Ein grosses Ja zur Heimat
28.04.2026 Bezirk Liestal, Bubendorf, BauprojekteBachem weiht neues Produktionsgebäude ein
Mit dem neuen Gebäude «K» setzt Bachem in Bubendorf ein starkes Zeichen: Der Pharmazulieferer investiert 800 Millionen Franken in den Ausbau seiner Produktion – und bekennt sich trotz globaler Unsicherheiten langfristig zum Standort ...
Bachem weiht neues Produktionsgebäude ein
Mit dem neuen Gebäude «K» setzt Bachem in Bubendorf ein starkes Zeichen: Der Pharmazulieferer investiert 800 Millionen Franken in den Ausbau seiner Produktion – und bekennt sich trotz globaler Unsicherheiten langfristig zum Standort Schweiz.
Pascal Kamber
Es ist das neue Prunkstück auf dem Areal der Bachem Holding AG in Bubendorf: das Gebäude «K». Am vergangenen Freitag hat das Unternehmen das riesige Produktionsgebäude am südlichen Ende der Gemeinde offiziell eingeweiht.Tags darauf durfte die Bevölkerung das hochmoderne Werk mit seinen unzähligen Rohren und Kesseln bestaunen. «Das ist ein grosser Meilenstein», freute sich Standortleiter André Casagrande anlässlich eines Medienrundgangs. Das neue Gebäude schaffe die Grundlage, um pharmazeutische Wirkstoffe in grossem Massstab herzustellen. In erster Linie handelt es sich dabei um Wirkstoffe gegen Fettleibigkeit und Diabetes – sogenannte Peptide und Oligonukleotide. Produziert in einem vierstufigen Verfahren, verkauft Bachem diese an die Pharmaindustrie, welche sie wiederum für Medikamente verwendet.
Genau auf diese Wirkstoffe hat sich Bachem spezialisiert und ist in einem massiv wachsenden Bereich zum weltweit führenden Chemieunternehmen aufgestiegen. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Für 2025 weist Bachem einen Umsatz von 700 Millionen Franken vor, ein Drittel davon bleibt als operativer Gewinn bestehen. «Das ist ein profitables Geschäft», sagte Anne-Kathrin Stoller, die Anfang des Jahres die Nachfolge von Thomas Meier als Geschäftsführerin angetreten hat.
Der Erfolg hat allerdings auch seine Tücken: Wegen der hohen Nachfrage musste Bachem die fertigen Baupläne des Gebäudes anpassen, noch bevor die ersten Bagger auffahren konnten. So wurden zum Beispiel grössere Kessel eingebaut als usprünglich vorgesehen. «Das verzögerte die Inbetriebnahme und war nicht nur schmerzlich, sondern auch teuer. Heute sind wir aber froh, dass wir das gemacht haben», sagte Stoller.
Der Betrieb wird nun schrittweise hochgefahren. 800 Millionen Franken hat Bachem in die neue Produktionsstätte investiert. Diese Summe will das Unternehmen auch an Umsatz wieder einbringen; das dürfte laut Stoller aber erst nach 2028 der Fall sein.
Kein Wegzug trotz Muskelkater
Das viele Geld, das Bachem in die Hand nimmt, ist auch ein Bekenntnis zur Schweiz trotz der weltpolitisch schwierigen Lage. «Die starke Währung führt zu Muskelkater, und auch die Einführung der OECD-Gewinnsteuer im Baselbiet trifft uns hart, aber damit müssen wir leben», sagte Verwaltungsratspräsident Kuno Sommer. Für ihn gebe es aber mehrere Gründe, die für einen dauerhaften Verbleib in der Heimat sprechen – etwa Arbeitsethik und Disziplin: «Wir setzen auf diese Schweizer Tugenden, um uns von den grössten Konkurrenten China und Südkorea zu differenzieren.» Daran vermag auch die US-amerikanische Zollpolitik nichts zu ändern. «Bachem wird auch in zehn Jahren noch in der Schweiz sein – unabhängig davon, wie der Präsident der USA heisst», versprach Sommer.
Ein weiterer Pluspunkt für die Schweiz sei das Ausbildungssystem. «Das ist eines der besten der Welt», lobte Sommer. Ausserdem stelle die Nähe zu Deutschland und Frankreich keinen Nachteil dar bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. «Rund 60 Prozent unserer Mitarbeitenden sind Grenzgänger. Trotzdem gelingt es uns, mit unserer Lohnstruktur die besten Leute anzuziehen», sagte Sommer. Und wie: 1971 wurde Bachem von Peter Grogg mit zwei Angestellten in Liestal gegründet, heute beschäftigt das Unternehmen rund 2300 Angestellte. Etwa 2000 davon sind in Bubendorf tätig, einer Gemeinde mit 4500 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das hat vor allem zu den Stosszeiten morgens und abends seine Schattenseiten: Mehrverkehr und entsprechend mehr Geduld auf den Strassen sind die Folge. «Wir sind diesbezüglich im engen Austausch mit dem Kanton und der Gemeinde und haben ein gutes Verhältnis», sagte André Casagrande. So habe Bachem ein Verkehrskonzept erstellt, um die Spitzen zu entlasten. «Zudem arbeiten wir in einem Schichtbetrieb, es sind also nie alle 2000 Mitarbeitenden gleichzeitig in Bubendorf», erklärte Casagrande.
Letztes Puzzleteil in Bubendorf
Mit dem Gebäude «K» ist das Ende der Fahnenstange in Bubendorf noch nicht ganz erreicht. Ende März teilte der Pharmazulieferer mit, dass er die unmittelbar nördlich des Verwaltungsgebäudes an der Hauptstrasse liegende Garage Büchi erworben hatte. Bis 2028 soll dort ein weiteres Produktionsgebäude entstehen. «Es ist das letzte Puzzleteil. Unsere Ausbaumöglichkeiten stossen in Bubendorf an ihre Grenzen», erläuterte Kuno Sommer.
Aus diesem Grund wird demnächst auf dem Sisslerfeld im Kanton Aargau eine weitere Produktionsstätte hinzukommen. Bereits jetzt betreibt Bachem kleinere Standorte in Vionnaz im Wallis, in St. Helens in England sowie in Torrance und Vista in Kalifornien. Die geplante Anlage im Sisslerfeld will Bachem mit einem Partner betreiben, die Verhandlungen dazu seien im Gange. Das bedeute aber keineswegs, dass sich Bachem aus dem Fünflibertal verabschieden werde, wie Anne-Kathrin Stoller am Ende des Medienrundgangs mit Nachdruck betonte: «Wir haben nicht vor, die Produktion von Bubendorf ins Sisslerfeld zu verlagern.» Dafür spricht nicht zuletzt das neue Gebäude «K».



