Drei Frauen für zwei Sitze stehen zur Wahl
10.02.2026 Bezirk Sissach, Politik, SissachDie Kandidatinnen zu teuren Bauten, Begegnungszone und Siedlungsentwicklung
Am 8. März besetzt Sissach die zwei frei werdenden Sitze im Gemeinderat neu. Drei Frauen treten zur Wahl an. Die «Volksstimme» hat ihnen Fragen zu Themen gestellt, die Sissach derzeit ...
Die Kandidatinnen zu teuren Bauten, Begegnungszone und Siedlungsentwicklung
Am 8. März besetzt Sissach die zwei frei werdenden Sitze im Gemeinderat neu. Drei Frauen treten zur Wahl an. Die «Volksstimme» hat ihnen Fragen zu Themen gestellt, die Sissach derzeit beschäftigen.
Christian Horisberger
Wie stellen Sie sich die zukünftige Gestaltung und Weiterentwicklung der Begegnungszone vor, und welche Ziele stehen für Sie dabei im Vordergrund?
Sonja Gerber Wenger: Zunächst gilt es, die Eigentumsverhältnisse der Parkplätze zu respektieren und das lokale Gewerbe nicht zu behindern. Unter diesen Aspekten sehe ich Verbesserungen der Aufenthaltsqualität bei der Umgestaltung der Parkplatzordnung mit gleicher Anzahl Plätze und dadurch Freiraum für kleine Aufenthaltszonen und beispielsweise verkehrsfreie Zeiten ausserhalb der Ladenöffnungszeiten.
Tea Virolainen: Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft – insbesondere in Bezug auf Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität. Ein Dorf lebt davon, dass Menschen gerne bleiben – nicht nur schnell parkieren und wieder verschwinden. Ich wünsche mir eine Begegnungszone, die tatsächlich Begegnung ermöglicht: sicherer Verkehr, mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und Raum für Märkte, Kultur und spontane Gespräche. Wenn der Dorfkern floriert, profitiert auch das Gewerbe. Das ist kein Luxus, sondern Standortpolitik.
Sabine Bucher: Die Begegnungszone entwickelt sich in die richtige Richtung und soll Schritt für Schritt weiter verbessert werden. Die Aufenthaltsqualität und die Belebung des lokalen Gewerbes sind meines Erachtens gleichermassen zu berücksichtigen. Denn genau diese Symbiose macht die Begegnungszone aus. Persönlich wünsche ich mir mehr Grün im Strassenraum (z.B. in Pflanzentrögen). Bei der konkreten Ausgestaltung möchte ich auf die Arbeit und Erfahrung der zuständigen Kommission und einen engen Austausch mit Gewerbe und Bevölkerung setzen.
Sissach ist als Wohnort gefragt.
Das Projekt Six-Madun/Tobler-Areal, wo viele Mietwohnungen hätten entstehen sollen, wurde von der Eigentümerin gestoppt. Was wünschten Sie sich für die Zukunft dieses Areals?
Gerber Wenger: Ich sehe keinen Mehrwert im Festhalten am Bestand, der mir marode und unattraktiv erscheint. Mit Blick auf die Überbauung «Zum Rössligarte» nebenan würde ein Neubau das Gesamtbild abrunden. Der Ansatz der Helvetia war für mich deshalb gut.
Virolainen: Das Areal hätte das Potenzial, den Bedarf an kleineren und mittleren Mietwohnungen zu decken, anstatt weiterer teurer Eigentumswohnungen. Ich würde es begrüssen, wenn es sich in diese Richtung entwickeln würde.
Bucher: Ich wünsche mir, dass das Areal rasch wieder in eine verlässliche Planung kommt. Zentraler, qualitativ guter Wohnraum ist Gold wert. Dazu braucht es von Anfang an klare Leitplanken und Verlässlichkeit. Entscheidend ist in meinen Augen nicht ein Meter mehr oder weniger, sondern dass das Projekt ins Ortsbild passt, nachhaltig ist und nicht erneut an Planungsunsicherheit scheitert.
Wie stehen Sie zur «Tschudy Villa»: Abriss oder Integration in eine Überbauung des Areals?
Gerber Wenger: Es ist ein vernünftiger Kompromiss mit dem Eigentümer anzustreben. Ob die Substanz des bestehenden Gebäudes noch erhaltenswert und somit in eine Überbauung integriert werden kann, müssen Experten entscheiden. Ich bin da sehr skeptisch. Der bestehende Rechtsstreit muss aber endlich beigelegt werden, das ganze Prozedere kostet den Steuerzahler jetzt schon zu viel.
Virolainen: Eine unerfreuliche Situation – der Eigentümer hat sich mit seinem eigenmächtigen Handeln in eine Sackgasse manövriert. Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob es sich lohnt, die Villa zu erhalten. Grundsätzlich finde ich aber, dass historische Gebäude zu der Identität und Geschichte eines Ortes gehören und möglichst erhalten bleiben sollten.
Bucher: Mich stört dieser seit Jahren unbefriedigende Zustand. Ganz persönlich wäre mir eine pragmatische Lösung lieber als ein aufwendiger Wiederaufbau; aufgrund des Denkmalschutzes ist das jedoch kaum realistisch. Somit wird die Aufgabe sein, die rechtlichen Vorgaben konstruktiv umzusetzen. Denkbar wäre eine Integration von Teilen der Villa in ein Gesamtprojekt, das den Schutz respektiert und gleichzeitig attraktiven Wohnraum ermöglicht. Aus meiner Sicht braucht es einen Neustart mit allen Beteiligten, damit aus dem Stillstand eine umsetzbare Lösung wird.
Für die Primarschule Dorf liegt ein Sanierungs- und Erweiterungsprojekt vor. Wie beurteilen Sie das Projekt und dessen baldige Realisierung? Soll das Vorhaben verschoben und durch ein günstigeres ersetzt werden?
Gerber Wenger: Wie in jüngster Zeit zu lesen war, entspannt sich die Situation um den Lehrermangel gerade, die Schülerzahlen sind rückläufig. Eine moderate Sanierung/Erweiterung muss im Einklang mit dieser Entwicklung geplant werden. Mit Blick auf die bestehenden Mehrzweckhallen inklusive neuer Dreifachturnhalle, deren jährliche Unterhaltskosten noch nicht bekannt sind, sehe ich die Notwendigkeit eines teuren Ausbaus der heutigen Turnhalle derzeit nicht.
Virolainen: Das Sanierungs- und Erweiterungsprojekt halte ich grundsätzlich für notwendig, weil die Schule den heutigen pädagogischen und baulichen Anforderungen entsprechen muss. Aufschieben löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie – meist zu höheren Kosten. Dennoch ist es sinnvoll, das Projekt auf Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen, insbesondere bezüglich Kosten und Etappierung.
Bucher: Da Sanierungs- und Platzbedarf bestehen, ist eine Lösung nötig. Das vorliegende Projekt wurde – soweit ich das beurteilen kann – sorgfältig aufgegleist und vorbereitet. Aufgrund der aktuellen Finanzlage würde ich prüfen, ob auf einzelne Elemente (vorerst) verzichtet werden kann und ob eine gestaffelte Umsetzung möglich ist. Zudem gehen allgemeine Prognosen von künftig eher rückläufigen Kinderzahlen aus. Falls dies auch für Sissach zutrifft, sollte das bei der Planung berücksichtigt werden. Für eine abschliessende Beurteilung möchte ich erst die Zahlen, Varianten und Folgekosten im Detail anschauen.
Die Verschuldung steigt aufgrund der Bauvorhaben deutlich an. Wie stehen Sie Steuererhöhungen zugunsten der Investitionen und ganz generell gegenüber? Unter welchen Umständen ist eine Steuererhöhung angebracht?
Gerber Wenger: Einerseits muss der Sparhebel angesetzt und andererseits müssen weitere Luxusbauten verhindert werden. In Zukunft müssen alle Ausgaben auf Einsparpotenzial geprüft werden. Auf kantonaler Ebene ist zu klären, wie weit der Staat die vermehrt an die Gemeinden delegierten Aufgaben auch durch Weitergabe von Geldern unterstützen muss. Da braucht es Druck von allen Gemeinden. Erst wenn hier das Optimum herausgeholt ist, kann eine Steuererhöhung diskutiert bzw. beurteilt werden, ob es sie noch braucht.
Virolainen: Ich weiss aus meiner Berufstätigkeit, was Budgetdisziplin heisst. Wenn wir aber mit unseren Einnahmen nicht nachhaltig unsere Ausgaben – die Investitionen mal ausgeklammert – decken können, müssen wir über eine Steuererhöhung nachdenken. Das gilt es nun zu prüfen. Ein sorgfältiger Umgang mit öffentlichen Geldern ist für mich zentral.
Bucher: Für grosse Projekte besteht die Möglichkeit, in guten Zeiten Vorfinanzierungen zu bilden. Damit wird künftiger Abschreibungsaufwand reduziert. Das ist jedoch kurzfristig kaum umsetzbar. Allenfalls wäre die Bevölkerung eher für eine nötige Steuererhöhung bereit, wenn diese befristet ausgesprochen und mit konkreten Massnahmen verknüpft wird.
Auch die laufende Rechnung steht unter anderem wegen stetig steigender Alterspflegekosten unter starkem Druck. Wo sehen Sie im Gemeindehaushalt Möglichkeiten, Ausgaben zu senken?
Gerber Wenger: Ambulante Betreuung von älteren und/oder kognitiv leicht angeschlagenen Menschen fördern – wer länger zu Hause leben kann, braucht weniger lang eine teure Pflegestufe. Keine unnötigen Luxusinfrastrukturprojekte mehr wie in der Vergangenheit. Förderung der Zusammenarbeit in der Region. Auf klare Einhaltung der genehmigten Kredite achten.
Virolainen: Um den Kostendruck bei der Alterspflege zu dämpfen, sollten wir in die Förderung von Mehrgenerationenhäusern und ambulantem Wohnen investieren. Jeder Tag, den ein Einwohner oder eine Einwohnerin dank guter Spitex-Versorgung oder altersgerechter Wohnformen später ins Heim muss, spart der Gemeinde Geld und bietet Raum für bedarfsgerechte Betreuungslösungen. Ansonsten wird es beim Sparen wohl eher die Summe der Dinge und Priorisierung sein – mit Fokus auf nachhaltige Lösungen statt kurzfristiger Sparübungen.
Bucher: Ich sehe Potenzial, Betriebskosten weiter zu senken, etwa durch mehr Nutzung geeigneter Flächen für die Stromgewinnung (wie bei meinem Antrag zur Eishalle). Diese kann auch ohne Eigeninvestitionen im Contracting erfolgen und spart langfristig Energiekosten. Die Alterspflegekosten sind hingegen schwierig zu bremsen. Da finde ich es richtig, weiterhin den Ansatz «ambulant vor stationär» zu verfolgen und mit passender Begleitung, Beratung und Prävention zu ergänzen. Das kann Folgekosten reduzieren und erhöht zugleich die Lebensqualität.
Frei werden die Ressorts Verkehr/ Wasser/Abwasser sowie Öffentliche Sicherheit/Kultur/Kirchen. Welches Ressort würden Sie vorziehen, sofern kein bestehendes Ratsmitglied wechselt?
Gerber Wenger: Aufgrund meiner Tätigkeit im Vorstand des Kulturvereins SissachLive habe ich da eine gewisse Affinität. Zudem sind Sicherheit und Kirchen Themen, die mir nicht fremd sind. Andererseits würde der Bereich Tiefbau meinen Horizont erweitern. Man ist ja nicht alleine und die Herausforderung lautet klar, sich auf jedes Ressort gründlich vorzubereiten.
Virolainen: Mein Wunschressort wäre durch meine Nähe zur Kultur Öffentliche Sicherheit/Kultur/Kirchen. Aber natürlich habe ich mich auch damit auseinandergesetzt. Wenn es ein anderes Ressort würde, wäre das für mich auch in Ordnung. In meinem Berufsleben setze ich mich mit unterschiedlichsten Branchen und Themen auseinander – das gefällt mir.
Bucher: Ich würde gerne die Geschäftsbereiche und Kommissionen von Stephan Marti übernehmen. Dort kann ich sowohl meine früheren fachlichen Erfahrungen als Gemeindeverwalterin, Gemeinderätin und Gemeindepräsidentin als auch meine vermittelnde Herangehensweise am besten einbringen. Als Erstes möchte ich übrigens herausfinden, warum Wasserzähler in Sissach noch persönlich abgelesen werden. Liegt hier vielleicht Sparpotenzial?
Sonja Gerber Wenger (SVP) ist 66-jährig und verheiratet. Die diplomierte Kauffrau und Personalfachfrau mit eidg. Fachausweis hatte bis zu ihrer Pensionierung als Personalleiterin die Personalverantwortung in Mittel- und Grossbetrieben mit Führungsfunktion. Sie ist Friedensrichterin und gehörte der Rechnungsprüfungskommission Sissach an. Ferner ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied im Kulturverein «Sissach-Live».
Tea Virolainen (Stechpalme) ist 55-jährig, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sie ist Typografin sowie Grafik- und Multimediadesignerin und Mitinhaberin eines Büros für visuelle Kommunikation in Basel. Virolainen gehörte während elf Jahren der Sissacher Kunstkommission an und vier Jahre der Gemeindekommission. Sie war beteiligt am Aufbau der Genossenschaft «Gmüeserei».
Sabine Bucher (GLP) ist 47-jährig, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist dipl. Steuerexpertin, Juristin (lic. iur.) und Mediatorin. Sie arbeitet als Mandatsleiterin Steuern in einem Treuhandbüro und als selbstständige Mediatorin. Zuvor war sie Gemeindepräsidentin von Läufelfingen und Gemeindeverwalterin von Rothenfluh. Bucher ist Co-Präsidentin der Baselbieter Grünliberalen und Mitglied des Landrats. Vergangenes Jahr hatte sie für den freien Sitz in der Baselbieter Regierung kandidiert.
Die Befragung erfolgte schriftlich.



