ich fand es eine tolle Gruppe und habe angefangen, hinter den Kulissen auszuhelfen», erzählt Kym. «Im Jahr darauf hatte ich dann erstmals eine ganz winzige Rolle – ich glaube, ich hatte etwa drei Sätze – und ab dann war ich drin.»
2009 hat Hanny Kym dann mit der Regisseurin zusammen die Co-Regie gemacht und 2010, nach deren krankheitsbedingtem Ausstieg, erstmals die Regie ganz übernommen. Einmal mache sie es jetzt, habe sie sich gesagt. Alles Weitere ist Geschichte. Ab da lagen die Hauptverantwortung und die Regie in ihren Händen. Vor drei Jahren wollte sie dann kürzertreten und es wurden wieder einmal neue Kräfte gesucht inklusive einer Person, die Lust und Zeit hatte, die Regie zu übernehmen. Ein paar neue Leute konnten zum Mitmachen motiviert werden, darunter auch Christian Gass für die Regie.
Auch auf ein Inserat mit Aufruf hin hatte sich vor rund 15 Jahren Annemarie Lüthi, Jahrgang 1947, gemeldet: «Ich habe das Inserat ausgeschnitten und nach langem Hin und Her habe ich mich gemeldet», erzählt sie. Und dann habe es geheissen, jetzt bräuchten sie niemanden mehr, weil alle Rollen schon vergeben seien. Aber sie hätten niemanden mehr, der souffliert. «Das versuche ich», habe sie sich gesagt, «und ich bin dabeigeblieben.» Ihr Mann Hans ist ebenfalls Teil der Gruppe geworden. Er hilft beim Bereitstellen der Kulissen und amtet als Chauffeur.
Weinendes Herz
Beide gehören zu den Personen, die nach Saisonende aufhören werden. Genauso wie Beatrice Jaggy, mit Jahrgang 1957 das «Küken» im Ensemble, die zusammen mit ihrem Mann Christian vor drei Jahren zu der Theatergruppe stiess. Gesundheitliche Gründe liessen das Ehepaar Jaggy diesen Entscheid fällen. Mit Blick auf die vielen Abgänge ist es Hanny Kym wichtig zu betonen, dass die vielen Austritte nicht etwa auf Probleme in der Gruppe zurückzuführen seien, sondern aus altersund gesundheitsbedingten Gründen erfolgen. «Mein Herz weint, wenn es nicht weitergehen wird.»
«Am besten sollte sich eine ganz neue Crew bilden und sich neu erfinden», sagt Annemarie Lü- thi. «Wir alle würden die neuen Leute natürlich beim Neustart noch mit Rat unterstützen, falls sie das wünschten.» Dem stimmt Hanny Kym zu.
Interessierten Personen, die Theaterluft schnuppern möchten, stehen also diverse Rollen zur Auswahl, sei es vor oder hinter der Bühne – oder beides. Neben Leuten, die Lust haben, sich als Schauspielerin oder Schauspieler zu versuchen, braucht es Leute für die Technik und das Aufstellen und Abbauen der Kulissen sowie eine Person, die souffliert. Da auch Regisseur Christian Gass aufhört, ist auch dieser Job frei und last but not least braucht es eine Person, die in die Fussstapfen von Hanny Kym als Hauptansprechperson tritt.
Dieses Jahr 22 Aufführungen
Entstanden ist das Seniorentheater vor beinahe 40 Jahren auf Initiative von Elisabeth Bläuer im Umfeld des damals neuen Altersund Pflegeheims Mülimatt, erzählt Hanny Kym. «Sie suchte eine Beschäftigung für die Bewohnenden und rief das Theater ins Leben.» Schon bald sei die Gruppe gebeten worden, auch in anderen Heimen aufzutreten. «Ein paar Jahre nach der Gründung hatte das Seniorentheater gut 15 Auftritte pro Saison», fährt Kym fort. Und die Auftritte sind begehrter denn je. Das aktuelle Stück «Dr Chuehflade-Prinz» wird – man höre und staune – 22 Mal zur Aufführung gebracht (siehe dazu den Veranstaltungshinweis in der gestrigen «Volksstimme»).
Dass in einer Crew aus lauter Senioren immer wieder neue Leute gefunden werden müssen, erklärt sich von selbst. «Ich suche einen Mann …», mit diesen Worten habe sie vor Jahren einmal sogar jeden vom Alter her passenden Mann in Sissach auf der Strasse direkt angesprochen, erzählt Hanny Kym und lacht herzhaft. Sie hatte damit tatsächlich Erfolg und konnte so einige Neueinsteiger gewinnen.
Jetzt bräuchte es eine ganze Crew an neuen Leuten, damit die Tradition des Seniorentheaters weitergeführt werden kann. Interessierten Personen wird ans Herz gelegt, die öffentliche Vorstellung vom Dienstag, 13. Januar, im Jakobshof Sissach zu besuchen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Gerne können die Theatermitglieder im Anschluss daran direkt angesprochen werden. Gerne stehen Lüthi und Kym für Auskünfte zur Verfügung.

