Die Katzenhüterin geht in Flammen auf
27.02.2026 Fasnacht, SissachSusanna «Zeusi» Dätwyler ist das diesjährige «Chluuri»
Sie sorgt für Katzen, Igel und Ordnung im Neuweg: Susanna «Zeusi» Dätwyler ist in der «Kleinen Allmend» in Sissach eine Institution. Nun ehrten sie die ...
Susanna «Zeusi» Dätwyler ist das diesjährige «Chluuri»
Sie sorgt für Katzen, Igel und Ordnung im Neuweg: Susanna «Zeusi» Dätwyler ist in der «Kleinen Allmend» in Sissach eine Institution. Nun ehrten sie die «Chluuribouer» – als über sieben Meter hohes «Chluuri».
Luana Güntert
Susanna «Zeusi» Dätwyler ist in Sissach bekannt – vor allem im Quartier Kleine Allmend und ganz besonders bei den Katzen. Nun wurde der Sissacherin eine besondere Ehre zuteil: Die «Chluuribouer» machten sie zum diesjährigen «Chluuri» und verbrannten die überdimensionale Holzfigur gestern Abend zum Abschluss der Sissacher Fasnacht unter lauter Anteilnahme einer grossen Schar von Fasnächtlern und Zuschauerinnen – bei frühlingshaften Temperaturen.
«Sie ist für uns ein Dorforiginal», sagen die «Chluuribouer». Mit der Wahl wollten sie für einmal bewusst eine Persönlichkeit ehren, die nicht ständig im Rampenlicht steht. «Zeusi» kennt man vor allem im Quartier – und natürlich als Katzenfreundin.
Denn Susanna Dätwylers Herz schlägt für Tiere. Mit viel Hingabe kümmert sie sich um streunende Katzen in ihrem Quartier, versorgt die Lieblinge von Bekannten während deren Ferienabwesenheit und betreibt für Igel eine kleine Auffangstation bei sich zu Hause. Ihre Liebe zu den Katzen geht so weit, dass sie ihr Rentnerinnendasein gelegentlich unterbricht und im Neuweg kurzerhand zur Verkehrspolizistin wird. Dort versucht sie, die Einbahnstrasse von entgegenkommenden Trottinetts und Velos freizuhalten – zum Schutz ihrer Vierbeiner. Statt mit Pistole und Schlagstock ist «Zeusi» allerdings mit Finken ausgerüstet, die notfalls auch einmal fliegen.
Zu Susanna Dätwylers Persönlichkeit passt eine Redewendung besonders gut: harte Schale, weicher Kern. «Sie cha scho verruckt wärde», sagt man im Dorf. An Gemeindeversammlungen oder im Disput mit der Schulleitung wegen des Trottinettverkehrs im Neuweg zeigt sie ihre Emotionen offen. Doch hinter der resoluten Art steckt ein grosses Herz – nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen: «Wenn jemand Hilfe braucht, packt sie mit an», sagen «Zeusi»-Kenner. Last-Minute-Fasnachtskostüme näht sie ebenso selbstverständlich wie sie vor einigen Jahren gemeinsam mit ihren Geschwistern ukrainische Geflüchtete im Elternhaus aufnahm.
Gearbeitet hat Susanna Dätwyler schon früh. Als älteste von drei Schwestern unterstützte sie ihre Mutter tatkräftig im Quartierladen in der «Kleinen Allmend». Das «Schaube-Lädeli» – benannt nach ihrem Mädchennamen Schaub – war im Quartier eine feste Grösse (siehe Artikel auf Seite 6).
Einfacherer Bau als auch schon
Bevor «Zeusi» gestern Abend nach Redaktionsschluss in Flammen aufging, musste sie erst gebaut werden. Bereits im vergangenen Oktober begannen die «Chluuribouer» auf dem Areal der «Rewag» mit den ersten Arbeiten. Der Feinschliff sowie das Zusammensetzen der fünf Einzelteile erfolgten gestern in und vor der Halle der Bläuer Holzbau AG im Sissacher Gwerbegebiet.
Dass die Halle jeweils zur Verfügung steht, hat praktische Gründe: Co-Geschäftsinhaber Bruno Kaderli gehört selbst zum zehnköpfigen Bauteam, und während der Fasnacht sind Betriebsferien. Auch Martina Rohr, die das Unternehmen gemeinsam mit Kaderli führt, freut sich über den Beitrag zur Fasnacht.
Das 7,5 Meter hohe und mehrere Tonnen schwere «Chluuri» wurde wie jedes Jahr mit vier bis fünf Ster Brennholz gefüllt. Der Bau sei diesmal vergleichsweise einfach gewesen, erzählen die «Chluuribouer»: «In anderen Jahren haben wir noch Treppchen oder Häuschen dazu gebaut – das war deutlich aufwendiger.» Eine Herausforderung seien hingegen stets die Hände: «Eine Hand ist eigentlich so gross wie ein Gesicht. Dass das bei einem ‹Chluuri› nicht passt, ist selbsterklärend. Deshalb ist es immer schwierig, passende Proportionen zu finden.»
Dass «Zeusi» heute nicht alle Sissacherinnen und Sissacher kennen, hätte sich vor fast 50 Jahren beinahe geändert: 1979 spielte sie eine tragende Rolle in Max Wernlis Film «Sissech – ein Film vom Dorf». Für eine Hollywood-Karriere reichte es zwar nicht ganz – zum Sissacher «Chluuri» aber allemal.




