Erstmals fast alles Nehmer
14.07.2026 Baselbiet, Finanzen, BaselbietJürg Gohl
Sissach erhält in diesem Jahr knapp über 1 Million Franken aus dem kantonalen Finanzausgleich überwiesen. Das entspricht praktisch dem Doppelten des vergangenen Jahres. Die Kassenhüter könnten sich also die Hände reiben, wäre da nicht die Kehrseite. Die ...
Jürg Gohl
Sissach erhält in diesem Jahr knapp über 1 Million Franken aus dem kantonalen Finanzausgleich überwiesen. Das entspricht praktisch dem Doppelten des vergangenen Jahres. Die Kassenhüter könnten sich also die Hände reiben, wäre da nicht die Kehrseite. Die besagt: Noch stärker als 2025 ist die grösste Gemeinde des oberen Kantonsteils auf finanzielle Unterstützung aus dem reicheren Unterbaselbiet angewiesen, um finanziell im Lot zu bleiben.
Seit 2010 zählte Sissach (mit Ausnahme von 2023) zu den wenigen Gebergemeinden im Oberbaselbiet, häufig gemeinsam mit Böckten. Mal kamen Nusshof und Maisprach hinzu. 2022 zahlte sogar Wittinsburg kurz in diesen kantonalen Solidaritätstopf zugunsten der Ärmeren ein. Bis 2013 zählte auch Oberdorf als einziger und bisher letzter Vertreter des Bezirks Waldenburg zum Kreis der Zahler.
Allschwil hilft am stärksten
In diesem Jahr können die beiden Oberbaselbieter Bezirke erstmals keinen Geber mehr vorweisen. Oberhalb des Kantonshauptorts bleiben damit im «Volksstimme»-Gebiet 2026 noch zwei Gebergemeinden übrig, nämlich Ramlinsburg mit 316 000 und Seltisberg mit 274 000 Franken: Abgesehen davon fliessen die Unterstützungsgelder nur in eine Richtung: talaufwärts. Liestal selber zählt ebenfalls zu den Empfängern, wenn auch mit 16.20 Franken pro Kopf zu den moderatesten. All diese Zahlen gehen aus einer Mitteilung der Regierung und den Unterlagen des Amts für Daten und Statistik hervor. Insgesamt werden 94 Millionen Franken verteilt.
16 Gebergemeinden sind es dieses Jahr, die in die politisch immer wieder diskutierte Ausgleichskasse einzahlen. Gefolgt von Nachbar Binningen steht Allschwil bei den Zahlerinnen an erster Stelle: Die grösste Gemeinde des Kantons steuert beinahe jeden vierten Franken an die 71 Millionen aller Geber bei. Die Differenz von 23 Millionen Franken, die zu den 94 Millionen Franken fehlen, die an die Nehmer umverteilt werden, stammt aus dem Ausgleichsfonds des Kantons. In dieser Kasse liegen aktuell 9,3 Millionen Franken, und sie wird deshalb bald bei einem Minus von 13,7 Millionen Franken liegen.
Gelterkinden Nummer zwei
Arlesheim ist der einzige Bezirk, der mehr in den Finanzausgleich einzahlt als bezieht – auch wenn ausgerechnet dort die Gemeinde liegt, die im Baselbiet mit Abstand am meisten Finanzausgleich bezieht: Birsfelden erhält 9,2 Millionen Franken. Und nun geht es zurück ins Oberbaselbiet: Hinter Birsfelden folgt Gelterkinden als zweitgrösste Empfängerin im Kanton. Die Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde erhält knapp 5,4 Millionen Franken. Das sind 0,7 Millionen mehr als vor Jahresfrist. Betrachtet man diese Summe allerdings im Verhältnis zu den gezählten 6500 Einwohnerinnen und Einwohnern zum Jahresende, so relativiert sich diese Zahl: Pro Kopf fliessen 824 Franken nach Gelterkinden. Die vier grössten Empfänger im Pro-Kopf-Ranking liegen mit Bretzwil (1451 Franken), Titterten (1422), Langenbruck (1405) und Waldenburg (1392) allesamt im Bezirk Waldenburg. Dort empfängt auch Oberdorf, 2013 noch auf der Geber-Seite, in diesem Jahr 3,3 Millionen beziehungsweise pro Kopf 1274 Franken aus dem Ausgleichstopf.
Nusshof einsam vorne
Und am anderen Ende der Rangliste? Auf den einzelnen Einwohner heruntergebrochen ist in den beiden Oberbaselbieter Bezirken nur ein Dorf auf weniger Ausgleichszahlungen als die 151 Franken in Sissach angewiesen, es sind die nicht ganz 300 Einwohnerinnen und Einwohner von Nusshof. Sie liegen mit 89 Franken einsam an erster Stelle dieser Wertung. Zwischen den beiden Nachbarn nistet sich einzig Lupsingen mit 102 Franken ein.
Um festlegen zu können, welche Gemeinde wie stark in den Finanzausgleich einzahlen muss beziehungsweise daraus unterstützt wird, ist ihre Steuerkraft ausschlaggebend. Daneben richtet der Kanton zusätzliche Ausgleichsbeiträge an Gemeinden aus, die in den Bereichen Bildung, Nicht-Siedlungsflächen und vor allem der Sozialhilfe aussergewöhnlich belastet sind. Dabei ragen im Oberbaselbiet beim letzten Kriterium wiederum Oberdorf mit 196 000 Franken, Tecknau (90 000) und Waldenburg (89 000) heraus.
Am meisten Finanzausgleich beziehen:
Pro Kopf: Bretzwil (1451 Franken), Titterten (1422),
Langenbruck (1405), Waldenburg (1392),
Zeglingen (1382), Tecknau (1360), Oltingen (1351),
Hemmiken (1309), Niederdorf (1305),
Oberdorf (1274), Anwil (1219), Lauwil (1216),
Zunzgen (1192), Buckten (1182), Rothenfluh (1178),
Wenslingen (1178), Reigoldswil (1169), Diegten (1167),
Rümlingen (1118), Ormalingen (869),
Gelterkinden (824), Bubendorf (740), Lausen (722),
Itingen (590), Sissach (151).
Absolut: Gelterkinden (5,35 Millionen Franken),
Lausen (4,27), Oberdorf (3,33), Zunzgen (3,32),
Niederdorf (2,34), Hölstein (2,32), Ormalingen (2,09),
Diegten (1,96), Reigoldswil (1,86), Waldenburg (1,58), Läufelfingen (1,54), Itingen (1,47), Langenbruck (1,37),
Buus (1,21), Tecknau (1,12), Bubendorf (1,11),
Bretzwil (1,07), Sissach (1,05).
Geber: Ramlinsburg (316 000 Franken, 424 Franken pro
Kopf), Seltisberg (274 000, 206).
Lastenabgeltung, für Sozialhilfe: Oberdorf (196 000),
Tecknau (90 000), Waldenburg (89 000),
Gelterkinden (77 000), Niederdorf (52 000).
Für Nichtsiedlungsflächen: Langenbruck (167 000),
Rothenfluh (124 000), Eptingen (118 000),
Lauwil (94 000), Waldenburg (84 000), Buus (81 000),
Bretzwil (78 000), Reigoldswil (74 000), Oltingen (72 000),
Arisdorf (70 000).
Jürg Gohl

