Die Polarisierende
23.06.2026 Baselbiet, Tenniken, Sissach, PolitikSarah Regez rückt für Matthias Liechti nach und wird Teil des Landrats
Kaum jemand polarisiert in der Baselbieter Politik so stark wie Sarah Regez, die in der SVP einen steilen Aufstieg hingelegt hat. Nun steht sie vor dem Einzug in den Landrat. Dort wird sich zeigen, ob ihr Politikstil ...
Sarah Regez rückt für Matthias Liechti nach und wird Teil des Landrats
Kaum jemand polarisiert in der Baselbieter Politik so stark wie Sarah Regez, die in der SVP einen steilen Aufstieg hingelegt hat. Nun steht sie vor dem Einzug in den Landrat. Dort wird sich zeigen, ob ihr Politikstil auch ausserhalb der Sozialen Medien funktioniert.
Janis Erne
Ja, sie will. Sarah Regez (SVP) wird für den in die Regierung gewählten Parteikollegen Matthias Liechti in den Landrat nachrücken. Das sagt die Sissacherin im Gespräch mit der «Volksstimme». Regez: «Für mich war stets klar, dem Volkswillen Folge zu leisten.» Das Baselbiet und die Menschen seien ihr wichtig, sie wolle sich mit Herzblut für sie einsetzen.
Ihren Entscheid behielt die 32-Jährige in den vergangenen Tagen für sich. Auf die Frage, weshalb sie mit der Information der Öffentlichkeit so lange zugewartet hat, sagt Regez: «Wieso sollte ich die Medienerwartungen erfüllen?» Sie habe vorgängig die Kommunikation mit der Landeskanzlei abwarten wollen.
Angesprochen auf ihre beabsichtigten Schwerpunkte im Parlament nennt Regez vier Punkte. Erstens wolle sie sich in Bildungsfragen engagieren. Zweitens wolle sie mithelfen, die Regulierungsdichte und Abgaben für KMU zu senken. Drittens solle das Baselbiet «wieder sicherer» werden, «insbesondere wegen der vielen Einbrüche durch ‹Fälleler›». Und viertens möchte sie Probleme anpacken, die mit der Zuwanderung einhergehen: «44 Prozent der Baselbieter haben für die ‹Nachhaltigkeitsinitiative› der SVP gestimmt.» Diesen Teil der Stimmbevölkerung vergesse sie nicht, so Regez.
Mindestens so aufmerksam wie auf ihre Vorstösse werden Politbeobachter auf Regez’ Voten im Landrat achten. Will sie ihren provokativen Stil aus den Sozialen Medien, wo sie regelmässig gegen Linke, den Islam oder die LGBTQ-Gemeinschaft schiesst, auch im Landratssaal fahren? Dazu Regez: «Ich provoziere nicht um der Provokation willen, sondern um Diskussionen anzuregen, die sonst nicht stattfinden würden.» Auf diesem Weg entstünden häufig die besten Gespräche, so Sarah Regez, die als Studentin Hörsäle «mit Leuten aus der Antifa- oder Pro-Palästina-Ecke teilt», die ganze andere Meinungen als sie vertreten.
Gleichzeitig ist sich Regez, die bisher lediglich in der Betriebskommission Begegnungszone in Sissach mitwirkte, darüber im Klaren, dass sie sich in die SVP-Fraktion eingliedern muss. «Wer mich kennt, weiss, dass ich ein Teamplayer bin, auf mein Wort Verlass ist und ich keine Karrieristin bin.» In der 21-köpfigen Fraktion wird Regez auf Unterstützer wie Parteipräsident Peter Riebli, der als ihr Förderer gilt, treffen – aber auch auf Mitglieder, die das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben wie sie. In Kommissionen und im Ratsplenum will Regez ihre Standpunkte «klar vertreten» und nicht von vornherein mit Kompromissen in Diskussionen gehen. Gleichwohl sei ihr bewusst, dass in einem Parlament Lösungen nur durch parteiübergreifende Verhandlungen möglich sind.
Ambivalentes Bild
Aufgewachsen ist Sarah Regez in Sissach, wo sie auch zur Schule ging. Nach der Fachmittelschule und einer Zeit an der Pädagogischen Hochschule der FHNW machte sie die staatliche Matur. Heute studiert sie Politik- und Rechtswissenschaften – «faktisch in Teilzeit», wie sie betont. Ihr Hauptfokus richte sich neben der politischen Tätigkeit klar auf das Berufliche. Als Geschäftsführerin kümmert sie sich um die Geschicke eines kleinen Unternehmens, das im Bereich Marketing, Social Media und Personalrekrutierung tätig ist. Das Büro befindet sich in Sissach.
Politisch in Randerscheinung getreten ist Regez erstmals «als Listenfüllerin» für die EVP bei den Landratswahlen 2019. Parteimitglied war sie laut eigenen Angaben jedoch nie. Der SVP trat sie an jenem Tag bei, als an der Universität Basel wegen der Corona-Pandemie die Zertifikatspflicht eingeführt wurde. Das war vor rund viereinhalb Jahren. Seither legte sie innerhalb der SVP einen steilen Aufstieg hin.
Im August 2023 fand Regez schweizweit mediale Beachtung, als sie mit ihrem heutigen Ehemann und Jungpartei-Chef Nils Fiechter am Wahlkampfauftakt der SVP Schweiz eine polarisierende Rede hielt. Die beiden sprachen damals von einem «Krieg um unsere Kultur» und davon, die «Schweiz zurückgewinnen zu wollen». Regez wurde in der Folge Strategiechefin der Jungen SVP Schweiz sowie Präsidentin der SVP Frauen Baselland und dadurch automatisch Mitglied der Parteileitung der Baselbieter SVP.
Bei Wahlen zeigte sich ein ambivalentes Bild: Während Regez in Sissach die Wiederwahl durch den Gemeinderat und die Gemeindekommission in die Betriebskommission Begegnungszone und die Urnenwahl in die Gemeindekommission verpasste, gelangen ihr als Quasi-Newcomerin bei den jüngsten Landrats- und Nationalratswahlen beachtliche Resultate. Auf beiden SVP-Listen ist sie Erstnachrückende. Dabei zeigte sich Regez’ politisches Gespür: Kurz vor den Nationalratswahlen lancierte sie im Herbst 2023 eine Initiative, die das Gendern an Baselbieter Schulen verbieten will, und rückte damit zu einem für sie günstigen Zeitpunkt in den Fokus der Öffentlichkeit.
Umstrittene Wortwahl
Aufmerksamkeit erhielt Sarah Regez auch im darauffolgenden Frühling, als bekannt wurde, dass sie an einem Anlass teilgenommen hatte, an dem der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner auftrat. Sellner gilt als einer der bekanntesten Vertreter der Szene. Ebenso wurden ihr Kontakte zu Mitgliedern der Gruppierung Junge Tat nachgesagt, die wegen ihrer rechtsradikalen Gesinnung vom Schweizer Nachrichtendienst beobachtet wird.
Hierauf angesprochen entgegnet Regez, dass sie mit allen rede, wenn sie angesprochen werde – «auch mit Personen, die dem rechtsoder linksextremen Spektrum zuzuordnen sind». Zur Veranstaltung mit Martin Sellner, von dem sie vorgängig gar nicht gewusst habe, wer er sei, sei sie von einem Bekannten mitgenommen worden. Als «politisch interessierte Frau» habe sie teilgenommen. Das Gesagte habe ihre Standpunkte jedoch in keiner Weise verändert – sie sei in ihrer politischen Meinung so gefestigt, dass sie sich von ihrer «klaren SVP-Linie» nicht so einfach abbringen lasse.
Dass sie den in rechtsradikalen Kreisen verwendeten Begriff «Remigration» ebenfalls benutzt hat, bedeute nicht, dass sie den Rechtsstaat nicht respektiere, so Regez: «Für mich ist die inhaltliche Auseinandersetzung der Kern unserer Demokratie. Rein wissenschaftlich betrachtet bedeutet Remigration das Gegenteil von Migration.» Im politischen Sinne verstehe sie den Begriff als «das Zurückführen von illegalen, integrationsunwilligen, langzeitsozialhilfeabhängigen und kriminellen Ausländern in ihre Herkunftsstaaten». Ohne Rückschaffungen sei die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet und es entstünden mehr und mehr Spannungen aufgrund zunehmender Kriminalität und Sozialhilfemissbrauchs. Solche Zustände will Regez im nördlichen Nachbarland erkennen: «Handeln wir nicht, stehen wir in absehbarer Zeit vor den gleichen Problemen wie Deutschland heute.»
Regez betont, sie sei nicht gegen Ausländer, die in der Schweiz arbeiten und sich integrieren würden. Doch sie kritisiert «zu lasche Grenzkontrollen gegen illegale Zuwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen» und Grosskonzerne, die «immer mehr Leute aus dem Ausland anstellen», um die Lohnkosten zu drücken, obschon gleichzeitig die Arbeitslosigkeit in der Schweiz steige. Sie habe nichts dagegen, wenn Roche einen ausländischen Chemiker anstelle, doch bei Weitem nicht alle zugewanderten Arbeitnehmer seien solche Fachkräfte. «Als SVP wollen wir die Menschen in der Schweiz vor jeglichen negativen Einflüssen schützen», sagt Regez. Ihre Partei bezeichnet sie als «wirtschaftsliberal mit ethischen Grundsätzen».
Im Landrat wird Regez nur wenige Monate vor den Gesamterneuerungswahlen im April kommenden Jahres Einsitz nehmen. Von der Sissacher SVP-Sektion will sie sich erneut für die Landratswahlen aufstellen lassen. In diesem Zusammenhang gab es Spekulationen um ihren tatsächlichen Wohnort und Lebensmittelpunkt. Darauf angesprochen sagt Regez, deren Ehemann im Berner Oberland lebt, dass sie in Tenniken wohne und in Sissach arbeite. Und ergänzt leicht genervt: «Ich überlege mir jedoch, alle drei bis sechs Monate umzuziehen, damit gewisse Medien etwas zu schreiben haben …»

