Eine WG für den Alpensegler
07.08.2026 GelterkindenDer Vogelschutzverein möchte diese hier seltene Vogelart ansiedeln
Oben auf dem Landi-Turm hängt seit Kurzem ein Nistkasten für Alpensegler. Der Natur- und Vogelschutzverein hofft, damit die erste Kolonie dieser Vogelart im Baselbiet anzusiedeln. Nun beginnt das Warten auf ...
Der Vogelschutzverein möchte diese hier seltene Vogelart ansiedeln
Oben auf dem Landi-Turm hängt seit Kurzem ein Nistkasten für Alpensegler. Der Natur- und Vogelschutzverein hofft, damit die erste Kolonie dieser Vogelart im Baselbiet anzusiedeln. Nun beginnt das Warten auf die ersten Bewohner.
Kuri Wirz
Drei Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Gelterkinden (NVVG) und der Vereinspräsident machten sich am 1. Juli auf nach Rheinfelden, wo eine interessante Veranstaltung ausgeschrieben war: Spezialistin Iris Scholl berichtete aus ihrer Arbeit mit den Mauer- und Alpenseglern. Sie ist zuständig für die Förderung dieser Arten im Kanton Zürich und wird gerufen, wenn Gebäude saniert oder abgerissen werden, die Brutplätze aufweisen. In solchen Fällen muss Ersatz angeboten werden, denn diese Vogelarten sind geschützt.
Anschliessend führte Hansruedi Böni einen Spaziergang durch die Stadt Rheinfelden an, wo es um den Mauersegler ging. Bei uns nennt man Letzteren auch «Spyr». Und das Oberbaselbiet hatte in der Person von Emil Weitnauer aus Oltingen, vulgo «Spyre-Miggel» (1905 – 1989), einen ausgewiesenen Fachmann, der im Büchlein «Mein Vogel» alle seine Kenntnisse und Forschungen zu diesem faszinierenden Flieger niedergeschrieben hat.
Nun hat der «Spyr», der in Gelterkinden 387 Kästen vorfindet, auch noch einen grösseren Bruder, nämlich den Alpensegler. Während es der kleinere Segler auf maximal 44 Zentimeter Spannweite bringt, sind für den grösseren bis zu 58 Zentimeter aktenkundig. Er unterscheidet sich von der bei uns gut bekannten braun-schwarzen Art zudem durch einen leuchtend weissen Bauch.
Wie der Name sagt, war der Alpensegler ursprünglich in höheren Gefilden zu Hause und hat an Felswänden gebrütet. Heute findet man ihn in erster Linie (laut Vogelwarte Sempach in mehr als 80 Prozent der Fälle) an künstlichen Wänden, nämlich solchen von Gebäuden – und weil er hohe Häuser bevorzugt: hauptsächlich in Städten. Die am nächsten am Oberbaselbiet gelegene Kolonie dürfte jene in Olten am Alpiq-Gebäude sein.
Auch die Rheinfelder schwärmten am erwähnten Anlass vom Alpensegler und wünschten sich, dass solche Exemplare den Weg ins Fricktal finden. Zwei Tage nach der Veranstaltung beobachtete einer der Heimkehrer diese Vögel beim Siloturm der Landi in Gelterkinden. Er traute seiner Sichtung wegen der grossen Distanz noch nicht. Zwei Tage später erhielt der NVVG-Präsident eine Meldung von einer anderen Person, worauf die «Gebäudebrüter-Gruppe» sofort aktiv wurde.
Gespanntes Warten
Schon am folgenden Tag standen zwei von ihnen zusammen mit Nistkastenbauer Andy Junker zuoberst auf dem Siloturm und begutachteten die Lage. Kastenspezialist Junker versprach, sich sogleich schlau zu machen in Sachen Alpenseglerbehausungen. Gleichentags fand der erste Anruf bei der Landi-Reba statt, und kurz darauf wurde per E-Mail das Gesuch um Erlaubnis einer Kastenmontage am Silo gestellt.
Nun, die Mühlen in der Schweiz mahlen bekanntlich langsam, wenn es um Gesuche geht, und die NVVG-ler mussten ihren Enthusiasmus recht lange im Zaum halten. Immerhin: Am 21. Juli erhielten sie schliesslich das grundsätzliche Einverständnis von den Verantwortlichen, und der Bau des Prototyps konnte losgehen.
Da es für die Montagewinkel noch den Schlosser brauchte und der einerseits in den Ferien und andererseits krank war, verzögerte sich die Sache weiterhin. In der Zwischenzeit meldeten sich die Vogelfans fast täglich mit den gleichen Sichtungen: Die Alpensegler fliegen weiterhin den Siloturm an und versuchen, in den wenigen Storenkästen ihr Glück. Die Spannung wurde beinahe unerträglich … Am vergangenen Dienstag, einen Monat nach der ersten Sichtung der Alpensegler, war es dann endlich so weit. Zu viert rückte das Team an und installierte den Kasten an der Nordwestecke der Siloterrasse, nota bene unter scharfer Beobachtung der künftigen Bewohner. Diese flogen zum Teil mit kaum zwei Metern Abstand an den begeisterten Bauarbeitern vorbei. Das spezielle Wohnhaus ist etwa einen Meter breit, 60 Zentimeter hoch und nach unten offen. Im Innern hat es sechs Flächen mit vorbereiteten Nistmulden: Alpensegler sind geselliger als «Spyre», die ihren eigenen Kasten haben wollen.
Jetzt geht es nur noch um eines: Finden die angepeilten WG-Bewohner das Angebot und nehmen sie es an? Es wäre nach dem Wissen des NVVG die erste Alpenseglerkolonie im Baselbiet. Alle sind gespannt wie Regenschirme.


