Ein Verbot ist wirksamer als viele Appelle
21.07.2026 Baselbiet, Baselbiet, Region, NaturChristian Horisberger
Die wenigen, meist lokalen Niederschläge der vergangenen Tage und die gesunkenen Temperaturen haben an der angespannten Situation der Wasserversorgung kaum etwas geändert: Die Quellschüttungen sind stark zurückgegangen, die Grundwasserspiegel ...
Christian Horisberger
Die wenigen, meist lokalen Niederschläge der vergangenen Tage und die gesunkenen Temperaturen haben an der angespannten Situation der Wasserversorgung kaum etwas geändert: Die Quellschüttungen sind stark zurückgegangen, die Grundwasserspiegel befinden sich auf einem tiefen Niveau. Von einem Trinkwassernotstand kann nicht oder noch nicht gesprochen werden. Da Quellen und Grundwasservorkommen jedoch nicht nur die Reservoire füllen, sondern auch die Bäche speisen, beschleunigt ein hoher Wasserverbrauch das Austrocknen der Fliessgewässer. Aus diesem Grund hat der Kantonale Führungsstab vergangene Woche die Gemeinden der Bezirke Sissach, Waldenburg und Liestal zum «Wassersparen für den Gewässerschutz» aufgerufen.
Da die bisherigen Appelle diverser Gemeinden zur freiwilligen Einschränkung nur begrenzt Wirkung zeigten, sehe er sich veranlasst, die Oberbaselbieter Gemeinden nochmals zu sensibilisieren, heisst es im Schreiben des Führungsstabs: «Wir bitten Sie, Ihre Bevölkerung bis zum Ende der aktuellen Trockenperiode regelmässig und bestimmt zum sparsamen Umgang mit dem Trinkwasser aufzufordern.»
Am Beispiel von Sissach zeigte und zeigt sich, dass solche Appelle nur bedingt wirken. In einem früheren Artikel meldete die «Volksstimme», dass ein erster Aufruf zum Wassersparen vom 22. Juni keine nennenswerte Reduktion des Verbrauchs bewirkt habe. Ein neuerlicher Appell vom 7. Juli habe «nicht das gewünschte Ergebnis» gebracht, wie Adrian Hasler von der Sissacher Bauabteilung erklärt. Zwar sei der Gesamtverbrauch gesunken, doch führt er dies vor allem auf Ferienabwesenheiten zurück. Nach wie vor steige die Verbrauchskurve während der Abendstunden von 20 bis 21 Uhr deutlich: Dann werden die Gärten und die Rasenflächen bewässert.
Verbot als nächste Stufe
In seinem nun dritten Aufruf vom 17. Juli appelliert der Gemeinderat Sissach an die Eigenverantwortung der Bevölkerung, «um konkrete Verbote zu verhindern». Solche hat der Führungsstab mit seinem Schreiben vom 16. Juli an die Gemeinden ins Spiel gebracht: Bewirkten die Appelle keine wesentliche Reduktion des Verbrauchs, «sollten auch konkrete Verbote in Betracht gezogen werden», heisst es darin. Einschränkungen oder Verbote wären durch die Gemeinde «im Rahmen ihrer Zuständigkeiten» zu prüfen, präzisiert Roman Häring, Stabschef des Kantonalen Führungsstabs, auf Anfrage der «Volksstimme». Und: «Falls erforderlich, kann der Kanton übergeordnet gestützt auf die gesetzlichen Grundlagen Massnahmen anordnen.» Die Durchsetzung läge bei den «zuständigen Behörden», führt Häring aus, wobei offen bleibt, um welche konkret es sich handelt.
Dass Verbote um einiges wirksamer sind als Aufrufe, zeigte sich in Diegten. Aufgrund von Wasserleitungsbrüchen und sehr hohen Verbräuchen sah sich die Gemeinde gezwungen, am 22. Juni bis auf Weiteres die Bewässerung von Rasen und Gärten, das Befüllen von Pools, langes Duschen und häufiges Baden oder Autowaschen zu untersagen. Bei Missachtung müsse mit Strafmassnahmen gemäss kommunaler Verordnung gerechnet werden, schrieb die Gemeinde in der Verfügung; es würden verstärkt Kontrollen durchgeführt.
Nachdem zwei vorangegangene Aufrufe zum Wassersparen kaum Wirkung zeigten, fiel der Diegter Trinkwasserverbrauch nach dem Verbot von 450 bis 500 Kubikmetern täglich schlagartig auf 300 bis 350 Kubikmeter, sagt Gemeinderat Niklaus Häfelfinger auf Anfrage der «Volksstimme». «Wir haben jetzt einen Wasserverbrauch wie vor der Gartensaison im Frühling.» Ein Kontrollregime sei in Diegten nicht aufgezogen worden. Auf Hinweise Dritter oder aufgrund benetzter Strassen neben Gärten habe die Gemeinde das Gespräch mit den Urhebern gesucht. Bussen seien bislang keine verteilt worden. Die geborstenen Wasserleitungen seien inzwischen repariert und die Reservoire wieder voll, sagt Häfelfinger. Das Verbot gilt aber nach wie vor, da sich an der Situation beim Grundwasser und für die Bäche nichts geändert habe, wie er sagt.
Vorbildliche Gelterkinder
In Gelterkinden scheint es mit dem Wassersparen auch ohne Verbot und Bussandrohung zu klappen. «Die Bevölkerung hat sehr positiv auf den Wassersparaufruf reagiert», sagt Brunnmeister Samuel Fröhlicher auf Anfrage. Die Wirkung des Aufrufs vom 25. Juni, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen, sei anhand des gesunkenen Tagesverbrauchs deutlich feststellbar gewesen. Nur vereinzelt gingen bei ihm Hinweise ein, wonach weiterhin Rasenflächen bewässert oder Schwimmbecken befüllt würden – den häufigsten «Sünden». Gleichzeitig gebe es aber auch Anfragen, ob Neupflanzungen noch gezielt gegossen werden dürften: «Dies zeigt, dass sich die Bevölkerung mit dem Thema auseinandersetzt und verantwortungsvoll handeln möchte.»
Vom Schreiben des Kantonalen Führungsstabs ausgenommen sind die Gemeinden der Bezirke Laufen und Arlesheim. Dies begründet Roman Häring vom Führungsstab mit der entlang der Birs und des Rheins anders gelagerten Wasserversorgungssituation.
Der Führungsstab hat aufgrund der anhaltenden Trockenheit bereits mehrere Verbote für das Betreten und die Wasserentnahme von Fliessgewässern sowie das Entfachen von Feuer im Wald und in Waldnähe erlassen. Seit dem 17. Juli gilt ausserdem im ganzen Kanton ein absolutes Feuerwerksverbot. Ferner wird bei Waldbesuchen vor spontanen Astabbrüchen und umstürzenden Bäumen gewarnt. Es sei erhöhte Aufmerksamkeit geboten und Absperrungen seien zwingend einzuhalten.


